Gelenk-Analyse Flores-Hobbit hatte Affenhände

Eine neue Studie soll die Debatte um den "Hobbit" beenden: Der Homo floresiensis ist demnach kein verkrüppelter moderner Mensch. Eine Analyse der Handgelenkknochen soll zeigen, dass der Zwerg von der Insel Flores zu einer eigenen Art gehörte.


Der Hobbit war doch kein moderner Mensch. Glauben zumindest Matthew W. Tocheri vom Smithsonian National Museum of Natural History und seine Kollegen. Seit im Jahr 2003 die Knochen des zwergenhaften Wesens gefunden wurden, streiten die internationalen Gelehrten lautstark: War der schnell "Hobbit" getaufte Fund ein kleinwüchsiger moderner Mensch - oder doch eine eigene Unterart, ein früher Hominide und damit zum Tragen eines eigenen Titels berechtigt?

Tocheri und seine Kollegen servieren die Antwort auf diese Frage nun quasi aus dem Handgelenk. Dem des Hobbits, wohlgemerkt. Das linke Handgelenk des Homo floresiensis sei von dem eines afrikanischen Menschenaffen oder anderer Vor-Menschen-Arten kaum zu unterscheiden, berichten die Forscher im Fachblatt "Science" (Bd. 317, S. 1743). Den Handgelenken moderner Menschen oder auch denen von Neandertalern sähen die Knochen aus Flores aber gar nicht ähnlich. "Das schließt das Thema ab", sagte Tocheri über den Befund.

Das Skelett von Flores ist etwa 18.000 Jahre alt. Zu dieser Zeit hatten frühe moderne Menschen bereits Australien und andere Gebiete in der Pazifikregion besiedelt. Ihr Ergebnis zeige nun, dass der moderne Mensch nicht der einzige intelligente Zweibeiner war, der nach dem Aussterben der Neandertaler vor etwa 30.000 Jahren den Planeten bevölkerte, so die Forscher.

"Das Handgelenk sagt uns, dass moderne Menschen und Neandertaler einen evolutionären Großvater teilen, den die Hobbits nicht mit uns gemeinsam haben", erklärte Tocheri. "Aber alle drei haben den gleichen evolutionären Urgroßvater. Wenn man sich moderne Menschen und Neandertaler als Cousins ersten Grades vorstellt, dann ist der Hobbit mehr so etwas wie ein Cousin zweiten Grades für beide."

Einige Forscher, etwa Robert Martin vom Field Museum in Chicago, hatten angezweifelt, dass der Homo floresiensis eine neue Menschen-Art darstellt. Ihrer Ansicht nach war der Hobbit ein Homo sapiens, der an einer genetischen Störung namens Mikroenzephalie litt, die zu einem kleinen Gehirn und anderen Defekten führt. Martin ist von Tocheris Resultaten nicht überzeugt: "Meiner Meinung nach ist das Gehirn einfach zu klein. Das Problem bleibt ungelöst."

Die Art und Weise, wie Tocheris Team seine Ergebnisse präsentiere, sei nicht zu kritisieren. "Es ist die Interpretation, die problematisch ist", so Martin. Der Streit um des Hobbits Hirn wird also wohl noch ein bisschen weitergehen.

cis/AP



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