Gipfel-Erfolg Uno-Klimakonferenz beschließt Bali-Abkommen

Dramatik pur beim Schlussakt der Klimakonferenz auf Bali: Erst nahm die EU unter dem Jubel der Delegierten eine Last-Minute-Initiative Indiens an. Dann lehnten die USA den Kompromiss ab - um nach heftigen Angriffen anderer Staaten doch noch zuzustimmen.

Nusa Dua - Die Uno-Konferenz auf Bali hat in einer dramatischen Schlusssitzung das Verhandlungsmandat für ein neues Klimaschutzabkommen beschlossen. Zuvor hatte es am Samstag im Plenum der Konferenz einen harten Schlagabtausch mit wechselseitigen Einspruchsdrohungen der USA einerseits und verschiedener Schwellen- und Entwicklungsländer andererseits gegeben. Der Text wurde allerdings hinsichtlich der Pflichten der Entwicklungsländer abgeschwächt.

Entgegen dem Wunsch der EU und vieler Entwicklungsländer enthält das Mandat selbst keinerlei Zahlenangaben zur Verringerung von CO2-Emissionen. Die Teilnehmerstaaten erkennen lediglich an, "dass starke Verringerungen der weltweiten Emissionen von Treibhausgasen erforderlich sind", um das gesetzte Ziel einer Bekämpfung des Klimawandels zu erreichen. Der Text verweist aber auf die Empfehlungen im Bericht des Weltklimarats (IPCC), der solche Reduktionsziele vorsieht.

Die Initiative Indiens, unterstützt von China, hatte die Delegierten beim Weltklimagipfel auf Bali auf dem falschen Fuß erwischt. Alles hatte mit einer Obstruktionstaktik der Russen gerechnet - doch dann meldeten die Inder überraschend einen bedeutenden Änderungswunsch an dem Entwurf einer Bali-Abschlusserklärung an, an der die Delegationen zuvor bis zum frühen Samstagmorgen (Ortszeit) gefeilt hatten.

Die Änderung lief darauf hinaus, dass die Industriestaaten sich zu "messbaren, meldepflichtigen und überprüfbaren" Technologie- und Finanzhilfen für die Entwicklungsländer verpflichten sollten. Zugleich sollten die drei Begriffe an einer Stelle getilgt werden, wo sie sich auf die Treibhausgas-Senkungen der Entwicklungsländer bezogen hätten.

Buhrufe für die US-Delegation

"Völlig inakzeptabel", sagte die niederländische Umweltministerin Jacqueline Cramer. Ein Scheitern der Konferenz schien plötzlich wieder denkbar. Doch die EU schluckte die Kröte: Unter dem Jubel der anderen Delegierten stimmte die portugiesische EU-Ratspräsidentschaft dem Vorschlag Indiens zu. Die Ernüchterung folgte nur wenig später: "Wir können diesem Vorschlag nicht zustimmen", sagte Paula Dobriansky, Leiterin der US-Delegation. Buhrufe waren die Antwort.

In den kommenden Minuten mussten die Amerikaner eine Reihe teils heftiger Angriffe über sich ergehen lassen. "Unwillkommen und ohne jede Basis" nannte etwa der Vertreter Südafrikas die Anschuldigungen der USA an die Entwicklungsländer. "Sie sind nicht in der Lage, die Führung zu übernehmen. Gehen Sie aus dem Weg", griff der Vertreter Papua-Neuguineas die USA direkt an. Offenbar wurde der Druck auf die US-Delegation zu groß. Angesichts der massiven Angriffe knickten die Amerikaner ein und nahmen die sogenannte "Bali-Roadmap" an. "Wir treten dem Konsens bei", sagte Dobriansky. Diesmal gab es teils stehende Ovationen der Delegierten. Während der Beratungen erlitt der Leiter des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, einen Zusammenbruch und musste den Saal vorübergehend verlassen

Zuvor hatte sich der indonesische Konferenzpräsident Rachmat Witoelar für seine Verhandlungsführung entschuldigt. "Sie war nicht ohne Fehler", sagte Witoelar. Hinter vorgehaltener Hand hatten Delegierte die teils chaotische Vorgehensweise der Konferenzleitung kritisiert - und die Schuld an zwischenzeitlichen Eskalationen auch Witoelar gegeben.

Zuvor hatten Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono und Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon dramatische Appelle an die Delegierten gerichtet.

mbe/AFP

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