Hohe Temperaturen im Herbst Was es mit dem »Oktobersommer« auf sich hat

Die Blätter werden schon gelb, aber die Temperaturen bleiben sommerlich: Dieser Oktober ist auffällig mild. Welche Rolle der Klimawandel dabei spielt und welche Auswirkungen auf Heizperiode und Reiseverhalten zu erwarten sind.
Ein Wald in Bayern: Spaziergänge noch ohne Winterjacke

Ein Wald in Bayern: Spaziergänge noch ohne Winterjacke

Foto: Raimund Linke / Getty Images

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An Freibad und an Pommes denken oder im T-Shirt im Wald spazieren: Das passte bisher eher nicht in den Herbst. In diesem Jahr ist der zehnte Monat dagegen an vielen Orten in Deutschland auffällig mild. Vergangenen Montag maßen laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) mehr als 50 Stationen in Deutschland Temperaturen von über 25 Grad. Zum Ende der aktuellen Woche soll es den Vorhersagen zufolge ebenfalls wieder warm werden.

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Auf der französischen Mittelmeerinsel Korsika wurden an diesem Sonntag sogar 32,5 Grad Celsius gemessen. Das ist in der aktuellen Messreihe ein neuer Rekord für diesen Monat. Auch auf dem Festland im Süden Frankreichs wurde die 30-Grad-Marke geknackt.

In Deutschland könnte der aktuelle Oktober – wenn es nicht noch kälter wird – der zweitwärmste oder sogar der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnung werden. Das sagt Andreas Friedrich vom DWD auf Anfrage. In den vergangenen 30 Jahren hatten die Oktober demnach im Mittel 9,4 Grad. Am wärmsten war es im Oktober 2001 mit durchschnittlich 12,5 Grad, der diesjährige Oktober liegt in der Rangliste mit aktuell zwölf Grad auf dem dritten Platz. Inzwischen wird schon über den »Oktobersommer« geredet – Zeit, ihn sich genauer anzuschauen.

Wie viel Wetter und wie viel Klima steckt im warmen Oktober?

Bei diesen Temperaturen denken wohl viele Menschen direkt an den Klimawandel – das ist nicht ganz falsch, aber nur ein Teil der Antwort. Laut DWD-Meteorologe Friedrich ist zunächst einmal das Wetter ausschlaggebend. »Wir bekommen seit mehreren Tagen, fast schon Wochen immer wieder Luftmassen aus südwestlichen Himmelsrichtungen«. Auf den Kanaren und in Nordafrika sei es auch im Herbst noch sommerlich. »Diese Luft kommt jetzt nach Mitteleuropa und führt zu diesen sehr hohen, noch sommerlichen Temperaturen.« Käme Luft aus dem Norden, hätten wir trotz Klimakrise einen kalten Oktober.

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Die aktuellen Temperaturrekorde aber hängen laut Friedrich mit dem Klimawandel zusammen: Eine ähnliche Wetterlage wie die derzeitige hätte laut dem Meteorologen vor hundert Jahren wohl zu niedrigeren Temperaturen geführt als aktuell – »weil die Klimaerwärmung dazu geführt hat, dass im Mittel die Temperaturen in Deutschland schon um 1,6 Grad angestiegen sind seit 1881«. Saharastaub spielt bei der aktuellen Wetterlage laut Friedrich übrigens keine Rolle.

Ist dieser Oktober trockener als frühere?

Trotz der hohen Temperaturen ist der Monat recht feucht. Für die letzte Oktoberwoche ist vielerorts milder oder starker Regen angesagt, teilweise kann es auch gewittern. Der Deutsche Wetterdienst erwartet, dass der Monat nicht viel trockener wird als sonst. »Beim Niederschlag ist es ein durchschnittlicher Monat«, sagt Friedrich. Bisher seien im Mittel in Deutschland fast 50 Liter auf den Quadratmeter gefallen, das langjährige Mittel liege bei 57 Litern pro Quadratmeter. Im vergangenen Jahr habe es dagegen nur knapp 45 Liter pro Quadratmeter geregnet.

Sparen wir durch die aktuellen Temperaturen viel Gas?

Die Gassparbilanz hierzulande fiel zuletzt gemischt aus: Nachdem Deutschland im August im Vergleich zu den Augustmonaten der vergangenen fünf Jahre 28 Prozent weniger Gas verbraucht hat, konnten im September nur 7,4 Prozent eingespart werden. Die Bundesnetzagentur fordert Einsparungen von mindestens 20 Prozent , einige Forscherinnen und Forscher raten sogar zu 30 Prozent weniger Verbrauch, um eine Gasnotlage vermeiden zu können.

Seit Oktober sieht die Lage wohl auch wegen des warmen Wetters wieder ein wenig besser aus: In der zweiten Oktoberwoche verbrauchten Haushalte, Industrie- und andere Unternehmen 29 Prozent weniger Gas als im Schnitt der gleichen Kalenderwochen in den vergangenen fünf Jahren. Netzagentur-Chef Klaus Müller nannte die Zahlen »ermutigend« und forderte die Menschen auf, ihre Sparanstrengungen fortzusetzen. Wegen des guten Wetters dürfte es vielen nicht so schwergefallen sein, die Heizung runterzudrehen und Gas zu sparen – die richtig kalte Jahreszeit kommt aber erst noch.

Verschiebt sich die Hauptreisesaison jetzt in den Herbst?

Zum Sonnenbaden im Juni an die Ostsee, im November nach Mallorca: So könnten Urlaube vielleicht bald aussehen (wobei Expertinnen raten , im Sinne des Klimaschutzes lieber weniger und dafür länger zu verreisen). Der Mittelmeerraum leidet besonders stark unter den Folgen von Klimawandel, Verschmutzung und Massentourismus. »Die Mittelmeerregion ist ein Klimawandel-Hotspot«, hatte der Meteorologe und Klimaforscher Markus Donat dem SPIEGEL kürzlich gesagt . Wenn sich die Erde um ein Grad aufheizt, wird es demnach in Südeuropa gleich um rund 1,5 Grad wärmer.

Bei zu erwartenden Temperaturen in Spanien von 50 Grad und mehr im Sommer könnten viele die Nord- oder Ostsee vorziehen. »Diese Urlaubsgebiete werden dann sicher profitieren«, sagt Meteorologe Friedrich mit Blick auf die Temperaturen. Wann Hauptreisezeit ist, könnte also künftig noch stärker damit zusammenhängen, wohin es gehen soll.

Was bedeutet der warme Oktober für den kommenden Winter?

Wie der Winter genau verlaufen wird, ist noch offen. »Ob es im Dezember eine knackige Kältewelle gibt, der Januar vielleicht sehr mild und der Februar noch mal ganz anders wird, können wir nicht sagen«, hatte DWD-Meteorologe Friedrich in einem Interview vom vergangenen Dienstag dem SPIEGEL gesagt . Der Oktober allein ist also noch kein Indikator dafür, wie der Winter wird. Die Forscher erstellen aber anhand der langjährigen Datenreihen Prognosen, und daraus schließt Friedrich: »Im Vergleich zu den vergangenen 30 Jahren dürfte der Winter etwas wärmer werden.« Der DWD rechnet demnach mit einem Anstieg von einem halben Grad, im Norden etwas mehr, im Süden etwas weniger.

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