Gärtnerweisheit bestätigt Nasse Blätter verbrennen wirklich in der Sonne

Gießt der Gärtner seine Pflanzen in der Sonne, dann verbrennen die Blätter. Diese banal klingende Gartenregel haben Forscher nun zumindest für einige Arten bestätigt. Der beobachtete Mechanismus kann, so glauben sie, beim Menschen einen Sonnenbrand verursachen.
Gießen im Schatten: "Unsere Fragestellung ist weit davon entfernt, trivial zu sein."

Gießen im Schatten: "Unsere Fragestellung ist weit davon entfernt, trivial zu sein."

Foto: DDP

Jeder gute Hobbygärtner hält sich eisern an diese Weisheit: Er gießt seine Pflanzen nicht in der prallen Mittagssonne, damit die Blätter nicht verbrennen. Stattdessen steht er entweder sehr früh morgens auf - oder gießt seine Pflänzlein erst spät am Abend. Und das ist genau richtig, wie eine Studie des Physikers Gábor Horváth von der Eötvös-Universität in Budapest und seinen Kollegen jetzt bewiesen hat.

"Unsere Fragestellung ist weit davon entfernt, trivial zu sein", sagt Horváth. Die Annahme, dass Waldbrände durch Wassertropfen auf trockenen, von der Sonne stark beschienenen Bäumen entfacht werden können, sei weit verbreitet. Im Fachjournal "New Phytologist"  haben die Wissenschaftler die genauen Bedingungen beschrieben, unter denen Wassertropfen dazu führen können, dass Blätter verbrennen.

Ein Wassertropfen hat eine Form, die der einer konvexen Linse ähnelt, wie sie etwa in einer Lupe eingesetzt wird. Lupen können als Brennglas dienen: Sie bündeln Lichtstrahlen so, dass sie in einem Punkt zusammenlaufen. Dabei wird die Energie an diesem Punkt konzentriert - und könnte dort Schäden anrichten. Leicht brennbare Materialien können sich entzünden.

In ihrer Studie ließen die Wissenschaftler Sonnenlicht aus Blätter scheinen, auf die sie kleine Glaskügelchen oder Wassertropfen verschiedener Formen und Größen gesetzt hatten. Zusätzlich simulierten sie die Bedingungen mit einem Computer. Mit Glaskügelchen konnten sie sowohl bei behaarten als auch bei glatten Blättern heftige Schäden anrichten. Bei ihren Versuchen mit Wassertropfen hing das Ergebnis von der Art der Pflanze ab: Blätter mit einer sehr glatten Oberfläche wie Ahorn- oder Ginkgo-Blätter lassen sich von Wassertropfen in der Sonne nicht stören. Die Forscher vermuten, dass die Flüssigkeit die Blätter ausreichend kühlt.

Härchen sorgen für Probleme

Anders sah das aus, wenn die Blätter von kleinen Wachshärchen bedeckt waren, wie etwa im Fall des Schwimmfarns: Hier verfingen sich die Tropfen in den Härchen und blieben so etwas oberhalb der Blattoberfläche. Dadurch gelangten die Blätter in den Bereich der optischen Brennweite des Wassertropfens, das gebündelte Licht landete auf der Blattoberfläche. Außerdem fehlte der Kühleffekt, weil die Tropfen nicht direkt auf den Blättern auflagen. Die Folge sei eine heftige Verbrennung der Blätter gewesen, schreiben die Forscher.

Einen Waldbrand kann dieser Mechanismus den Wissenschaftlern zufolge aber wohl nicht auslösen. Nur wenn sehr intensive Sonnenstrahlen von einem Wassertropfen optimal gebündelt und exakt auf eine sehr trockene Pflanzenoberfläche projiziert würden, könne es zu einem Feuer kommen. Die Wahrscheinlichkeit dafür sei aber gering - die Wassertröpfchen wären vermutlich bereits verdampft, bevor sich die Blätter entzünden könnten.

Man könne mit den Ergebnissen übrigens auch gut erklären, warum sich Strandurlauber so schnell einen Sonnenbrand holen, sagen die Forscher. Schließlich sei die menschliche Haut ebenfalls behaart und deswegen sehr gefährdet, wenn sie beim Baden im Meer nass werde.

som/ddp