Gestohlene E-Mails US-Regierung hält Klimaforschung für solide

Die Veröffentlichung zahlreicher gestohlener E-Mails hat der Klimaforschung eine Debatte über ihre Glaubwürdigkeit eingebracht. Jetzt hat die US-Regierung der Wissenschaft ihr Vertrauen ausgesprochen: Die Erkenntnisse über die Erderwärmung seien solide, ernsthafte Zweifel gebe es nicht.
US-Regierungssprecher Robert Gibbs: Klimaforschung ist solide

US-Regierungssprecher Robert Gibbs: Klimaforschung ist solide

Foto: Charles Dharapak/ AP

Hunderte E-Mails aus den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden vom Server eines britischen Forschungszentrums gestohlen - und sorgten kurz vor dem Beginn des Kopenhagener Weltklimagipfels für erheblichen Wirbel. Skeptiker und Gegner von Klimaschutzmaßnahmen sehen in dem E-Mail-Verkehr einen Hinweis auf Datenmanipulation bei der Klimaforschung. Auch Republikaner in den USA fühlen sich in ihrem Widerstand gegen ein im Kongress anhängiges Gesetz zu einschneidenden Regulierungen beim Schadstoffausstoß bestärkt.

Die US-Regierung sah sich nun zu einer Klarstellung genötigt. Robert Gibbs, Sprecher von Präsident Barack Obama, sagte, es gebe keine Zweifel an den Erkenntnissen über den vom Menschen verursachten Klimawandel. "Ich glaube, jedem sind die wissenschaftlichen Zusammenhänge klar. Ich denke, sie sind den Forschern klar. Sie sind vielen im Kongress klar. Ich denke, dass die Vorstellung, es gebe eine Debatte über die Wissenschaft, töricht ist."

Der zwölftägige Gipfel in Kopenhagen, bei dem ein Abkommen im Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe vereinbart werden soll, war am Montag eröffnet worden. Zu dem Treffen, das ursprünglich nur für die Ministerebene geplant war, haben sich inzwischen 110 Staats- und Regierungschefs angekündigt. Zum Abschluss Ende kommender Woche will auch US-Präsident Barack Obama in die dänische Hauptstadt reisen.

Zuvor hatte der Chef des Uno-Klimarats IPCC den Hackerangriff auf die University of East Anglia scharf verurteilt. Mit dem Diebstahl der Nachrichten habe vermutlich der Weltklimarat diskreditiert werden sollen, sagte Rajendra Pachauri am Montag in Kopenhagen. Offensichtlich könnten einige die "Unausweichlichkeit" des Klimawandels nicht akzeptieren und nähmen sogar illegales Handeln in Kauf, um den IPCC in Verruf zu bringen. Der Weltklimarat sei angesehen für seine "faire, neutrale und objektive Abwägung wissenschaftlicher Beweise", sagte Pachauri. Die Erderwärmung sei "unzweideutig".

Der Diebstahl der E-Mails und ihre Veröffentlichung Ende Oktober hatten eine scharfe Kontroverse über die Glaubwürdigkeit der Klimaforschung ausgelöst, die auch in der US-Politik für schrille Töne sorgte. Zwar hat sich in den vielen hundert gestohlener E-Mails kein Beweis eine systematische Fälschung von Daten gefunden. Allerdings gibt es den Verdacht individuellen Fehlverhaltens einiger Forscher. So lässt Phil Jones, Chef des vom Datenklau betroffenen Climate Research Unit der University of East Anglia, während einer Untersuchung der Vorfälle sein Amt ruhen. Auch deutsche Wissenschaftler haben nach der Mail-Affäre für größere Transparenz in der Klimaforschung geworben.

chs/AFP/dpa