Plage aus Ostafrika Gigantische Heuschreckenschwärme erreichen Saudi-Arabien und Persischen Golf

Erst fielen die Heuschreckenschwärme über Ostafrika her, jetzt erreichen die gefräßigen Insekten die Arabische Halbinsel. Sie sind eine Gefahr für die Versorgung der Bevölkerung.
Schwärme von Wüstenheuschrecken fliegen über einem Feld in Kenia (Foto von Ende Januar): Größter Schädlingsbefall seit 70 Jahren

Schwärme von Wüstenheuschrecken fliegen über einem Feld in Kenia (Foto von Ende Januar): Größter Schädlingsbefall seit 70 Jahren

Foto: Ben Curtis/ dpa

Riesige Heuschreckenschwärme sind inzwischen nicht nur in Ostafrika, sondern auch auf der Arabischen Halbinsel unterwegs. Die Schwärme hätten die Küste des Persischen Golfs in Kuwait, Bahrain und Katar erreicht, teilte die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen am Freitag mit. Auch die südwestliche Küste des Iran sei betroffen.

Videos in sozialen Netzwerken hatten in den vergangenen Tagen immer wieder riesige Heuschreckenschwärme unter anderem in Saudi-Arabien gezeigt. Nach Angaben der Uno-Organisation ist auch das Bürgerkriegsland Jemen im Süden der Arabischen Halbinsel betroffen.

Größter Schädlingsbefall seit 70 Jahren

Seit Monaten überziehen Schwärme aus Millionen Wüstenheuschrecken Landstriche in Ostafrika. Die Uno meldet, es sei der größte Schädlingsbefall seit 70 Jahren. In Kenia bedeckte der bislang größte beobachtete Heuschreckenschwarm unlängst die dreifache Fläche Berlins. Er umfasste mindestens hundert Milliarden der fingerlangen Insekten. Aber: Es war nur einer von vielen.

Ihre Vermehrung wurde durch den starken Regen in der Region in den vergangenen Monaten begünstigt. Viele Menschen in Ostafrika haben wegen Dürren, Konflikten und hohen Lebensmittelpreisen ohnehin nicht genug zu essen. Die wichtigste Pflanz- und Erntezeit in der Region steht nun kurz bevor. Sollten die Insekten dann noch großflächig unterwegs sein, könnten die Folgen nach Angaben von Experten verheerend sein. Wie die FAO am Freitag mitteilte, bleibe die Situation in Kenia, Äthiopien und Somalia alarmierend. Rund 13 Millionen Menschen seien dort bedroht, warnt die Organsation Integrated Food Security Phase Classification (IPC), die weltweit die Nahrungsmittelsicherheit untersucht.

DER SPIEGEL

Der Appetit der Heuschrecken ist gewaltig: Täglich frisst die Wüstenheuschrecke ihr Eigengewicht von zwei Gramm. Die Tiere machen innerhalb kürzester Zeit gewaltige Flächen nieder: Ein einziger Quadratkilometer der Insekten könne an einem Tag so viel vertilgen wie 35.000 Menschen. Sie fressen der Bevölkerung buchstäblich die Nahrung weg.

Und die Schwärme ziehen schnell von Ort zu Ort. Mit günstigem Wind reist eine gefräßige Heuschreckenwolke mit Hunderten Millionen Einzeltieren 150 Kilometer weit - binnen 24 Stunden.

oka/dpa