Vorbereitung des Uno-Biodiversitätsgipfels Reichen 200 Milliarden Dollar pro Jahr für die Rettung der Natur?

In Genf enden die Vorverhandlungen zum Uno-Biodiversitätsgipfel im April. Während Beobachter das mangelnde Tempo kritisieren, diskutieren die teilnehmenden Staaten vor allem über die Finanzierung.
Kolibri in Costa Rica: Den Zugang der Menschheit zu Nahrung, zu sauberer Luft und sauberem Wasser erhalten

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Foto: anzeletti / iStockphoto / Getty Images

Am 25. April beginnt der Uno-Biodiversitätsgipfel in der chinesischen Stadt Kunming. Analog zum Pariser Klimaschutzabkommen soll auf der Cop15 ein Weltnaturabkommen mit Zielvorgaben für den Schutz der Artenvielfalt in den kommenden Jahrzehnten verabschiedet werden. Seit zwei Wochen verhandeln die 196 Unterzeichner der internationalen Biodiversitätskonvention (CBD) in Genf nun im Vorfeld der Konferenz. Vor allem um einen Punkt wurde gerungen: ums Geld.

Um die weltweite Vielfalt der Ökosysteme, der Pflanzen und Tiere zu erhalten, müssten die Staaten hohe Summen bereitstellen – und zudem Milliardensubventionen für umweltschädliche Wirtschaftszweige beenden. Am Dienstag enden die Gespräche im Vorfeld der Cop15. Unklar ist, mit welchen Ergebnissen. »Die Mobilisierung der Ressourcen ist ein brenzliges Thema des Treffens geworden«, sagte etwa der ghanaische Artenschutzexperte Alfred Oteng-Yeboah. »Es ist ein Balanceakt.«

Reichen 200 Milliarden Dollar pro Jahr?

Der in Genf diskutierte Entwurf sieht unter anderem vor, die Finanzmittel für den Artenschutz bis zum Jahr 2030 auf 200 Milliarden US-Dollar pro Jahr aufzustocken. Zudem sollen jährlich mindestens zehn Milliarden Dollar für den Artenschutz an ärmere Länder gehen. Einigen Entwicklungs- und Schwellenländern ist das jedoch zu wenig.

Vertreter aus Guatemala etwa forderten 60 Milliarden Dollar jährlich für weniger wohlhabende Länder. Der Vorsitzende der indischen Biodiversitätsbehörde sprach sich für eine Summe von 100 Milliarden Dollar an »neuen, zusätzlichen, schnellen Geldern« aus. Ohne eine solche Finanzierung seien ehrgeizige Artenschutzziele unrealistisch, argumentierte er.

Aktuell wird für die Finanzierung von Artenschutzprojekten die sogenannte Global Environmental Facility (GEF) genutzt, die »Globale Umweltfazilität«, über die das Geld von Geberländern verteilt wird. Entwicklungsländer beklagen allerdings, dass der Fonds zu langsam arbeite und zu geringe Summen gewähre. Einige Staaten fordern daher die Einrichtung eines neuen Fonds.

Mehr Geld für schädliche Aktivitäten als für den Schutz der Erde

Ebenfalls diskutiert werden in Genf umweltschädliche Subventionen. Es sei notwendig, diese Finanzmittel in einer Größenordnung von mindestens 500 Milliarden US-Dollar pro Jahr umzuleiten, umzuverteilen, zu reformieren oder ganz abzuschaffen, so die Forderung.

Einer Studie des Bündnisses Business for Nature  zufolge fließen jährlich mindestens 1,6 Billionen Euro an staatlichen Subventionen in Wirtschaftsbereiche, die zur Zerstörung der Natur führen – diese Summe entspreche zwei Prozent des globalen Bruttoinlandsproduktes. In anderen Untersuchungen wurde der Betrag nicht ganz so hoch bewertet, doch übereinstimmend ist die Erkenntnis, dass die Weltgemeinschaft deutlich mehr Geld für umweltschädliche Aktivitäten ausgibt, als sie für den Schutz der Erde bereitstellt. Entsprechend seien bislang beinahe alle internationalen Zielvorgaben des Artenschutzes verfehlt worden.

Beendet sind die Gespräche um die Abschaffung umweltschädlicher Subventionen in Landwirtschaft, Fischerei und im Energiesektor noch nicht. Viele Regierungen verteidigen die Subventionen als Unterstützung für einkommensschwache Menschen. Dieser Deutung widerspricht etwa der Wissenschaftler Ronald Steenblick, der an der Studie von Business for Nature mitgearbeitet hat. »Hauptnutznießer« der Subventionen seien im Gegenteil oft die reichsten Menschen, sagte er. So flössen etwa 80 Prozent der Fischereisubventionen an den industriellen Fischfang, nicht an kleine Fischereibetriebe.

Eine Million Arten vom Aussterben bedroht

Das neue Abkommen, das in Kunming final verabschiedet werden soll, soll die biologische Vielfalt, das empfindliche Zusammenspiel der Arten auf der Welt, und damit den Zugang der Menschheit zu Nahrung, zu sauberer Luft und sauberem Wasser erhalten. Als eines der wichtigsten Ziele gilt, bis zum Jahr 2030 30 Prozent der Böden und Meere der Erde in Schutzgebiete umzuwandeln.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler warnen seit Jahren vor einem Artensterben in einem noch nie dagewesenen Ausmaß: Eine Million Tier- und Pflanzenarten seien vom Aussterben bedroht, hieß es in einem Bericht der Uno aus dem Jahr 2019. In der vergangenen Woche hatten verschiedene deutsche Umweltverbände vor einem Scheitern des neuen Weltnaturabkommens gewarnt – auch wegen der Finanzierungsfrage.

Bei den Gesprächen in Genf fehle es »an Ehrgeiz und politischem Willen«, kritisierten etwa die Umweltorganisationen Nabu und Greenpeace: »Nur wenn insbesondere den Ländern des globalen Südens genug Geld für die Umsetzung zugesagt wird, kann die Verabschiedung noch gelingen.« Auch andere Beobachterinnen und Beobachter des Treffens ins Genf hatten bereits das mangelnde Tempo der Fortschritte in den Verhandlungen kritisiert. Die Cop15-Konferenz in Kunming war wegen der Covid-Pandemie mehrfach verschoben worden.

vki/AFP