Futterneid Wespen schleudern feindliche Ameisen herum

Unfreiwillig in die Luft gerissen, um dann plötzlich wieder auf den Boden geworfen zu werden - die Erfahrung bleibt manchen neuseeländischen Ameisen nicht erspart. Kommen die Tierchen bei der Nahrungssuche Wespen in die Quere, greifen die fliegenden Insekten zu der Verschleppungstaktik.

Julien Grangier

Wenn es darum geht, ihr Futter zu verteidigen, ist die Wespenart Vespula vulgaris nicht immer zimperlich: In Neuseeland konnten Biologen beobachten, wie die Insekten mit Ameisen umgehen, die sich auf dasselbe Stück Fleisch stürzen wie sie. Die Wespen verpassen den Rivalen einen unfreiwilligen Flug - sie packen die Ameisen, fliegen mit ihnen davon und lassen sie in einiger Entfernung wieder fallen. Je mehr Ameisen ihnen dabei die Nahrung streitig machen, desto weiter schleppen sie die Konkurrenten davon, berichten die Forscher im Fachmagazin "Biology Letters" der britischen Royal Society.

Vespula vulgaris ist eigentlich in Europa heimisch. In Neuseeland zählt sie zu den eingeschleppten, invasiven Arten, vor allem findet sie sich in Buchenwäldern. Die Insekten benötigen viel eiweißreiche Nahrung, um ihre Brut zu versorgen. Sie beißen dazu Stücke aus toten Tieren und tragen sie in ihr Nest.

Genau das Gleiche tun allerdings auch ihre Konkurrenten, die Ameisen der Art Prolasius advenus. Beide treffen somit häufig bei potenziellen Nahrungsquellen aufeinander. Friedliches Teilen kommt hier nicht infrage - jede Insektenart will so viel wie möglich für sich alleine ergattern.

Kämpfe um den Thunfisch

Wie die Tiere den Konflikt austragen, haben Julien Grangier und Philip Lester von der Victoria University of Wellington mit Hilfe von gezielt ausgelegter Beute beobachtet: Sie boten den Insekten an mehreren Standorten in der freien Natur jeweils vier Gramm Thunfisch an. Bei fast allen Versuchen fanden sich schnell sowohl Ameisen als auch Wespen ein, insgesamt dokumentierten die Biologen knapp 1300 Begegnungen.

Rund zwei Drittel verliefen friedlich - die Tiere ignorierten sich oder wichen einander aus. In gut einem Viertel der Fälle waren die Ameisen die Aggressoren: Sie versprühten Säure, griffen die deutlich größeren Wespen an und bissen sie. Meistens zogen sich die Wespen zurück, manchmal gingen sie jedoch zum Gegenangriff über.

Dann packten sie die Ameisen mit ihren Mundwerkzeugen, trugen sie kurz durch die Luft und ließen sie dann einige Zentimeter von der Nahrungsquelle entfernt wieder auf die Erde plumpsen. Auf diese Weise muss sich die Wespe nicht weit von der Nahrungsquelle entfernen und kann schnell weiter fressen. Die Entfernung reicht jedoch aus, um die Ameise für einige Zeit von der Beute fernzuhalten, erklären die Forscher. Bei knapp sieben Prozent der Begegnungen verschleppten die Wespen die Ameisen, ohne dass diese zuerst angegriffen hätten.

Wie ausgeklügelt die Strategie der Wespen ist, zeigt auch die Flexibilität des Verhaltens: Je mehr Ameisen anrücken, desto weiter tragen die Wespen sie davon. Die Wespen können demnach offenbar die Situation als Ganzes erfassen und die Folgen unterschiedlicher Verhaltensstrategien abschätzen - eine Fähigkeit, die Insekten mit ihrem einfachen Nervensystem im Allgemeinen nicht zugetraut wird.

