Eine Ameise bugsiert kopfüber das Hundertfache ihres Körpergewichts: Das erstaunliche Bild eines Deutschen hat den ersten Preis bei einem Wettbewerb von Wissenschaftsfotografen gewonnen. Thomas Endlein von der University of Cambridge und sein Team untersuchen die klebrigen Füße von Ameisen und anderen Insekten. Sie wollen von der Natur lernen, um Klebstoffe im Alltag zu verbessern.
"Wir müssen erstmal verstehen, wie Tiere ihre Haftorgane anwenden, um zu lernen, wie es umgesetzt werden kann", sagte der Biologe und Naturfotograf Thomas Endlein, nachdem er mit dem Preis ausgezeichnet wurde. "Das Militär hat großes Interesse an den Ergebnissen und will Roboter mit der Technik ausstatten. Auch viele andere Anwendungen könnten davon profitieren."
Endleins Aufnahme zeigt eine asiatische Weberameise (Gattung Oecophylla). Sie hängt kopfüber an einer Glasoberfläche und hält ein Gewicht von 500 Milligramm in ihren Kiefern. "Ameisen können die Größe und die Form der Polster an ihren Füßen verändern, abhängig vom Gewicht, das sie tragen", sagte Endlein, der aus Rothenburg ob der Tauber (Bayern) stammt. "Die Polster von Ameisenfüßen reinigen sich selbst und kleben an fast jeder Oberfläche. Kein Kleber aus Menschenhand kann es damit aufnehmen."
Die Forschung stecke derzeit noch "in den Kinderschuhen", sagte der Biologe. Er studiert mittlerweile an der Universität Glasgow die Haftorgane der Laubfrösche. "Wir können von den Tieren nur lernen, aber es lässt sich nicht eins zu eins übertragen. Die Strukturen bei den Tieren sind so fein, sie passen zu keinem Material."
Endlein hat mit seinem Ameisen-Bild den Fotowettbewerb gewonnen, den der britische Wissenschaftsrat (Biotechnology and Biological Sciences Research Council BBSRC) ausgeschrieben hatte. Die Jury kürte Bilder von Forschern aus England.
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Thomas Endlein, University of Cambridge: Asiatische Weberameisen sind wahre Haftungskünstler. Ihr Klebetrick funktioniert dank spezieller Haftorgane an ihren Füßen. Diese stülpen sie nur bei Bedarf aus. Ansonsten kämen sie mit ihren Klebfüßen nicht so schnell voran.
Emma Foster, University of Leeds: Um den Zustand eines Ökosystems zu bewerten, untersuchen Forscher häufig den Gesundheitszustand der größten Raubtiere in der Umgebung - in diesem Fall Schwertwale. Das Bild dieses auftauchenden Orcas beeindruckte die Jury besonders, es gewann den zweiten Preis beim Fotowettbewerb des britischen Wissenschaftsrats.
Jolyon Troscianko, University of Birmingham: Der Forscher untersucht die Intelligenz von Vögeln. Diese Krähe beweist, wie schlau sie ist: Mit einem kleinen Stöckchen fischt sie in einem alten Baumstamm nach leckeren Larven.
Rob Wüst, University of Leeds: Wie gut funktionieren die Muskeln von Rauchern? Mit dieser Frage beschäftigt sich der britische Forscher. Winzige Blutgefäße aus Skelettmuskeln macht der Wissenschaftler mit Hilfe eines Farbstoffs unter dem Mikroskop sichtbar. Die preisgekürte Aufnahme ist aus zwei Fotos zusammengesetzt.
Felicity Crotty, North Wyke Research and University of Plymouth: Milben, Springschwänze und andere Tierchen aus dem Boden sammelt die britische Wissenschaftlerin. Sie widmet sich in ihrer Forschung der Bodenökologie - einem sehr wichtigen Zweig in der Welthungerhilfe. Das Wissen um die Enstehung, Aufbau und Eigenschaften von Böden hilft vor allem der Landwirtschaft in Entwicklungsländern.
Emma Foster, University of Leeds: Auch in der Kategorie "Menschen" gewann die britische Forscherin den Preis für das beste Wissenschaftsfoto. Es zeigt einen Fischer, der einen Wildlachs in Puget Sound im Bundeststaat Washington gefangen hat. 2008 waren die Wildlachs-Bestände an der US-Westküste stellenweise fast komplett verschwunden.
Marcus Fischer, University of York: Mit dieser Aufnahme gewann der britische Wissenschaftler den zweiten Preis in der Kategorie "Menschen". Sie soll verdeutlichen, dass theoretische und praktische Forschung heutzutage immer mehr miteinander verzahnt sind. So rücken beispielsweise Genetiker mit Hilfe von Denkanzsätzen aus der Systembiologie von der klassischen Vorstellung "ein Gen - eine Krankheit" zunehmend ab. Die theoretischen Ansätze sollen helfen, Wirkstoffe für komplexe Krankheiten wie Krebs zu finden.
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