Foto-Expedition Schillernde Stars der Ostsee

So sieht man die Ostsee selten: Eine Tauchexpedition in das Binnenmeer hat beeindruckende Bilder hervorgebracht. Die Fotos zeigen das bunte Leben in der Tiefe - und dokumentieren zugleich ihre rücksichtslose Ausbeutung und Zerstörung.

Oceana/ Carlos Minguell

Wenn Forscher spektakuläre Fotos bizarrer Meeresbewohner präsentieren, waren sie meist in exotischen Regionen oder in großen Tiefen unterwegs. Die Umweltschutzgruppe Oceana zeigt jetzt, dass weite Reisen für spannende Bilder nicht zwingend notwendig sind. Bei einer Expedition in die ebenso biedere wie flache Ostsee sind der Organisation beeindruckende Aufnahmen gelungen.

Allerdings zeigen die Fotos nicht nur die bunte Vielfalt des Lebens, sondern auch den alarmierenden Zustand von Teilen des Binnenmeers. Taucher und ferngesteuerte Roboter haben im Kattegat und Öresund zwischen Dänemark und Schweden zahlreiche tote Flächen am Meeresgrund aufgenommen, auf denen durch Überfischung, zerstörerische Fangpraktiken und Umweltgifte kein Lebenszeichen mehr auszumachen ist.

"Manche Bilder sind schockierend", sagte Oceana-Projektleiterin Anne Schröers am Mittwoch bei einem Zwischenstopp in Kopenhagen. "Viele der von uns fotografierten Flächen sind durch die gewaltigen Grundschleppnetze zerstört worden." Die Anrainerstaaten müssten umgehend Schutzmaßnahmen ergreifen, "um die Zerstörung der Ostsee zu stoppen".

Der Grund der Ostsee ist seit jeher in weiten Teilen arm an Lebewesen. Das Meerwasser ist schlecht durchmischt, so dass sich in der Tiefe sauerstofffreie Zonen bilden, in denen Tiere und Pflanzen nicht existieren können. Wie stark sich diese Zonen ausgeweitet haben, müssen genauere Erkundungen zeigen.

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21  Bilder
Ostsee: Buntes Leben und Todeszonen
Oceana tritt neben dem Verbot solch brutaler Fischfangmethoden vor allem für die Ausweitung der Schutzzonen in der Ostsee ein. Bisher umfassen sie nur zwölf Prozent der Meeresfläche, die Organisation möchte eine Verdoppelung bis Verdreifachung erreichen.

Neben zerstörten Flächen sind auf den Fotos aber auch zahlreiche faszinierende Wesen zu sehen - etwa ein Taschenkrebs mit Seepocken auf dem Rücken, ein vierhörniger Seeskorpion, eine Flunder und See-Anemonen. Zudem sind spektakuläre Aufnahmen von Fischen und anderen Lebewesen gelungen, die Wissenschaftler zum Teil gar nicht mehr in der Ostsee vermutet hatten.

Oceana, in den USA gegründet, will mit neuen Büros in Madrid und Paris die Aufklärung über Umweltschäden in europäischen Meeren voranbringen. Seit vier Wochen und noch bis Anfang Juni befahren Fotografen und wissenschaftliche Mitarbeiter auf der gecharterten "Hanse Explorer" die Ostsee, um mit aufwendiger Fototechnik und auch dem Einsatz eines Unterwasserroboters den Zustand des Ostseegrunds zu dokumentieren.

mbe/dpa

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