Gefährliches Quecksilber Umweltgift macht Vögel homosexuell

Die Anreicherung von Quecksilber in der Natur kann den Hormonhaushalt von Wirbeltieren durcheinanderbringen. Wie Forscher nun zeigten, werden die Männchen Weißer Ibisse sogar schwul, wenn sie zu viel von dem Umweltgift schlucken.

Zu viele homosexuelle Paare gefährden den Bruterfolg der Ibiskolonie
AP

Zu viele homosexuelle Paare gefährden den Bruterfolg der Ibiskolonie


Wenn schwer zersetzbare Umweltgifte in die Natur gelangen, reichern sie sich meist auf der höchsten Stufe der Nahrungskette an. Höhere Tiere fressen viele kleine Lebewesen, bei denen sich das Gift bereits im Gewebe abgelagert hat - und bekommen so eine besonders hohe Konzentration ab. So findet auch das hochreaktive Methylquecksilber seinen Weg in den Organismus von Raubfischen, Vögeln und anderen Wirbeltieren. Es schädigt das Nervensystem und kann den Hormonhaushalt durcheinanderbringen.

Offenbar hat das Umweltgift sogar Einfluss auf die Sexualität von Weißen Ibissen. Wie Forscher aus den USA und Sri Lanka im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B" der britischen Royal Society berichten, werden die Tiere homosexuell, wenn sie zu großen Mengen von Methylquecksilber ausgesetzt werden. Dadurch könne der Bruterfolg einer gesamten Kolonie sinken.

Peter Frederick und Nilmini Jayasena von der Florida University in Gainesville hatten Weiße Ibisse (Eudocimus albus), auch Schneesichler genannt, gefangen und in großen Volieren mehr als drei Jahre mit Futter gefüttert, das mit Methylquecksilber versetzt war. Die Konzentrationen in den drei Versuchsgruppen entsprachen Dosierungen, die auch freier Wildbahn vorkommen. Zur Kontrolle bekam eine vierte Gruppe von Ibissen schadstofffreies Futter.

In den Kolonien, die mit dem Umweltgift gefüttert wurden, bildeten sich mehr rein männliche Brutpaare, ihr Anteil betrug bis zu 55 Prozent. Dementsprechend gab es hier insgesamt weniger Nester mit Eiern zu verzeichnen. Allerdings bekamen auch die heterosexuellen Paare der Versuchsgruppen weniger Junge als in der Kontrollgruppe.

Ein Grund für diese Entwicklung könnte das veränderte Paarungsverhalten der Männchen sein. Die Forscher beobachteten, dass die Balz bei den Weibchen nicht so gut ankam und diese den männlichen Tieren eher fern blieben. Obwohl sich die Vogelmännchen weniger aggressiv zeigten, würden die Biologen ihr Verhalten insgesamt trotzdem als typisch männlich bezeichnen.

In Kolonien wildlebender Ibisse wurden bisher kaum homosexuelle Paare beobachtet. Noch scheinen die Quecksilber-Dosen in der Natur zu schwach zu sein. Sollte die Anreicherung des Umweltgifts jedoch weiter voranschreiten, so die Warnung der Wissenschaftler, seien zukünftig auch Wildpopulationen der Vögel gefährdet.

mah/dpa



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