Gipfel in Bali Voll klimatisierte Klima-Bürokraten im Anflug

Zum Klimagipfel in Bali werden ab Montag zehntausend Teilnehmer auf die Ferieninsel düsen und die Hotels bevölkern. Das Megathema Erderwärmung ernährt eine auswuchernde Klima-Bürokratie - die Ergebnisse sind jedoch bislang mager.

Von Sebastian Knauer


Die Tickets sind bestellt, die Hotelzimmer gebucht, die Spesenkonten aufgefüllt. Es ist wieder einmal Klimagipfel. Zum Treffen der Regierungsvertreter über das Thema Klimawandel jetten die behördlichen Klimaschützer Anfang Dezember für elf Tage auf die indonesische Ferieninsel Bali.

Die Großveranstaltung für das Weltklima unter dem Uno-Kürzel "COP 13" (Conference of the Parties), die zum 13. Mal stattfindet, wird neue Rekorde setzen: Zehntausend Teilnehmer, Hunderttausende von Flugkilometer und Millionen US-Dollar Konferenzkosten. Ertrag fürs Weltklima: womöglich minimal bei maximalem Kohlendioxid-Ausstoß.

Der Klimawandel ist innerhalb der internationalen Behörden und Wissenschaft zu einer eigenen Industrie geworden. Rund 15.000 Klimaexperten von Uno, nationalen Ministerien oder Forschungseinrichtungen treffen sich weltweit in immer kürzeren Abständen zu Tagungen, Konferenz-Vorbereitungssitzungen oder Klimafolge-Konferenzen. "Zur Vorbereitung von Bali flog fast jede Woche eine Delegation dorthin", sagt John Hay, Sprecher des in Bonn residierenden Uno-Klimasekretariats.

Gesteuert wird die meilenverschlingende Konferenz-Karawane von dem Uno-Klimasekretariat (UNFCCC), das in dem aufwendig sanierten, ehemaligen Schloss Haus Carstanjen in den Rheinauen von Bonn-Plittersdorf residiert. Schon in der gläsernen Empfangshalle liegen derzeit bunte Prospekte des indonesischen Tourismus-Ministeriums aus.

Von den 280 Mitarbeitern des Klimasekretariats werden 200 nach Bali fliegen, bestens versorgt durch einen intern umstrittenen "Daily Subsistence Allowance" (DSA). Dieser Tagessatz von bis zu 120 US-Dollar nach Uno-Reglement wurde angesichts der niedrigen Lebenshaltungskosten in Indonesien zum Ärger der Reisenden heruntergesetzt.

Imageschub durch Klimagipfel

Nach der UNFCCC-Homepage sind auch einige der begehrten Hotels wie das "Melia Bali Villas & Spa Resort" sowie das "Novotel Nusa Dua" auf der "Insel der Götter" ausgebucht. Für das Konferenzhotel "The Westin Resort" gehen die Preise für die "Ocean Suite" dagegen bis zu über 1000 Dollar hoch - vollklimatisiert.

Der Tagungsort Bali, sieben Stunden Zeitverschiebung zu Bonn, wurde als Ersatz-Konferenzort nach dem Militärputsch in Bangkok im September des vergangenen Jahres ausgewählt. Die indonesische Regierung verspricht sich nach den islamistischen Anschlägen in dem Ferienparadies einen Imageschub durch die Klima-Konferenz.

Dazu ist der Gastgeber Indonesien auch bereit, den Uno-Göttern einiges zu opfern. Für Infrastruktur, Logistik, Übersetzungsleistungen, Unterbringung, Bewirtungen oder Flüge der Offiziellen wird der asiatische Inselstaat rund zwei Millionen Dollar ausgeben. Dem normalen Uno-Arbeiter wird zur Konferenz die kostenfreie Sim-Karte einer indonesischen Telefongesellschaft ausgehändigt.

Die 5000 Teilnehmer von Umweltverbänden, Lobbygruppen, Unternehmen oder Medien sollen dagegen Geld auf die Insel bringen. Die deutsche Sektion von Greenpeace wird ebenfalls mit einer kleinen Delegation von Klimaschützern in Bali vor Ort sein. Der WWF freut sich auf viele Fachsitzungen und der jüngst gegründete World Future Council aus Hamburg wird in einem Tagungshotel die deutsche Einspeisevergütung für Windmühlen und Solaranlagen erklären.

CO2-Ablass abgelehnt

Beim eigenen Reiseverhalten zeigen sich die Uno-Vielflieger wenig umweltbewusst. So lehnte die Mehrheit der Uno-Staaten im Vorfeld der Bali-Konferenz es ab, Tickets mit Klimaschutzaufschlag zu kaufen. Dieser genau nach Flugmeilen berechnete Geldbetrag wird dazu verwandt, anderswo in Öko-Projekte zu investieren und das durch den Flug entstandene Kohlendioxid auszugleichen.

Kommerzielle Fluggesellschaften wie die Lufthansa, British Airways, Air France, SAS oder jetzt auch die Tui bieten dem Publikum auf den Online-Buchungsseiten schon solche freiwilligen Klimazuschläge an. Für den einfachen Flug Frankfurt - Denpasar/Bali fallen bis zu 90 Euro an.

Den Uno-Weltklimaschützern ist das zu teuer. Jetzt prüft die nationale indonesische Fluglinie Garuda, ob sie die Uno-Bürokraten nicht auf Firmenkosten klimaneutral befördern kann.

Solche Peinlichkeit will sich der deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel ersparen. Er wird nach der Dramaturgie für Uno-Gipfel, bei denen die Chefs für den Durchbruch des festgefahrenen Palavers sorgen müssen, erst zu den letzten Konferenztagen in Bali einschweben, um die 70-köpfige deutsche Delegation zu unterstützen. Über einen Sonderetat, so ein Gabriel- Sprecher, "werden wir diese Flüge selbstverständlich klimaneutral gestalten."



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