Fukushima-Folgen Forscher weisen radioaktive Substanz vor Alaska nach

Acht Jahre nach dem Reaktorunglück von Fukushima finden Forscher noch immer radioaktive Stoffe in der Umwelt. Nun haben sie Cäsium 137 im Wasser vor einer Insel in Alaska entdeckt.

Ort Gambell auf der Insel St. Lawrence in Alaska
Ann Johansson / Getty Images

Ort Gambell auf der Insel St. Lawrence in Alaska


2011 traf ein heftiger Tsunami Japan und zerstörte tausende Menschenleben und zahlreiche Gebäude. Im Atomkraftwerk Fukushima kam es zur Kernschmelze. Radioaktive Stoffe, die damals austraten, lassen sich bis heute in der Umwelt nachweisen. Inzwischen haben sie ihren Weg bis in die Beringsee vor Alaska gefunden, berichten Forscher von der University of Alaska in Fairbanks.

Ein Einwohner von St. Lawrence Island hat über Jahre an der Nordwestspitze der Insel Wasserproben genommen. 2018 waren die Werte für Cäsium 137 schließlich leicht erhöht. Die Forscher fanden 2,4 Becquerel pro Kubikmeter Wasser. Vor dem Nuklearunfall von Fukushima waren im Pazifik Werte von unter 2 Becquerel pro Kubikmeter normal.

Eine Gefahr für die Gesundheit bestehe nicht, schreiben die Wissenschaftler gleich im ersten Absatz einer Mitteilung zu dem Fund. US-Behörden halten selbst Trinkwasser mit 7400 Becquerel pro Kubikmeter Wasser für sicher - ein Wert, der mehr als dreitausend Mal höher ist als der in der Beringsee gemessene.

"Die Fundstelle ist die nördliche Grenze der radioaktiven Ausbreitung", sagt Forscherin Gay Sheffield. Cäsium 137 entsteht bei der Kernspaltung von Uran und hat eine Halbwertzeit von 30 Jahren. Nach dieser Zeit ist die Hälfte des Stoffs zerfallen. Bis dahin setzt er sich etwa im Boden fest und wird in stark betroffenen Gebieten zum Problem für die Landwirtschaft, weil es Lebensmittel kontaminiert.

Radioaktiver Stoff in Muscheln nachgewiesen

Zuvor hatten Forscher radioaktive Stoffe aus Fukushima bereits an anderen Stellen der amerikanischen Westküste entdeckt, etwa vor dem kanadischen Bundesstaat British Columbia und im Golf von Alaska. 2014 hatten Wissenschaftler der amerikanischen Ozeanbehörde NOAA zudem in Muscheln aus der Beringsee Radionuklide aus Fukushima nachgewiesen. Auch im Gewebe von Seebären fanden sie den Stoff. Das Wasser wurde damals aber nicht untersucht.

Lagebehälter für radioaktives Wasser in Fukushima
Issei Kato / REUTERS

Lagebehälter für radioaktives Wasser in Fukushima

Für die Bewohner von St. Lawrence Island kommt die Entdeckung nicht nur deshalb wenig überraschend. Sie hätten erwartet, dass Radionuklide irgendwann bei ihnen ankommen, erklärt Sheffield. Die Strömung im Meer sei dafür verantwortlich. "Es war klar, dass die Nuklide irgendwann kommen, die Leute wussten nur nicht genau, wann."

jme/Reuters



insgesamt 8 Beiträge
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oalos 03.04.2019
1. Ach.
Es wurde nur Cäsium 137 mit der Halbwertzeit von 30 Jahren gefunden ? Es sind doch aber radioaktive S t o f f e (Plural) ausgetreten in Fukushima ?! Und was 'US-Behörden' für sicher halten, wird im Artikel unkritisch übernommen ?
permissiveactionlink 03.04.2019
2. 2,4 Bq,
hört sich nach wenig an, etwas über zwei Cs137-Zerfälle pro Sekunde. Aber dafür müssen in dem untersuchten Wasservolumen dann insgesamt 3,28 Milliarden Cs137 Kationen gelöst sein, bzw pro Liter 3,28 Millionen. Die Verdünnung ändert daran nichts. Handelte es sich um Süßwasser, so wären in einem Kubikmeter 55.600 Mol Wasser enthalten mit 3,35*10^28 Wassermolekülen. Dann läge die Verdünnung bei 1 zu 10^19. Also eine eher homöopatische Dosis. Tatsächlich enthält Meerwasser aber ca. 35g Salze pro 1000g Lösung, und die Dichte ist auch höher als 1000g pro Liter. Das Problem : Cs137 wird nicht nur vom menschlichen Körper aufgenommen, sondern auch gespeichert. Und dann bleibt es eben nicht unbedingt bei 2,4 Zerfällen.
D D D 03.04.2019
3. relativ
Hier schrillen ja gleich wieder die Alarmglocken. Nur zum Vergleich: ein menschlicher Koerper hat viel weniger Masse als ein Kubikmeter Meerwasser (der es mit so 1020kg auf 2.8 Bq aus Caesium bringt), strahlt aber "ganz natuerlich" mit etwa 7000 Bq (wohl hauptsaechlich wegen Kalium). Ein Kilo Kaffee kann schonmal auf auf 1000 Bq kommen (also 1 Million Bq pro Tonne). Hochachtung allerdings vor unseren Moeglichkeiten, auch kleinste Mengen aller moeglichen Stoffe zu finden!
christoph_schlobies 03.04.2019
4.
Zitat von D D DHier schrillen ja gleich wieder die Alarmglocken. Nur zum Vergleich: ein menschlicher Koerper hat viel weniger Masse als ein Kubikmeter Meerwasser (der es mit so 1020kg auf 2.8 Bq aus Caesium bringt), strahlt aber "ganz natuerlich" mit etwa 7000 Bq (wohl hauptsaechlich wegen Kalium). Ein Kilo Kaffee kann schonmal auf auf 1000 Bq kommen (also 1 Million Bq pro Tonne). Hochachtung allerdings vor unseren Moeglichkeiten, auch kleinste Mengen aller moeglichen Stoffe zu finden!
Leider dringt das nicht in die Hirne der AKW -Gegner ,die selbst solche absurd unwichtigen Strahlungen als Beweis für das tödliche Risiko der Kernkraft sehen.Jede Diskussion ist sinnlos.
motzbrocken 03.04.2019
5. Ach,
das ist jetzt aber eine Ueberraschung! Da strahlt doch tatsächlich das Cäsium noch! Wer hätte das gedacht! Aber egal, hauptsache Atomstrom ist billig. 3 Generationen haben einen Nutzen davon, 30'000 Generationen tragen die Folgen. Toll. Weiter so. Ist nämlich sowieso egal ob da was verstrahlt ist oder nicht. Nebst all dem Plastik, CO2, Glyphosat und andere Gifte ist das nebst Tchernobyl, versunkenen Atom U Booten, Harrisburg, Sellafield ist das doch nur ein Klacks mehr. Ich schätze noch 15 vielleicht 20 Jahre und der Mensch hats geschafft: komplette Zerstörung unserer Lebensgrundlage, der Erde. Und die Doofen fliegen immer noch billig nach Mallorca. Geht, solange diese Insel noch nicht geflutet ist, durch das steigende, plastikvermüllte Ding genannt Meer.
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