Globale Studie Deutschland bei Umwelt-Ranking auf Platz 31

Wo sitzen die größten Öko-Sünder, welches Land ist vorbildlich in Sachen Umweltschutz? Experten haben dazu beim Weltwirtschaftsforum in Davos eine globale Studie veröffentlicht. Deutschland schneidet überraschend schlecht ab. And the winner is...


Braunkohlekraftwerk Neurath: Deutschland bekommt schlechte Noten für Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen
DPA

Braunkohlekraftwerk Neurath: Deutschland bekommt schlechte Noten für Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen

Universitäten, Schulen, Manager, Kliniken, Politiker: Ranglisten verschonen kaum noch einen Bereich des öffentlichen Lebens. Jetzt hat es einmal mehr den Umweltschutz getroffen: Beim Weltwirtschaftsforum in Davos stellten Experten der US-Universitäten Yale und Columbia den "Umwelt-Nachhaltigkeitsindex" ("Environmental Sustainability Index") für das Jahr 2005 vor.

Das Ranking, veröffentlicht vom Yale Center for Environmental Law and Policy, berücksichtigt 21 ökologische Aspekte wie etwa den Ausstoß von Treibhausgasen und die Wasserqualität. Der Durchschnittswert führte unter den 146 bewerteten Ländern zu einer Rangfolge, die einige Überraschungen enthält.

Wie schon bei der Vergleichsstudie zu Bildung sind die Skandinavier auch in ökologischen Belangen weit vorn: Auf Platz eins die Finnen, gefolgt von den Norwegern. Platz drei geht an Uruguay, und danach kommen wieder nördliche Länder: Schweden, Island und Kanada.

Enttäuschender Platz 31 für die Deutschen

Deutschland, das sich selbst gern in der Avantgarde der Klimaschoner wähnt, muss sich mit einem bescheidenen Rang begnügen: Platz 31, weit hinter Staaten wie etwa Gabun, Kroatien, Litauen, Albanien oder der Zentralafrikanischen Republik.

Weltweite Verteilung der Punkte im "Environmental Sustainability Index" 2005: Deutschland erhielt 56,9 Zähler

Weltweite Verteilung der Punkte im "Environmental Sustainability Index" 2005: Deutschland erhielt 56,9 Zähler

Gute Werte erzielt Deutschland vor allem in den Bereichen Luft- und Wasserqualität, Senkung der Belastungen für die Bevölkerung und Umweltgesundheit. Auch für die Öko-Innenpolitik, die Anstrengungen auf internationalem Parkett, die Unweltforschung und Einbeziehung des privaten Sektors in Öko-Verantwortung bekommt Deutschland gute Noten. Dicke Minuspunkte gibt es dagegen ausgerechnet für die schwache Reduzierung von Umweltbelastungen wie etwa dem Treibhausgas-Ausstoß und der Wasserbelastung.

Ein schwacher Trost: Andere westeuropäische Länder wie Frankreich (Platz 36), Holland (41), Großbritannien (66) oder Spanien (76) kommen insgesamt noch schlechter weg. Peinlich ist das insbesondere für den britischen Premierminister Tony Blair, der derzeit die Führung der G8 innehat und den Umweltschutz zur Priorität erklärt hat. Erst am Mittwoch hatte Blair in Davos die US-Regierung öffentlich zu besserem Klimaschutz ermahnt und Washingtons Beitritt zum Kyoto-Protokoll gefordert.

USA im oberen Mittelfeld

Die USA schneiden mit Rang 45 zwar besser als die Briten, aber dennoch wenig schmeichelhaft ab. Dass die USA trotz ihrer weltweiten Spitzenposition im Kohlendioxid-Ausstoß überhaupt im "oberen Mittelfeld" gelandet ist, liegt nach Angaben der Yale University an den hervorragenden Werten in den Bereichen Wasserqualität und Umweltschutzkapazität. Dagegen stünden schlechte Werte beim Abfallaufkommen und den Treibhausgas-Emissionen. Immerhin können sich die Amerikaner damit trösten, dass der letzte Platz an das östliche Ende der "Achse des Bösen" geht: Nordkorea.

Britischer Premier Blair: Peinlicher 66. Platz
AFP

Britischer Premier Blair: Peinlicher 66. Platz

Der Nachhaltigkeits-Report sei "ein nützliches Instrument, um Leistungen im nachhaltigen Umweltschutz auf der Länderebene zu messen und zu quantifizieren", sagt Daniel Esty, Professor an der Yale University und Initiator der Studie. "Indem wir die führenden Länder und die Schlusslichter im nachhaltigen Umweltschutz hervorheben, ein unter Regierungen gern vermiedener Schritt, schaffen wir Wettbewerbsdruck unter den Ländern."

Der Report könne Umweltpolitik stärker empirisch und analytisch fundieren. "Solch eine Wende zu quantitativen politischen Entscheidungsprozessen kommt einer Revolution im Umweltbereich nahe", sagte Esty.

Der Spitzenplatz Finnlands sei das Ergebnis von Wohlstand, geringer Bevölkerungsdichte und vernünftiger Umweltpolitik, sagte Alex de Sherbinin von der Columbia University in Palisades (US-Bundesstaat New York). Eine hohe Punktzahl reflektiere die Fähigkeit eines Landes, die Umwelt in den künftigen Jahrzehnten zu schützen.

Eine gute Platzierung sei für die entsprechenden Staaten allerdings kein Anlass, zufrieden in Untätigkeit zu verfallen, betonte Marc Levy, einer der führenden Mitarbeiter bei der Studie, gegenüber dem Online-Nachrichtendienst des Fachblatts "Nature". Brasilien etwa stehe auf Platz elf, leide aber wegen der Abholzung des Regenwaldes an einem Verlust der Artenvielfalt.

Markus Becker



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