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Fotostrecke: Gepardenkinder in Gefahr

Foto: Sven Grundmann/ dpa

Raubkätzchen Geparden-Babys sind zäher als gedacht

Junge Geparden leben sehr gefährlich, weil der große Verwandte Löwe sie sich gerne einverleibt - lange galt dies als gesichertes Wissen. Doch eine entsprechende Studie aus der Serengeti führte auf die falsche Spur. Die kleinen Räuber feiern öfter ihren ersten Geburtstag als bisher bekannt.
Von Kai Althoetmar

Tierfilmer haben die Szene in Ostafrikas Serengeti schon mehrfach eingefangen: Eine Gepardenmutter geht auf die Jagd, ihre Jungen bleiben zurück und werden Opfer von Löwen. 1994 wiesen Forscher erstmals nach, dass neugeborene Geparden in der Serengeti nur hauchdünne Überlebenschancen haben. Keine fünf Prozent erreichten das Erwachsenenalter. Als Übeltäter gelten Großraubtiere, vor allem der Löwe, aber auch Hyänen.

Jetzt haben südafrikanische Forscher die landläufige Ansicht widerlegt, dass Löwen das Gros des Geparden-Nachwuchses auf dem Gewissen haben. Die hohe Sterblichkeit junger Geparden in der Serengeti ist demnach ein Sonderfall, und für den Tod junger Geparde ist eine Vielzahl von Raubtierarten verantwortlich. Ihre Studie haben Michael Gus Mills und Margaret Mills von der Lewis Foundation im südafrikanischen Craighall in der Fachzeitschrift "Journal of Zoology"  veröffentlicht.

Das Forscherpaar hatte sechs Jahre lang in Südafrika und Botswana im Kgalagadi Transfrontier Park in der Kalahari-Halbwüste junge Geparden studiert. Die Muttertiere wurden mit Funkhalsbändern versehen, die Jungen im Bau gezählt, ihr Aufwachsen bis zum Alter von 14 Monaten begleitet.

Ergebnis: Mehr als ein Drittel der 67 beobachteten Neugeborenen erreichte das Erwachsenenalter. Die meisten Todesfälle ereigneten sich in den ersten acht Wochen, wenn die Jungen im Bau blieben und die Mutter allein auf der Jagd war. In der neuen Studie starben in diesem Zeitraum 31 von 67 Jungtieren, in der Serengeti waren es dereinst 89 von 125.

Spuren von Leopard, Dachs und Schakal

Für die Todesfälle in der Kalahari waren fast immer Raubtiere veranwortlich, nur selten Auszehrung oder Verletzungen. Oft ließ sich nicht genau klären, welcher Räuber zugeschlagen hatte. Sicher ist aber: In dem Wildniskrimi gibt es so viele Täter wie in Agatha Christies "Mord im Orientexpress".

Anhand von Spuren und Beobachtungen gelang es mehrfach, den Fressfeind zu ermitteln: Mal hatte ein Leopard seine Spur am Bau hinterlassen, mal deutete alles auf einen Honigdachs, mal auf einen Schakal - während sich nie Spuren von Löwen oder Hyänen fanden. Bei 22 Todesfällen im Bau ließ sich eine Täterschaft von Löwe oder Hyäne aber auch nicht ausschließen.

In der Kalahari wie in der Serengeti kommen auf einen Geparden etwa zwei Löwen. Die seien "nicht die verheerenden Raubtiere, als die sie oft angesehen werden", schreiben die Forscher in der Studie. Für Geparden in der Kinderstube sei die Gefahr durch Löwen nicht größer als die durch Schakale. Selbst Sekretärvögel hätten schon Gepardenjunge erbeutet.

Besonders in der Serengeti ist Gepardennachwuchs dem Tod geweiht, wenn die Mutter zu lange fortbleibt, weil sie den wandernden Thomson-Gazellen folgt. Im Extremfall findet sie den Bau nicht wieder, und die Jungen verenden - falls nicht vorher schon ein Räuber zugeschlagen hat. In der Kalahari dagegen ernähren sich Geparden vor allem vom standorttreuen Steinböckchen.

"Die extrem hohe Sterblichkeit junger Geparde in der Serengeti sollte nicht als typisch für die Art angesehen werden", schreiben die Autoren. Auch bietet die ungewöhnlich offene Graslandschaft der Serengeti jungen Geparden kaum Schutz. Das erklärt, warum in der Serengeti jeder zweite halbwüchsige Gepard im Alter zwischen vier und 14 Monaten umkommt - in der Kalahari aber nur jeder zwanzigste. Außerdem gab es zum Zeitpunkt der Laurenson-Studie in Ostafrika viel mehr Löwen als heute.

Auch andere Zahlen bestätigen mittlerweile die Ausnahmesituation in der Serengeti. Im südafrikanischen Phinda Resource Reserve zum Beispiel überleben ähnlich viele Geparden das erste Jahr wie in der Kalahari - trotz Löwen. Und in Simbabwes Matusadona Nationalpark mit seiner sehr hohen Löwendichte gelang die Wiederansiedlung von Geparden dauerhaft.