Genmais-Gifte Resistente Schädlinge breiten sich aus

Eigentlich sollen gentechnisch veränderte Maissorten Schädlinge fernhalten. In den USA aber wappnen sich Käfer zunehmend gegen Gifte im Genmais. Nun schlagen Forscher vor, die noch anfälligen Insekten zu schützen - und so die Resistenzen zu bekämpfen.
Maisfeld: In den USA büßen Genmais-Gifte ihre Wirkung ein (Archiv)

Maisfeld: In den USA büßen Genmais-Gifte ihre Wirkung ein (Archiv)

Foto: dapd

Der großflächig in den USA angebaute Genmais fördert Resistenzen von Schädlingen gegen Giftstoffe. Wie ein Team um den Insektenkundler Aaron Gassmann von der Iowa State University in Ames herausfand, breiten sich resistente Westliche Maiswurzelbohrer im Bundesstaat Iowa rasch aus. Die Larven des Käfers ernähren sich von Maiswurzeln und verursachen nach Angaben der Wissenschaftler jährlich einen Schaden von mehr als 1 Milliarde Dollar (720 Millionen Euro).

Zum Schutz vor den Schädlingen werden in den USA seit Jahren modifizierte Maissorten angebaut: Ihr Erbgut wurde derart verändert, dass sie Giftstoffe gegen den Westlichen Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera) produzieren. Die Pflanze bekämpft ihren Schädling damit selbst.

Im vergangenen Jahr kamen in den USA drei Typen Genmais zum Einsatz, die verschiedene Formen des für die Käfer tödlichen Bakterien-Giftes Bt (Bacillus thuringiensis) produzieren. Dennoch stieg die Zahl der befallenen Genmais-Felder von 2009 bis 2011, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" .

Die Wissenschaftler sammelten Käfer von den mit Schädlingen befallenen Feldern und prüften ihre Reaktion auf die verschiedenen Bt-Gifte. Dabei fanden sie sogar Kreuzresistenzen gegen die beiden Varianten Cry3Bb1 und mCry3A. Genmais produziere derzeit nur eine geringe Dosis Gift, die - bei jedem der drei Stoffe - mindestens zwei Prozent der Käfer überleben, erläutern die Wissenschaftler. Dies beschleunige die Entstehung von Resistenzen.

Refugien für Käfer ohne Resistenzen

Um die Ausbreitung resistenter Maiswurzelbohrer zu bremsen, plädieren die Forscher für eine ungewöhnliche Strategie: Nichtresistenten Käfern sollten ausreichend große Genmais-freie Felder überlassen werden. In diesen Refugien könnten diese noch anfälligen Käfer überleben und sich auch mit resistenten Tieren vermehren. Damit wären letztlich wieder mehr Käfer empfänglich für das Bt-Gift. Außerdem empfehlen die Wissenschaftler, regelmäßig die Anbaufrucht zu wechseln.

In Europa steht der umstrittene Genmais 1507, der ein anderes Bt-Gift produziert, vor der Zulassung. Als bedeutendster Maisschädling gilt hierzulande ein Kleinschmetterling, der Maiszünsler. Wo in Deutschland gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden, kann über das Standortregister des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit  eingesehen werden.

che/dpa
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