Geologie Magma-Druck reißt Afrika in zwei Teile

Aufsteigendes Magma lässt Vulkane ausbrechen und zuweilen auch Erdplatten auseinanderdriften. Das Horn von Afrika wird derzeit mit enormer Geschwindigkeit vom Schwarzen Kontinent weggepresst. Forscher präsentieren jetzt neue Daten über die Afar-Senke.


Afrika verliert sein Horn, ein neuer Ozean wird den Osten des Kontinents spalten. Solche Prozesse verlaufen normalerweise in einem Zeitlupentempo, das Menschen bei weitem nicht wahrnehmen können. Die Geologie zählt in Jahrtausenden und Jahrmillionen - normalerweise. Nicht aber unter Äthiopien und Dschibuti.

Dort streben zwei Erdplatten auseinander, die darüber liegende Afar-Senke befindet sich schon heute bis zu 100 Meter unter dem Meeresspiegel. Bereits Anfang März stellte der britische Geophysiker Tim Wright in SPIEGEL ONLINE seine Beobachtungen vor: Hunderte Risse haben sich binnen weniger Monate des vergangenen Jahres im Wüstenboden der Afar-Senke geöffnet. Teilweise sank der Boden um 100 Meter ab. "Bis heute ist die Erde nicht zur Ruhe gekommen."

Nun hat Wright zusammen mit Kollegen aus Äthiopien, Großbritannien und den USA die Entdeckung aus Ostafrika im Wissenschaftsmagazin "Nature" veröffentlicht. Die Forscher berichten von 163 Erdbeben zwischen Mitte September und Anfang Oktober 2005 und von einem Ausbruch der Vulkane Dabbahu und Gabho in der Afar-Senke.

Afar-Senke: Erdgeschichte im Schnellvorlauf
SPIEGEL ONLINE

Afar-Senke: Erdgeschichte im Schnellvorlauf

Dies sind jedoch nur kleine Zeichen der Kräfte im Untergrund. Das wirklich Spannende bleibt dem Beobachter an der Oberfläche verborgen. Eine Magmakammer unter der Afar-Senke hatte nur einen kleinen Teil ihres glühenden Inhalts in Richtung Oberfläche entlassen.

Ein viel größerer Anteil des flüssigen Gesteins bewegt sich horizontal durch den Untergrund - entlang der Richtung, in der dort die Afrikanische und die Arabische Erdplatte aneinander vorbei reiben. Das Magma befördert diese Bewegung. "Jeder Fluss von Magma in der Erdkruste könnte Spaltenbildungen verursachen, lange bevor die Kruste so gespannt ist, dass es für eine gewöhnliche Grabenbildung ausreicht", heißt es in einem Kommentar des isländischen Vulkanologen Freysteinn Sigmundsson, der ebenfalls in der aktuellen "Nature"-Ausgabe erschienen ist.

So können die Geologen in der Afar-Senke nicht nur live die Aufspaltung eines Kontinents beobachten, sondern auch noch im Zeitraffer. An ersten Stellen ist in der Region bereits Magma an die Oberfläche getreten und hat dort dunkle Flecken gebildet. Es handelt sich bei dem flüssigen Gestein um Basalt - dasselbe Material, das den Meeresboden bildet und auch am mittelatlantischen Rücken austritt.

Der magmagefüllte Gesteinsgang unter der Oberfläche von Afar habe nun ein Volumen von zweieinhalb Kubikkilometern, schreibt Sigmundsson - "zweimal soviel Material, wie beim Ausbruch des Mount St. Helens 1980 ausgeworfen wurde".

stx



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.