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15. Oktober 2018, 12:17 Uhr

Frankreich

Warum fast alle Austern sterben mussten

Plötzlich sind alle tot: Immer wieder sterben bis zu hundert Prozent der Austernpopulationen in französischen Gewässern plötzlich ab. Nun haben Forscher das Rätsel um die toten Austern gelöst.

In den vergangenen Jahren kam es in Frankreich immer wieder zu mysteriösen Massensterben bei Austern. Betroffen waren sowohl freilebende Muscheln als auch die in Zuchtfarmen. Teilweise starben ganze Austernbänke einfach ab. Nun haben Forscher das Rätsel um das Massensterben gelöst, wie sie im Fachblatt "Nature Communications" berichten. Demnach machte ein Doppelangriff von Herpesviren und Bakterien den Muscheln den Garaus.

Das Herpesvirus OsHV-1 ist bekannt dafür, dass es die bei Gourmets beliebten Pazifischen Austern (Crassostrea gigas) befallen kann. Laut der Forschergruppe um Julien de Lorgeril von der Université de Montpellier ist das Virus in den vergangenen Jahren jedoch besonders häufig ausgebrochen. Grund dafür seien wahrscheinlich Mutationen, die das Virus aggressiver gemacht hätten. Das Herpesvirus allein könne das Massensterben jedoch nicht erklären.

Die meisten Austern sterben innerhalb weniger Stunden

Die Forscher haben deshalb genauer untersucht, was mit den infizierten Tieren passiert. Das Ergebnis: Das Herpesvirus schwächt die Austern so sehr, dass sich ihr Immunsystem kaum noch gegen Bakterien wehren kann, die wahrscheinlich über die Atemwege in die Muscheln eindringen. Die Bakterien lösen unter anderem Blutvergiftungen aus und sorgen dafür, dass die Austern quasi lebendig verfaulen, die meisten Tiere sterben innerhalb weniger Stunden.

Die Erreger befallen nicht nur Austern in Frankreich, sondern weltweit. Den Forschern zufolge sind beispielsweise auch in China ganze Populationen zusammengebrochen, wo 80 Prozent der Austern weltweit gezüchtet werden. Mittel gegen die Herpesviren oder die Bakterien gibt es bislang keine.

Die Forscher hoffen dennoch, die Pandemie noch in den Griff zu bekommen. Denn einige Austern trotzten den Herpesviren. Sie verfügen laut den Forschern über bestimmte Gene, die das Immunsystem aktivieren, sobald sich die ersten Viren in den Muscheln breitmachen. Dadurch überlebten die meisten Austern die Infektion. Die Forscher wollen nun aus den widerstandsfähigen Tieren einen neuen Grundstock für Zuchtaustern aufbauen.

koe

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