Fridtjof Nansen "Norweger des Jahrhunderts" und "Nackte Ikone"

Fridtjof Nansen war legendärer Polarforscher, Politiker und Friedensnobelpreisträger, er ist bis heute einer der bekanntesten Norweger. Selbst gut 80 Jahre nach seinem Tod sorgte er noch für Schlagzeilen: mit Nacktfotos.
Fridtjof Nansen (undatiertes Archivbild)

Fridtjof Nansen (undatiertes Archivbild)

Foto: DPA

Wer an diesem Dienstag in Deutschland die Startseite von Google aufruft, dem kommt ein Mann auf Skiern entgegengeschlittert: Fridtjof Nansen, der am 10. Oktober seinen 156. Geburtstag gefeiert hätte.

Geboren wurde Nansen 1861 in Norwegen. Er studierte Zoologie an der Universität von Christiania und schrieb seine Doktorarbeit über das Zentralnervensystem niederer Meerestiere. Im Sommer 1888 durchquerte er als Polarforscher Grönland von Ost nach West. "Er revolutionierte die Techniken des polaren Reisens und beeinflusste damit alle nachfolgenden Expeditionen in Arktis und Antarktis", heißt es in seinem Wikipedia-Eintrag.

Nansen unternahm mehrere spektakuläre Forschungsreisen, er wurde zu einem der bekanntesten Männer des Landes. Später widmete sich Nansen der Politik und verhalf Norwegen zur Unabhängigkeit. 1906 wurde er Botschafter des Landes in London.

Zu Nansens größten diplomatischen Leistungen zählt der "Nansen-Pass", ein Reisepass für staatenlose Flüchtlinge, der im Juli 1922 eingeführt wurde. Zu den bekanntesten Inhabern zählen Marc Chagall, Igor Strawinski und Aristoteles Onassis. Für seinen Einsatz für Flüchtlinge und Heimatlose bekam Fridtjof Nansen 1922 den Friedensnobelpreis verliehen. Der "Nansen-Pass" ist ebenfalls in Googles Geburtstags-Doodle aufgenommen, rechts oben:

Über seine Forschungen und seine Hilfstätigkeit hat Nansen mehrere Werke veröffentlicht, darunter "Auf Schneeschuhen durch Grönland" (1891), "In Nacht und Eis" (1897), "Wissenschaftlicher Bericht der Norwegischen Nordpolexpedition 1893 - 1896" (1900 - 1906) oder "Russland und der Friede" (1923).

Nansen war zweimal verheiratet und hatte fünf Kinder. Er starb am 13. Mai 1930 in Lysaker in Norwegen. 1999, fast siebzig Jahre nach seinem Tod, kürten ihn die Leser der Zeitung "Aftenposten" zum "Norweger des Jahrhunderts".

Dieselbe Zeitung sorgte 2011 noch einmal mit Nansen für Schlagzeilen: Sie titelte "Das letzte Abenteuer des Polarhelden" und druckte dazu Nacktfotos, die Nansen zwei Jahre vor seinem Tod aufgenommen hatte. Da war er 67 Jahre alt und hatte eine Geliebte. Auch in deutschsprachigen Medien wurde über die Aufnahmen berichtet, Schlagzeilen lauteten unter anderem "Die nackte Ikone" (Mitteldeutliche Zeitung"), "Nackter Nansen" ("Frankfurter Allgemeine Zeitung") oder "Nackter Nationalheld" ("Neue Zürcher Zeitung").

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