Gentechnisch veränderter Mais Forscher finden mögliche Schäden bei Ratten

Der Streit um die Sicherheit von gentechnisch verändertem Mais geht in eine neue Runde: Französische Forscher wollen in einer Studie an Ratten Hinweise auf Toxizität gefunden haben. Danach soll der Mais vor allem Leber und Nieren schädigen. Die Studie ist jedoch wissenschaftlich umstritten.
Gentechnisch veränderter Mais: Schäden an Leber und Nieren bei Ratten?

Gentechnisch veränderter Mais: Schäden an Leber und Nieren bei Ratten?

Foto: Patrick Pleul/ picture-alliance/ dpa

Ist genetisch veränderter Mais sicher oder nicht? Eine neue Auswertung von lange Zeit unter Verschluss gehaltenen Daten kann diese Frage nun auch nicht abschließend beantworten.

Französische Wissenschaftler um Gilles-Eric Séralini von der Universität in Caen haben nun Ergebnisse einer Studie ausgewertet, in der drei verschiedene gentechnisch veränderte Maissorten des Saatgut-Herstellers Monsanto an Ratten verfüttert worden waren. Anschließend wurden die Tiere genau untersucht. Die Wissenschaftler sind auch Mitglieder von Criigen , einer französischen Non-Profit-Vereinigung, die nach eigener Auskunft unter anderem genetisch veränderte Organismen wissenschaftlich unabhängig untersuchen will.

Die Auswertung wurde im Fachmagazin " International Journal of Biological Sciences " veröffentlicht. Die Versuche selbst wurden schon in den Jahren 2000 und 2001 im Auftrag von Monsanto durchgeführt. Auf Druck des Schwedischen Agrarministeriums und von Greenpeace-Anwälten wurden die Daten nun öffentlich gemacht, wie die Forscher schreiben.

Im Einzelnen wurden bei den Versuchen die Monsanto-Maissorten MON810, MON863 und NK603 untersucht. Je 400 Ratten bekamen jede Maissorte 90 Tage lang zu fressen, anschließend wurden mehrere Organwerte anhand von Urin- und Blutuntersuchungen bestimmt - einmal nach fünf Wochen und dann nochmal nach 14 Wochen.

Studie nach Meinung der Forscher zu kurz

NK603 ist ein sogenannter Roundup-Mais. Er wurde gentechnisch immunisiert gegen ein bestimmtes Herbizid, das Monsanto mit dem Mais im Doppelpack verkauft. MON810 und MON863 hingegen wurden veränderte Varianten von Proteinen des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis eingeschleust. Die Proteine sind für Insekten giftig, bei MON810 handelt es sich um Protein Cry1Ab und bei MON863 um Cry3Bb1.

Das Ergebnis der Auswertung: Die Forscher fanden Veränderungen in den Organen der Ratten, vor allem in den Nieren und der Leber. Dennoch wollen sie nicht von einem Beweis für Toxizität sprechen, sondern nur von Hinweisen. Séralini und seine Kollegen bemängeln, dass der Fütterungsversuch nicht lange genug dauerte, um Toxizität nachzuweisen oder möglicherweise krebserregende Eigenschaften der Maissorten. Zudem seien die Versuche nur einmal und an einer einzigen Säugetier-Art durchgeführt worden.

Monsanto hat eine Gegendarstellung  zu der Studie veröffentlicht, worin der Konzern den Forschern methodische Mängel in ihrer Auswertung vorwirft.

EFSA bewertet Genmais als unbedenklich

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die Maissorten bereits vor einigen Jahren wissenschaftlich bewertet - unter anderem auch auf Basis der nun von Séralini neu analysierten Rattenversuche. Die EFSA kommt zu einem anderen Ergebnis als die französischen Forscher: MON810 sei "im Hinblick auf potentielle Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier genauso sicher wie sein herkömmliches Pendant", heißt es in der wissenschaftlichen Bewertung auf den Seiten der EFSA.  Die Behörde begründet das unter anderem folgendermaßen: "Das Cry1Ab-Protein zeigt keine Homologie mit bekannten, für Menschen und andere Säugetiere toxischen Proteinen und/oder Allergenen. Außerdem wird dieses Protein unter simulierten Magenbedingungen rasch abgebaut."

Ähnlich lautet das Urteil über die Kreuzung der Maissorten MON863 und NK603 : Die vorliegenden Daten würden die von den Mitgliedstaaten aufgeworfenen offenen Fragen beantworten. Der Mais habe im Rahmen der vorgesehenen Anwendung keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier oder auf die Umwelt.

So wird der Streit um den Genmais wohl noch weiter gehen, auch in Deutschland. Das Bundesverbraucherministerium hatte MON810 für sicher befunden und den Anbau 2005 erlaubt. Im Frühjahr 2009 stoppte die Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner den Anbau des umstrittenen Genmaises. Daraufhin hatte der Konzern Monsanto Klage eingelegt.

lub
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