Geheimnisvoller Molch Wunderheilung verblüfft Wissenschaftler

Einem mexikanischen Salamander wachsen abgerissene Beine wieder nach. Sogar ein verlorenes Auge ist für den Axolotl kein größeres Problem. Max-Planck-Forscher wollen jetzt herausfinden, ob die Fähigkeiten des Regenerationskünstlers auch dem Menschen nutzen könnten.


Künstler in Sachen Regeneration: Der Axolotl
MPI für molekulare Zellbiologie und Genetik

Künstler in Sachen Regeneration: Der Axolotl

Auch der neue Bundespräsident, Horst Köhler, wollte ihn bei seiner Sachsenreise Anfang Juli sehen, den berühmten mexikanischen Wunderheiler. Denn der Molch mit dem aztekischen Namen hat die verblüffende Fähigkeit, abgetrennte Gliedmaßen sowie Teile von Organen identisch und ohne Narben nachzubilden. Selbst der komplette Schwanz, ein verlorenes Auge oder Teile des Herzens kann der Axolotl innerhalb weniger Wochen wieder herstellen.

"Man schneidet ein Glied ab und es wächst einfach wieder nach", sagt Elly Tanaka begeistert. Die aus den USA stammende Wissenschaftlerin leitet die Forschergruppe am Dresdner Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik, die dem Geheimnis des Axolotls auf die Spur kommen will.

Zwar haben auch andere Amphibien sowie Kakerlaken und Würmer eine ausgeprägte Fähigkeit zur Regeneration. Jedoch ist keines dieser Tiere auf diesem Gebiet so gut erforscht wie der Axolotl.

Inzwischen haben Forscher eine Reihe von Botenstoffen gefunden, die den Zellen das Signal zur Regeneration geben. Dazu gehört auch ein Hormon, das von Blutgerinnseln ausgeht, Zellen im gesunden Gewebe alarmiert und zur verletzten Stelle lockt. Darüber hinaus kann das Gewebe des mexikanischen Molchs bei Bedarf in eine andere Rolle schlüpfen. So können sich etwa Zellen aus dem Nervensystem in Muskel- oder Knorpelzellen umwandeln.

Unterm Mikroskop: Schwanz eines jungen Axolotl
MPI für molekulare Zellbiologie und Genetik

Unterm Mikroskop: Schwanz eines jungen Axolotl

Die Forscher am Max-Planck-Institut wollen nun herausfinden, ob solche Abläufe auch im menschlichen Körper möglich sind. Denn auch Menschen und andere Säugetiere hatten einmal die Fähigkeit zur Regeneration, haben diese aber inzwischen weitgehend aufgegeben. Für Tanaka und ihr Team stellt sich deshalb die Frage, ob dieses Potenzial endgültig verloren oder nur unterdrückt ist und vielleicht wieder geweckt werden könnte.

Bei Erfolg könnten laut Tanaka in Zukunft auch menschliche Körperteile wieder hergestellt werden, wie zum Beispiel Teile der Haut mitsamt Schweißdrüsen, Pigmenten und Behaarung. Das käme Brandopfern zugute, denen zurzeit noch Haut von anderen Körperstellen auf die Wunden transplantiert wird.

Doch auch Menschen mit Amputationen und Querschnittsgelähmte könnten eines Tages von den Regenerationsfähigkeiten des Salamanders profitieren. Bis aber Forschungsergebnisse vorliegen, die sich auf den Menschen übertragen lassen, liegt vor den Wissenschaftlern noch viel Arbeit, sagt Elly Tanaka. Zwischen zehn und 50 Jahren werde es mindestens noch dauern, bis das Geheimnis des Axolotls vollständig gelöst sei.



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