Glimmender Fisch Das erste Design-Haustier leuchtet rot

In den USA wird es bald die ersten genmanipulierten Haustiere geben: Ab Januar soll der "GloFish", ein fluoreszierender Zebrafisch, verkauft werden. Kritiker befürchten einen Dammbruch bei der "Herstellung" maßgeschneiderter Tiere.


Genmanipulierte Zebrafische: Fluoreszierende Tierchen sollen Geld einbringen
GloFish

Genmanipulierte Zebrafische: Fluoreszierende Tierchen sollen Geld einbringen

Zebrafische sind eigentlich schwarz-silbern. "GloFish" aber leuchtet rot und soll ab Januar 2004 amerikanische Wohnzimmer schmücken. Wissenschaftler der Nationaluniversität Singapur hatten die Fische ursprünglich produziert, um Umweltverschmutzung aufzuspüren: Sind Giftstoffe im Wasser, leuchten die Meeresbewohner in bis zu fünf unterschiedlichen Farben. Das Forscherteam um Gong Zhiyuan hatte die Eier von Zebrafischen mit einem Gen versehen, das einer Seeanemonen-Art eine rote Farbe verleiht.

Die US-Firma Yorktown Technologies erkannte offenbar die Chance, die "Glühfische" im großen Stil zu Geld zu machen, sicherte sich die exklusiven US-Vermarktungsrechte und will die Tierchen ab dem 5. Januar verkaufen. Zumindest in offiziellen Mitteilungen schreibt die Firma Sicherheit und Tierschutz groß: Selbstverständlich würden die Fische artgerecht gezüchtet und gehalten, und natürlich sei "GloFish" keine Gefahr für die Umwelt, da er in nichttropischen Gewässern gar nicht überleben könne.

Gong Zhiyuan ist offenbar weniger sicher, dass sein Produkt nicht doch in tropische Gewässer gelangen könnte, und wiegelte vorauseilend ab. "Fluoreszierende transgene Fische haben offensichtlich keinen Fortpflanzungsvorteil gegenüber wild lebenden Fischen derselben Spezies", sagte der Forscher. "Ihre Fluoreszenz bringt wahrscheinlich sogar Nachteile mit sich."

US-Umweltgruppen reagierten dagegen mit heftigen Protesten. Sie forderten die Nahrungs- und Arzneimittelbehörde FDA auf, sofort einzuschreiten und den "GloFish"-Verkauf zu verhindern. "Das Angebot von Yorktown Technologies würde einen Präzedenzfall für alle anderen Hersteller genmanipulierter Fische schaffen", warnte Andrew Kimbrell vom Center for Food Safety. "Das wäre im wahrsten Sinne des Wortes ein Dammbruch."



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