Gehirnforschung Gentherapie macht faule Affen zu Workaholics

Auch Affen arbeiten gerne auf den letzten Drücker. Erst wenn die Deadline nahe rückt, fangen sie an zu schuften. US-amerikanische Forscher haben bei Primaten ein Gen ausgeschaltet, das für das "Aufschieb-Syndrom" verantwortlich ist.


Müder Affe: Gentherapie macht ihn zum Arbeitstier
DPA

Müder Affe: Gentherapie macht ihn zum Arbeitstier

Normalerweise arbeiten Affen nur dann hart, wenn sie wissen, dass sie für die Plackerei belohnt werden. Die Versuchsprimaten von Barry Richmond vom National Institute of Mental Health in Bethesda, Maryland hingegen sind zu echten Workaholics geworden. "Das Ausschalten des Gens hat ihre Einstellung zur Arbeit enorm verändert", sagte Richmond in der Online-Ausgabe des Wissenschaftsmagazin "Nature".

Richmond und sein Team haben den Affen beigebracht, dann einen Hebel zu betätigen, wenn ein roter Farbpunkt auf einem Computer-Monitor grün wird. Mehrere Male mussten die Tiere den Hebel zum richtigen Zeitpunkt ziehen, bevor sie eine Belohnung bekamen. Um ihnen ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie nah sie am Ziel sind, blendeten die Forscher einen grauen Balken auf dem Bildschirm ein, der immer heller wurde, je häufiger sie die Aufgabe korrekt gelöst hatten, berichten die Forscher in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences". Während die Affen am Anfang des Versuches unmotiviert ihre Aufgabe erfüllten, strengten sie sich umso mehr an, wenn der Balken heller und das Ziel greifbar nah wurde.

Die Forscher injizierten den Affen dann ein kleines DNS-Stück, das für kurze Zeit ein Schlüssel-Gen im rhinalen Kortex des Hirns ausschaltet. Von dieser Gehirnregion ist bekannt, dass in ihr die Signale verarbeitet werden, die etwas mit Belohnung zu tun haben. Das ausgeschaltete Gen kodiert für ein Protein, das Nervenzellen sensibler für Dopamin macht. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der in diesem Wahrnehmungsprozess eine wichtige Rolle spielt.

Mit dem stillgelegten Gen war es den Affen nicht mehr möglich abzuschätzen, wie viel sie noch schuften mussten, um an die erhoffte Belohnung zu kommen. Sie hörten auf zu faulenzen, arbeiteten hart und machten viel weniger Fehler.

So manch ein Arbeitgeber wird bei diesen Ergebnissen sicher hellhörig. Als Motivationsmittelchen für faule Mitarbeiter ist die Gentherapie aber nicht gedacht. Die Forscher hoffen, mit den Versuchen psychische Leiden wie Depressionen besser verstehen und behandeln zu können. Menschen, die unter Depressionen leiden, tun sich häufig schwer, Bestätigung in ihrer Tätigkeit zu finden. Manisch-depressive Menschen hingegen arbeiten in ihren manischen Phasen wie verrückt und wiederholen bereits erfüllte Aufgaben. In diesen Stimmungsschwankungen spielt die Regulation des Dopamins eine entscheidende Rolle, vermuten die Forscher.



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