Gezielter Muskelkrampf Entendamen schützen sich vor aufdringlichen Verehrern
Erpel: In der Balz häufig Kämpfe und sexuelle Belästigungen von Entendamen
Foto: ddpLondon - Es ist schon erstaunlich, womit sich manche Forscher befassen. Patricia Brennan von der Yale University in New Haven studiert die Penisse von Erpeln und deren Verformbarkeit. Wie flexibel das Geschlechtsorgan ist, das wollte die Forscherin mit Hilfe unterschiedlich geformter Glasröhren testeten. Die Ergebnisse sind durchaus bemerkenswert, wie in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Proceedings of the Royal Society B" nachzulesen ist.
Die meisten männlichen Vögel besitzen keinen Penis, sondern drücken bei der Paarung ihre sogenannte Kloake auf die des Weibchens. Diese Körperöffnungen dienen sowohl zum Ausscheiden von Kot und Urin als auch zur Begattung. Entenmännchen verfügen jedoch zusätzlich über einen nach innen gestülpten Penis, der bei der Paarung blitzschnell ausgefahren wird. Trotz dieser großen Geschwindigkeit kommt das Genital in der Paarungszeit nicht so häufig zum Einsatz, wie die Männchen es sich wünschen würden.
Die Balz geht oft mit Kämpfen und sexuellen Belästigungen einher, vor denen sich die Weibchen auf ungewöhnliche Weise schützen: Sie ziehen ihre Vagina zusammen, daraufhin nimmt diese eine im Uhrzeigersinn gewundene Form an, ähnlich einem Korkenzieher oder einem ausgewrungenen Handtuch. Der Penis der Erpel ist aber genau entgegen dieser Richtung gedreht.
Hochgeschwindigkeitskamera filmt Erpel im Einsatz
Die Forscher wollten nun wissen, wie es trotz dieser unterschiedlichen Anatomien zur Begattung kommen kann. Sie stellten zwei Hypothesen auf: Entweder ist der Erpelpenis besonders anpassungsfähig, oder die Weibchen verändern die Form ihrer Vagina. Um das zu überprüfen, erlaubten sie den Versuchserpeln zunächst, eine Ente zu besteigen. Sobald die Kloake des Erpels als Zeichen der Kopulationsbereitschaft anschwoll, hielten die Wissenschaftler unterschiedlich geformte Glasröhren vor die Kloake des Weibchens. Die verschiedenen Röhren waren dabei möglichen Formen der Vagina nachempfunden: Eine war zylindrisch, eine im und eine andere gegen den Uhrzeigersinn gedreht.
Mit Hilfe einer Hochgeschwindigkeitskamera filmten die Wissenschaftler die "Paarung". So konnten sie beobachten, wie die Erpel ihren 20 Zentimeter langen Penis innerhalb von nur 0,36 Sekunden ausstülpten. Zur vollen Länge konnte er sich jedoch nur in dem geraden Röhrchen entfalten sowie in dem Exemplar, dessen Windungen denen des Penis entsprachen. Die Folgerung der Forscher: Wenn der Penis sich nicht der Vagina anpassen kann, muss sich diese dem Penis anpassen.
Deswegen gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die weiblichen Enten ihre Vaginamuskeln nur dann entspannen und damit das Eindringen des Penis ermöglichen, wenn sie mit dem Erpel einverstanden sind. Für diese Theorie spricht auch die Tatsache, dass das Eierlegen bei verkrampfter Muskulatur nicht möglich wäre.