Gipfelerklärung zum Klimaschutz G19

Alle G20-Teilnehmer bekennen sich klar zum Pariser Klimavertrag - außer die USA. Ein großer Erfolg für Angela Merkel. Denn mehrere Staaten drohten abzuspringen.
Merkel, Trump beim G20-Gipfel

Merkel, Trump beim G20-Gipfel

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Es war das erwartete Ringen um Formulierungen. Donald Trump war strikt gegen ein Bekenntnis zum Weltklimavertrag von Paris. Er hatte erst vor einigen Wochen den Ausstieg der USA aus dem Deal verkündet. Mit der Begründung, der Vertrag benachteilige sein Land, etwa gegenüber China.

Angela Merkel hingegen wollte ihr Herzensthema in der G20-Abschlusserklärung unbedingt absichern. Und mit ihr die meisten anderen Teilnehmer des Gipfels.

Herausgekommen ist am Ende eine Erklärung, die allen das Gefühl gibt, die eigenen Wünsche durchgesetzt zu haben (verfolgen Sie die aktuelle Entwicklung im Newsblog und im Livestream). Im Abschluss-Kommuniqué bekennen sich 19 der 20 Teilnehmer des Gipfels ausdrücklich zum Vertrag von Paris. Der Klimadeal wird explizit genannt, was Trump vermeiden wollte - Merkel kann das als Erfolg verbuchen.

Auch wenn der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nach Ende des Gipfels überraschend verkündete, sein Land wolle den Klimavertrag nicht ratifizieren.

Es hätte auch ganz anders kommen können

Zugleich steht in dem Papier, dass die USA aus dem Vertrag aussteigen. Das ist keine Neuigkeit, es ist eine Formalie. Aber Trump ist damit zufriedengestellt. So funktioniert Diplomatie.

Aber hilft das im Kampf gegen die Erderwärmung?

Positiv ist, dass Merkel abgesehen von den USA tatsächlich ein so klares Vote pro Paris hinbekommen hat. Das ist ein Erfolg für die Bundeskanzlerin. Es hätte auch anders kommen können. Schließlich hatten nach dem angekündigten Ausstieg der USA mehrere Staaten zweideutige Signale in Sachen Klimaschutz ausgesandt.

Würde Russland im Vertrag bleiben? Ratifiziert hat das Land ihn bis heute nicht. Nutzt Erdogan das Thema Klima, um Merkel zu brüskieren? Und wie steht's um Kanada? Premier Justin Trudeau hatte sich vor dem Gipfel demonstrativ vor die heimische Ölindustrie gestellt - ein Affront für Klimaschützer (lesen Sie hier das aktuelle SPIEGEL-Interview mit Premierminister Trudeau).

Beratung der G20-Gipfel-Teilnehmer

Beratung der G20-Gipfel-Teilnehmer

Foto: SAUL LOEB/ AFP

Der Vertrag lebt

Am Ende sind sie alle Merkel gefolgt - und haben Trump isoliert. Die großen Industrienationen der Welt bis auf die USA erklären, die historische Vereinbarung "rasch" umsetzen zu wollen. Dem Wunsch der Amerikaner nach Neuverhandlungen erteilen die Teilnehmer eine Absage, sie bezeichnen das Abkommen als "unumkehrbar". Der Vertrag ist damit nicht zwingend gerettet, die Türkei will das Abkommen ja vorerst nicht ratifizieren, weil sie sich eine Sonderbehandlung wünscht. Aber trotz allem: Der Pariser Vertrag lebt.

Das lässt hoffen. Und vielleicht sind die USA nach der nächsten Präsidentschaftswahl ja wieder dabei beim Klimaschutz.

Die wirkliche Arbeit beginnt ohnehin erst. Paris ist vor allem ein Bekenntnis dazu, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen, möglichst sogar auf 1,5 Grad. Die in Paris fixierten Selbstverpflichtungen der Länder zum CO2-Ausstoß sind nicht verbindlich.

Glaubt man den Berechnungen der Klimaforscher, steuert die Welt bis zum Jahr 2100 auf eine Erwärmung von deutlich über zwei Grad zu. Das Zwei-Grad-Ziel lasse sich nur noch mit radikalen Schritten erreichen, warnten kurz vor dem G20-Gipfel  Wissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Gelinge es nicht, binnen weniger Jahre den CO2-Ausstoß zu senken, sei Paris fast außer Reichweite. Je später die Menschheit die Trendwende beim Treibhausgas schaffe, umso schneller müsse der Ausstoß in den Folgejahren gesenkt werden - und umso unrealistischer ist die Umsetzung.

Paris-Ziel immer schwerer zu erreichen

Die Zeit läuft davon. Derzeit pusten wir mehr als 40 Gigatonnen CO2 pro Jahr in die Atmosphäre. Insgesamt 600 Gigatonnen darf die Menschheit noch freisetzen, um bei 1,5 bis 2 Grad Erwärmung landen zu können, haben die Potsdamer Klimaforscher berechnet.

Laufen die Emissionen unverändert weiter wie bisher, bleiben noch genau 15 Jahre mit je 40 Gigatonnen. Ab dem Jahr 2032 müssten die Emissionen effektiv bei null liegen. Das wird sehr schwer.

Merkel kann die G20-Abschlusserklärung jetzt erst mal feiern. Aber danach sollte sie sich schleunigst darum kümmern, dass endlich Deutschland seinen eigenen CO2-Ausstoß so senkt wie versprochen. Denn sogar das vermeintliche Musterland in Sachen Klimaschutz wird seine eigenen Ziele deutlich verfehlen.

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