Kunstrasenplätze Forscher ziehen eigene Mikroplastik-Studie in Zweifel

Eine Studie des Fraunhofer-Instituts über Mikroplastikemissionen von Kunstrasenplätzen sorgte für aufgeregte Diskussionen. Nun relativieren die Forscher nach Informationen des SPIEGEL ihre Ergebnisse.

Sportplatz in Berlin: Viele Amateursportvereine fürchten wegen der Mikroplastik-Diskussion um ihre Kunstrasenplätze
Marc Tirl/ DPA

Sportplatz in Berlin: Viele Amateursportvereine fürchten wegen der Mikroplastik-Diskussion um ihre Kunstrasenplätze


Nach Kritik an einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik in Oberhausen zur Emission von Mikroplastik wollen die Wissenschaftler eine neue Untersuchung unter Einbeziehung von Industrie und Kommunen vornehmen, wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet.

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Im vergangenen Jahr waren die Wissenschaftler zu der Erkenntnis gekommen, dass eine wesentliche Quelle für die Belastung der Umwelt "Verwehungen von Sport-und Spielplätzen" sei. Bis zu 11.000 Tonnen Mikroplastik kämen allein in Deutschland zusammen, berechneten sie.

Demnach müssten pro Platz und Jahr bis zu drei Tonnen in die Umwelt gelangen. Das erschien der Kunstrasenindustrie deutlich zu hoch. In einem Brief unter anderem an Industrievertreter räumt Studienautor Jürgen Bertling nun ein, dass es "Anhaltspunkte" gebe, "dass die in Deutschland dominierenden Kunstrasentypen deutlich geringere Emissionen" verursachen würden.

Um künftig zu einer "ganzheitlichen Bewertung" zu kommen, schlägt er der Branche vor, eine neue Studie zu verfassen - an der sich Betriebe und Kommunen mit jeweils bis zu 20.000 Euro beteiligen sollten. Sobald sich mindestens zehn Geldgeber gefunden hätten, würden die Wissenschaftler beginnen.

Viele Amateursportvereine fürchten, ihre Kunstrasenplätze schließen zu müssen, wenn die EU Plastikgranulat verbietet. Derzeit werden in Brüssel entsprechende Pläne diskutiert.

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insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
tafka2937981 02.08.2019
1. Genial!
DAS ist ja mal ein Geschäftsmodell: zuerst mit einer falschen Studie Panik bei Herstellern, Sportvereinen und Gemeinden erzeugen, und dann ein Gegen-Gutachten anbieten - für Kostenbeteiligung natürlich... kannste dir nicht ausdenken... :-D
pr-watch 02.08.2019
2. alter spon artikel
in dem alten Artikel war auch immer von Granulat die Rede. jetzt habe ich mir die beiden Plätze unseres Vereins Mal angeschaut und nachgefragt. und siehe da, die sind granulatfrei.
itzenflitz 02.08.2019
3. 3 Tonnen Mikroplastik
pro Jahr und Kunstrasenplatz. Durch den Abrieb durch Schuhe und Bälle. Natürlich. Und da ist bei diesem renommierten Institut Niemanden aufgefallen, dass dieses Studienergebniss unsinnig sein MUSS?
dreg2 02.08.2019
4. ja ja
das ist halt so mit den Studien die dann einfach hochrechenbar sind. Auf einmal alles doch irgendwie anders. Mal sehen was da noch bei vielen anderen Studien ans Tageslicht kommt.
mk1964 02.08.2019
5. Geniales Geschäftsmodell!
Man veröffentlicht eine Studie, die nicht ganz falsch, aber auch nicht so ganz richtig ist und wenn sich dann alle aufregen bietet man eine Nachfolgestudie an. Weitere Studie macht Sinn, aber nicht von denselbem Instititut.
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