Geologie Atlantis ist nur ein Schlammvulkan

Vollmundig hat der US-Architekt Robert Sarmast vor wenigen Tagen die Entdeckung von Atlantis verkündet. Doch der Hügel auf dem Meeresboden vor Zypern entpuppt sich als profaner Schlammvulkan. Das zumindest meint ein deutscher Geologe, der die Region erst im Sommer untersucht hat.


Angeblicher Atlantis-Fundort zwischen Zypern und Syrien: So sah das Mittelmeer einst tatsächlich aus - vor knapp sechs Millionen Jahren

Angeblicher Atlantis-Fundort zwischen Zypern und Syrien: So sah das Mittelmeer einst tatsächlich aus - vor knapp sechs Millionen Jahren

Robert Sarmast ist kein Mann der kleinen Worte. Schon Monate vor seiner angeblichen Atlantis-Entdeckung hatte sich der US-Architekt mit keinem Geringeren als Heinrich Schliemann verglichen. Der habe Troja schließlich auch entdeckt, obwohl die meisten Fachwissenschaftler sein Tun für Spinnerei gehalten hätten.

Ähnlich werden die meisten Archäologen und Geologen auch über die Atlantis-Entdeckungsreise des 28-jährigen Sarmast denken, doch anders als im Falle Schliemanns dürften die Fachleute dieses Mal Recht behalten. Denn der Hügel, den Sarmast am vergangenen Wochenende als Akropolis von Atlantis verkaufte, ist wohl nichts weiter als ein Schlammvulkan.

"Da unten ist nur Schmodder"

Das zumindest meint Christian Hübscher vom Institut für Geophysik der Uni Hamburg. Der Forscher war erst im Sommer dieses Jahres mit dem niederländischen Forschungsschiff "Pelagia" im Mittelmeer unterwegs. Mit Sonargeräten und Videokameras haben die Wissenschaftler unter anderem genau den Flecken Meeresboden untersucht, auf dem Sarmast das versunkene Atlantis verortet.

Computersimulation der angeblichen Akropolis von Atlantis: Hügel um das Zehnfache überhöht
AP

Computersimulation der angeblichen Akropolis von Atlantis: Hügel um das Zehnfache überhöht

Hübschers Urteil: Bei der Erhebung, die Sarmast für einen Burghügel hält, handelt es sich um einen so genannten Schlammdiapir, der ähnlich funktioniert wie ein Vulkan. Statt Magma bahnt sich feuchtes Sediment seinen Weg nach oben: Der Schlamm dringt durch Risse in einer Salzschicht empor und bildet einen weichen Hügel. "Wir können mit unseren Geräten viele Hundert Meter tief in den Meeresboden sehen", sagt Hübscher. "Da unten ist nur Schmodder."

Der Rand entlang des Hügels - von Sarmast als drei Kilometer langer, von Menschen erbauter Wall gedeutet - sei ebenfalls eine Naturerscheinung. Wenn das Schlammreservoir nach dem Ausbruch zur Neige gehe, sacke die Spitze des Vulkans ein, und an seinem Rand bildeten sich längliche Vertiefungen. Sarmasts Mauer sei das Resultat einer solchen Hangrutschung.

Manipulierte Grafiken

Zudem habe der Amerikaner, anstatt reale Aufnahmen des Meeresbodens zu zeigen, nur bunte Grafiken präsentiert - und die auch noch manipuliert. "Die Grafik vom Hügel ist vertikal überhöht", sagt Hübscher. Nicht nur die angebliche Akropolis, auch die Mauer sei in Wahrheit viel flacher als auf Sarmasts bunten Bildern.

Robert Sarmast: Wohl doch kein zweiter Schliemann
AP

Robert Sarmast: Wohl doch kein zweiter Schliemann

Wenigstens gesteht der Hamburger Geophysiker dem verhinderten Atlantis-Entdecker zu, dass dessen Szenario für das Versinken von Atlantis realistisch sei. Tatsächlich lagerte sich die rund 800 Meter mächtige Salzschicht, die unter knapp 400 Metern Schlamm begraben liegt, bei der Austrocknung des Mittelmeers ab, als die Verbindung zum Atlantik verloren ging. Anschließend lief das Mittelmeer wieder voll, die trockenen Gebiete wurden überflutet. Das aber geschah laut Hübscher vor 5,9 bis 5,6 Millionen Jahren - und damit mindestens 5,5 Millionen Jahre vor dem Erscheinen des Homo sapiens.

Auch ein Erdbeben oder ein Vulkanausbruch könne Atlantis nicht versenkt haben, betont der Geophysiker. "Die geologischen Vorgänge im östlichen Mittelmeer sind heute gut verstanden." Dass eine Landmasse an dieser Stelle absinke, und zwar gleich um eineinhalb Kilometer, sei schlicht unmöglich. Laut Platon ist Atlantis vor etwa 11.000 Jahren in den Fluten verschwunden. Damals endete auch die letzte Eiszeit, und die Meeresspiegel stiegen tatsächlich kräftig an - allerdings um 120, höchstens 130 Meter.

Markus Becker



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