wbr/dapd



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
takeo_ischi 30.03.2011
1. .
Zitat von sysopUnfreiwillig in die Luft gerissen, um dann plötzlich wieder auf den Boden geworfen zu werden - die Erfahrung bleibt manchen neuseeländischen Ameisen nicht erspart. Kommen die Tierchen bei der Nahrungssuche Wespen in die Quere, greifen die fliegenden Insekten zu der Verschleppungstaktik. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,753904,00.html
Ob die wohl auch verbündete Ameisen in einer Koalition der Winzigen haben?
sappelkopp 30.03.2011
2. Scheinbar...
...haben die Ameisen trotz der "Rückschläge" Erfolg und bekommen ihren Teil vom "Kuchen". Sonst würden Sie ja einen großen Bogen um Futter machen, dass von Wespen "belegt" ist.
Selvbygger 30.03.2011
3. Schlaue Wespen
Zitat: "Die Wespen können demnach offenbar die Situation als Ganzes erfassen und die Folgen unterschiedlicher Verhaltensstrategien abschätzen - eine Fähigkeit, die Insekten mit ihrem einfachen Nervensystem im Allgemeinen nicht zugetraut wird." Da können die Wespen also etwas, was dem Menschen unmöglich ist. Wenn die Menschen die Folgen ihrer Verhaltensstrategien abschätzen könnten, hätte es AKWs nie gegeben. Wespen bauen auch keine. Die sind einfach schlauer ...
Chinasky, 30.03.2011
4. Schade, zu kurz...
Der Artikel hätte ruhig etwas ausführlicher sein können! Warum ist es für die Wespen sinnvoll, bei mehreren Ameisen-Konkurrenten die "Gegner" weiter wegzutragen? Das dauert doch - sie sind mit Hin- und Zurückfliegen beschäftigt, während die Ameisen, die gerade nicht transportiert werden, futtern können. Wie lange braucht eine wegtransportierte Ameise, um wieder zur Beute zurückzukehren? Die Fotos deuten darauf hin, daß es sich nur um wenige Zentimeter handelt, die die Ameisen verschleppt werden - was bringt das? Brauchen die Ameisen dann unverhältnismäßig viel Zeit, um sich zu orientieren, z.B. weil sie dazu den Geruchs- statt den Gesichtssinn verwenden? Warum töten die größeren, stärkeren Wespen die Ameisen nicht einfach? Oder reicht dazu der Kieferwerkzeug-Druck nicht aus? Fragen über Fragen, aber der Artikel bleibt so kurz, wie er war... Ärgerlich finde ich immer (d.h. in vielen Fällen, wo ich über die Bildreihen auf den dazugehörigen Artikel gerate), daß die relativ langen Bildunterschriften/erläuterungen nur das wiederholen, was im Fließtext schon enthalten ist. Vorschlag: Solche Artikel aus dem Wisseschaftsbereich einfach mal interessierten Kindern vorlesen und dann deren Fragen + dazugehörigen Antworten noch mit einbauen. Dauert vielleicht ein halbes Stündchen länger, aber der Informationswert solcher Artikel könnten dadurch bestimmt gesteigert werden!
Meckermann 30.03.2011
5. Friedliche Intervention
Zitat von ChinaskyDer Artikel hätte ruhig etwas ausführlicher sein können! Warum ist es für die Wespen sinnvoll, bei mehreren Ameisen-Konkurrenten die "Gegner" weiter wegzutragen? Das dauert doch - sie sind mit Hin- und Zurückfliegen beschäftigt, während die Ameisen, die gerade nicht transportiert werden, futtern können. Wie lange braucht eine wegtransportierte Ameise, um wieder zur Beute zurückzukehren? Die Fotos deuten darauf hin, daß es sich nur um wenige Zentimeter handelt, die die Ameisen verschleppt werden - was bringt das? Brauchen die Ameisen dann unverhältnismäßig viel Zeit, um sich zu orientieren, z.B. weil sie dazu den Geruchs- statt den Gesichtssinn verwenden? Warum töten die größeren, stärkeren Wespen die Ameisen nicht einfach? Oder reicht dazu der Kieferwerkzeug-Druck nicht aus? Fragen über Fragen, aber der Artikel bleibt so kurz, wie er war... Ärgerlich finde ich immer (d.h. in vielen Fällen, wo ich über die Bildreihen auf den dazugehörigen Artikel gerate), daß die relativ langen Bildunterschriften/erläuterungen nur das wiederholen, was im Fließtext schon enthalten ist. Vorschlag: Solche Artikel aus dem Wisseschaftsbereich einfach mal interessierten Kindern vorlesen und dann deren Fragen + dazugehörigen Antworten noch mit einbauen. Dauert vielleicht ein halbes Stündchen länger, aber der Informationswert solcher Artikel könnten dadurch bestimmt gesteigert werden!
Genau das hab ich mich auch gefragt. Vielleicht reicht ihr UN-Mandat dazu nicht aus...?
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