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Die Zahl der gefährdeten Arten ist innerhalb eines Jahres um ein Viertel gestiegen. Viele Pflanzen und Tiere drohen endgültig von der Erde zu verschwinden. SPIEGEL ONLINE zeigt Fotos von Arten, die schon bald ausgestorben sein könnten.


Schlanklori: Der Bewohner Sri Lankas gilt als bedroht
Anna Nekaris

Schlanklori: Der Bewohner Sri Lankas gilt als bedroht

15.589 Positionen ist sie mittlerweile lang, die Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Die gestern auf der Internationalen Artenschutzkonferenz in Bangkok vorgestellte Liste ist nach Ansicht des World Wildlife Fund WWF ein Indikator für die Krisenregionen der Erde. Zugleich werde deutlich, dass man nach und nach ganze Ökosysteme verlieren werde, befürchtet Artenschutzexperte Stefan Ziegler.

Mittlerweile stünden ganze Arten-Gruppen auf der Liste, deren Lebensbedingungen in Meeren, Wäldern sowie Feuchtgebieten und Flüssen sich stetig verschlechterten. Ziegler betonte: "Der hohe Bedrohungsgrad verschiedener Fisch- und Amphibienarten zeigt uns, dass es um die Süßwasserressourcen der Erde schlecht bestellt ist."

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Rote Liste 2004: Vom Aussterben bedroht

Auch Klimaveränderungen tragen zum Artensterben bei. Durch schnell schmelzende Gletscher sehen Wissenschaftler die Lebensräume von Millionen von Menschen und die Zukunft zahlreicher Tier- und Pflanzenarten gefährdet.

"Für manche Arten und Völker wird es zu großen Schwierigkeiten kommen, weil Gebirge nicht nur ländliche Gebiete sondern auch große Städte, insbesondere in Lateinamerika, mit Wasser versorgen", erklärte Martin Price, Sprecher des britischen Zentrums für Gebirgsstudien am Rande des Artenschutzkongresses in Bangkok.

Vorratsspeicher werden immer kleiner

Rund 75 Prozent der gesamten Frischwasservorräte der Erde sind in Gletschereis gespeichert. Was im Winter als Schnee oder in heftigen Regenfällen niedergeht, wird während der heißen und trockenen Sommerzeit nach und nach an Flüsse abgegeben.

Auf der Roten Liste: Grün-Schildkröte
DPA

Auf der Roten Liste: Grün-Schildkröte

Faktoren wie globale Erwärmung und Luftverschmutzung führen Studien zufolge nun aber dazu, dass die Gletscher und damit die Vorratsspeicher immer kleiner werden. "Das wird auf lange Sicht ein großes Thema werden", sagte Price weiter. "Wenn die Gletscher mal weg sind, sind wir praktisch auf das angewiesen, was vom Himmel fällt."

In heißen Ländern speisen Gletscher seinen Angaben zufolge die nationalen Flüsse zu 95 Prozent. Selbst in Ländern mit moderatem Klima wie Deutschland stamme das Wasser zu 40 Prozent aus Gletschern. Studien zufolge wird der Kilimandscharo in Tansania - der höchste Gipfel Afrikas - seine Eisschicht bis zum Jahr 2020 verlieren. Der Gletscher-Nationalpark im Norden der USA werde bis 2030 abgeschmolzen sein.

Lebensräume exotischer Vögel verschwinden

Das Abholzen großer Waldgebiete stuften Wissenschaftler in Bangkok als weitere, große Bedrohung für die Artenvielfalt ein. Illegale Fällaktionen in Indonesien bedeuteten für viele exotische Vögel Asiens das Aus. "Vogelarten in ganz Asien sind in ernster Gefahr" sagte Richard Grimmet, Leiter des Schutzprogramms Birdlife Asia. Von den 332 in ganz Asien gefährdeten Vogelarten lebten allein 117 aus Indonesien.

"Wie Amphibien auch, sind Vögel exzellente Indikatoren des Verlusts der Biodiversität." Wenn sie in Gefahr seien, sagte Grimmet, dann könne man sicher sein, dass die Natur insgesamt Probleme habe.



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