Geschlechtsunterschiede Pandamännchen orientieren sich besser als Weibchen

Auch im Tierreich gibt es klischeehafte Unterschiede zwischen Mann und Frau: Pandamännchen sind in Sachen Orientierung den Weibchen deutlich überlegen. Ein gutes Wahrnehmungsvermögen bringt den Herren offenbar handfeste Vorteile.
Pandabär (im chinesischen Chengdu, Mai 2009): Männchen leben nicht monogam

Pandabär (im chinesischen Chengdu, Mai 2009): Männchen leben nicht monogam

Foto: Feng Li/ Getty Images

Beim Menschen hält sich hartnäckig das Klischee, Männer hätten ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen als Frauen - das ist die Sache mit dem Einparken. Ähnlich scheint es auch bei Pandas zu sein: Männliche Pandabären haben eine bessere räumliche Wahrnehmung als weibliche. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern hänge letztlich mit dem Sexualverhalten der Tiere zusammen, berichtet ein internationales Forscherteam in den "Biology Letters" der britischen Royal Society.

Um ihre Chancen zu erhöhen, mehrere Partnerinnen zu ergattern, erweiterten die promisken Pandamännchen in der Paarungszeit ihr Revier - dies verlange nach einem besseren räumlichen Orientierungssinn, schreiben Bonnie Perdue von der Chengdu Research Base of Giant Panda Breeding in der chinesischen Provinz Sichuan und ihre Kollegen. In monogamen Beziehungen sei dagegen eine bessere räumliche Wahrnehmung eines Geschlechts nicht nötig.

Mann und Frau

Beim Menschen führen Forscher den Orientierungsunterschied zwischen den meist auf die unterschiedlichen hormonellen Einflüsse beider Geschlechter zurück. Die Studie mit den Pandabären liefert eine mögliche evolutionäre Erklärung für die beobachteten Unterschiede: Die Pandamännchen erhöhen dank ihres besseren Orientierungssinns den Paarungserfolg. Ob dies auch die Unterschiede zwischen den Menschen-Geschlechtern erklären kann, schreiben die Forscher allerdings nicht.

Schälchen-Test

Das Team um Perdue hatte die Untersuchung an acht männlichen und neun weiblichen Großen Pandabären aus einer Forschungsstation sowie einem Zoo in China durchgeführt. Sie stellten dazu acht Schälchen in einem großen Kreis auf. Vier der Schälchen enthielten Futter. Nach einigen Übungsrunden wurden nun nur leere Schälchen aufgestellt. Die Forscher beobachteten dann, welche Schälchen die Tiere in Erwartung des Futters aufsuchten.

Das Ergebnis: Die männlichen Pandas suchten deutlich seltener als die weiblichen ein Schälchen auf, in dem sich noch nie Futter befunden hatte. Außerdem kehrten sie seltener mehrmals hintereinander zum selben Schälchen zurück. Sie waren hinsichtlich der Orientierung den weiblichen Tieren also deutlich überlegen, folgern die Forscher.

Die Biologen stellten die Aufgabe auch stammesgeschichtlich nahe verwandten asiatischen Ottern. Bei diesen monogam in einem Aktionsraum lebenden Tieren fanden sie keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Dies stütze die Theorie, dass die unterschiedliche Reviergröße bei promisken Tierarten die räumliche Wahrnehmung beeinflusse.

Keinen Beleg fanden die Experten hingegen für die Richtigkeit einer zweiten Theorie, nach der die Weibchen nur zu bestimmten Zeiten ihres Zyklus eine schlechtere räumliche Orientierung haben.

cib/dpa
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