Klimastress Alte Wälder sterben aus

Wälder mit alten Baumriesen sind besonders von Klimawandel und Abholzung bedroht, sagen Forscher. In Zukunft dürften sie nur noch von jüngeren und kleineren Bäumen geprägt sein.
Eine majestätische alte Eiche spendet Schatten: "Über die letzten 100 Jahre sind die alten Wälder global deutlich zurückgegangen"

Eine majestätische alte Eiche spendet Schatten: "Über die letzten 100 Jahre sind die alten Wälder global deutlich zurückgegangen"

Foto: makasana/ iStockphoto/ Getty Images

"Wie die Axt im Walde", heißt es gemeinhin, wenn sich Menschen besonders grobschlächtig verhalten. Solch ein schlechtes Benehmen hat der Mensch die vergangenen hundert Jahre gegenüber der Natur an den Tag gelegt: Der Anteil von Wäldern, die älter sind als 140 Jahre, ist seit 1900 von 89 auf 66 Prozent gesunken. Alte Wälder litten besonders durch Abholzung, verstärktem Holzeinschlag, aber auch durch Stürme und Brände - das gilt insbesondere für Tropenwälder, doch auch für Wälder in Mitteleuropa, heißt es in einer Untersuchung, die im Fachmagazin "Science"  veröffentlicht wurde.

Das Forscherteam um Nate McDowell vom Pacific Northwest National Laboratory hat eine globalen Bestandsaufnahme über den Zustand der Wälder gemacht. Dafür verglichen sie Satellitenaufnahmen und insgesamt 150 Studien, "um das vorhandene Wissen zu dem Thema zusammenzutragen", erläutert Ko-Autor Rupert Seidl von der Technischen Universität München.

Dieser globale Trend der vergangenen Jahrzehnte wird sich nach Ansicht der Forscher in absehbarer Zukunft fortsetzen. Verantwortlich dafür sind neben Abholzungen vor allem steigende Temperaturen, zunehmende Trockenheit, Waldbrände und der Befall durch Insekten und Pilze.

"Über die letzten 100 Jahre sind die alten Wälder global deutlich zurückgegangen und wir müssen davon ausgehen, dass das großflächige Absterben von Wäldern weitergehen wird", meint der Experte für Waldbau und Dynamik von Ökosystemen. "Die Wälder der Zukunft werden von kleineren und jüngeren Bäumen geprägt sein."

Wie empfindlich Wälder auf Klimaextreme reagieren können, zeigten in Deutschland die beiden trockenen Hitzesommer 2018 und 2019. In diesen Jahren starben in Deutschland mehr als 2000 Quadratkilometer Wald ab - das entspricht fast der Fläche des Saarlands. In Sibirien, Australien und im Amazonasgebiet zerstörten im vergangenen Jahr Brände riesige Waldgebiete

Nur noch kleine und jüngere Bäume überleben

Damit einher geht die Entwicklung zu kleineren und jüngeren Bäumen - auch weil große Bäume anfälliger für viele Störfaktoren sind wie Trockenheit, Sturm und Schädlingsbefall. "Dieser Trend wird sich mit der globalen Erwärmung wahrscheinlich fortsetzen", erklärt Nate McDowell. "Ein künftiger Planet mit weniger großen, alten Wäldern wird sich sehr davon unterscheiden, woran wir gewöhnt sind." Ältere Wälder beherbergten zudem oft eine viel höhere Artenvielfalt als jüngere Wälder und lagerten mehr Kohlenstoff ein.

Das hatten Forscher des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie bereits 2017 in einer Studie  nachgewiesen. Je älter die Waldbestände, so das Ergebnis der Untersuchung, desto größer die Artenvielfalt. Gleichzeitig würden ältere Wälder konstanter und stabiler Kohlendioxid aufnehmen.

Die Befunde der Forschergruppe passen auch zu der im April veröffentlichten bundesweiten Waldzustandserhebung 2019 . Demnach sank der Zustand der vier häufigsten Baumarten - Buche, Eiche, Fichte und Kiefer - auf den schlechtesten Wert seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984. Ursachen sind vor allem Trockenheit und Schädlingsbefall.

"Deutschland liegt bei vielen Entwicklungen im weltweiten Trend." Und der sehe nicht gut aus, sagt Studienautor Seidl. "Wir beobachten auf allen Kontinenten ein verstärktes Absterben von Bäumen. Das ist ein globales Phänomen."

Die Forscher sehen aber auch positive Tendenzen: So führten etwa in Mitteleuropa die kürzeren Winter dazu, dass Bäume früher Blätter austrieben und auch im Herbst eine längere Vegetationsperiode hätten. Zudem fördere die zunehmende Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre, die eigentlich den Klimawandel antreibt, gleichzeitig das Baumwachstum. Das gelte jedoch nur, so lange genügend Wasser und Nährstoffe vorhanden seien, warnen die Studienautoren. Bei Trockenheit schließen Bäume die Spaltöffnungen ihrer Blätter und nehmen kein CO2 mehr auf.

Während der höhere CO2-Gehalt der Luft mancherorts positive Folgen haben kann, sehen die Forscher die zunehmende Trockenheit, Waldbrände oder Schädlingsbefall mit großer Sorge. Auch die verstärkte Abholzung und Brandrodung gehe zu Lasten alter Wälder und großer Bäume. Hinweise darauf sieht Seidl auch in manchen Gebieten Mitteleuropas, etwa in der Slowakei und Polen. In Deutschland sei die Waldbewirtschaftung in den vergangenen Jahrzehnten dagegen deutlich pfleglicher geworden.

sug/dpa
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