Bis zu 95 Millionen Liter Seit 15 Jahren fließt Öl in den Golf von Mexiko

Geht es um Öl im Golf von Mexiko denken die meisten Menschen an die Havarie der Ölplattform Deepwater Horizon. Doch Behörden sorgen sich derzeit um ein ganz anderes Leck im Meeresboden.

Öl im Wasser oberhalb des Lecks im Meeresboden
Gerald Herbert/ AP

Öl im Wasser oberhalb des Lecks im Meeresboden


Aus einem seit 15 Jahren bestehenden Leck an einer Ölplattform vor der Küste des US-Bundesstaats Louisiana könnte bis zu 1500 Mal mehr Öl austreten als bisher bekannt. Ein neuer Bericht der US-Ozean- und Klimabehörde Noaa geht davon aus, dass täglich zwischen 1440 bis 17.000 Liter des Stoffs ins Wasser gelangen. Die große Spanne ist auf verschiedene Messmethoden zurückzuführen.

Hurrikan Ivan hatte die Plattform im Golf von Mexiko 2004 beschädigt. Nach dem Unglück hatte der Betreiber Taylor Energy 2008 einige der kaputten Rohre versiegelt und Kuppeln über drei der aufsteigenden Ölfahnen installiert. Die Firma ging bislang davon aus, dass das weiterhin ausweichende Öl aus Sedimenten im Boden austritt. Die Menge bezifferte sie mit 11,4 Litern am Tag.

Zum Vergleich: Folgt man der Schätzung von Taylor Energy, wären seit dem Sturm 62.000 Liter Öl ausgetreten. Laut Noaa wären es bis zu 95 Millionen Liter Öl. Das entspricht ungefähr einem Achtel der Menge Öl, die bei der verheerenden Katastrophe der Deepwater Horizon im Jahr 2010 ins Meer gelaufen ist. Die Ozeanbehörde geht daher nun davon, dass weiterhin Öl aus Bohrlöchern der Plattform austritt statt allein aus Sedimenten.

Forschungsschiff im Golf von Mexiko: Täglich bis zu 4.800 Liter Öl einsammeln
NOAA via AP

Forschungsschiff im Golf von Mexiko: Täglich bis zu 4.800 Liter Öl einsammeln

Noch offene Bohrlöcher versiegeln

Die drei Autoren der Noaa und der Universität Florida hatten den Ölgehalt im Wasser über akustische Tests und einem neu entwickelten "Bubblometer" untersucht. Letzteres erfasst Öl- und Gasblasen, die im Wasser aufsteigen. Laut dem Akustiktest gelangen täglich zwischen 1440 und 7500 Liter Öl ins Wasser. Das "Bubblometer" kommt auf etwa 3020 bis 17.000 Liter Öl pro Tag.

In früheren Untersuchungen hatten Forscher Proben von auf dem Meerwasser schwimmendem Öl genommen und daraus die austretende Menge errechnet. Oder sie hatten die Gegend mit Flugzeugen überflogen und von dort aus abgeschätzt, wie viel Öl ins Meer gelangt. Die Noaa weist darauf hin, dass die neuen Messungen noch nicht offiziell von der Regierung bestätigt sind.

Taylor Energy hat sein Geschäft mit Öl und Gas aufgegeben und existiert nach eigenen Angaben nur noch, um die Folgen der Ölpest abzuwickeln. Die Noaa fordert, dass die noch offenen Bohrlöcher versiegelt werden. Taylor Energy befürchtet jedoch, dass dadurch weiteres Öl austritt. Die US-Küstenwache betreibt seit dem Jahr 2018 ein Auffangsystem, das täglich bis zu 4.800 Liter Öl einsammeln kann.

jme/dpa

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blumotion 01.07.2019
1. Lifecycle Ölgewinnung
Wenn es um Elektromobilität geht, dann wird berechtigterweise immer der komplette Lifecycle betrachtet, insbesondere der Prozess der Lithium-Gewinnung, jedoch unberechtigterweise so getan, als wäre der Prozess der Erdölgewinnung ein sauberer etablierter Prozess. Dass dies nicht der Fall ist, zeigt dieser Bericht und stellt keine Ausnahme dar.
krustentier120 02.07.2019
2. Energiekosten
Wenn die Firmen, die fossile Energie fördern, die Kosten die sie an Unweltschäden verursachen tragen würden, würde sich ihr Geschäft nicht lohnen.
quark2@mailinator.com 02.07.2019
3.
Zitat von krustentier120Wenn die Firmen, die fossile Energie fördern, die Kosten die sie an Unweltschäden verursachen tragen würden, würde sich ihr Geschäft nicht lohnen.
Ich verstehe Ihre Grundidee, aber ich fürchte, der große ökonomische Nutzen der fossilen Energiewirtschaft erschließt sich nicht auf den ersten Blick. England ist seinerzeit auch wegen seiner Kohle zur weltweit dominierenden Macht aufgestiegen, ähnliches galt später für Deutschland mit der Ruhrkohle. Effiziente ökologische Alternativen gibt es überhaupt erst seit Mitte der 90er und selbst die werden natürlich zunächst mit fossiler Energie bzw. Kernenergie hergestellt. Hätten wir die Kohlenwasserstoffe im Boden gelassen, wären wir noch im Mittelalter. Selbst wenn wir die Rechnung nur über die Gegenwart machen würden - wir würden die Umweltkosten in den Ölpreis einrechnen und weitermachen. Es ging ja auch gar nicht anders, denn wenn wir alles abschaffen, was auf Kohle und Öl basiert ... reicht der Rest auch heute nicht für eine moderne Gesellschaft. Und ohne Kernkraft erst recht nicht. In 100 Jahren ist das vermutlich anders. Was ich aber sofort unterschreibe ist, daß man sich nicht auf die Schätzungen irgendwelcher Firmen verlassen darf. Das hier soviel Erdöl ins Meerwasser läuft, ohne das man es schon viel früher gemerkt hat, ...
blumotion 02.07.2019
4. England Vorreiter
Ja, das Vereinigte Königreich war bei der Kohleförderung Vorreiter mit den daraus entstandenen damaligen Errungenschaften. Aber das Vereinigte Königreich ist auch wieder Vorreiter durch derzeitige Tests sein ursprüngliches Stadtgasnetz (50% Wasserstoff und 50% Erdgas) wieder von 100% Erdgas auf Wasserstoff (der "grün" erzeugt wird) umzustellen, da sie die Nachteile der Kohlenwasserstoffe zur Energieerzeugung erkannt haben.
neanderspezi 03.07.2019
5. Beim Zerstören ist der Mensch eindeutig Meister in diesem Fach
Auch dieser mehr beiläufig aufgeführte Bericht zeigt, dass die Menschheit noch über eine ganze Reihe von Möglichkeiten verfügt, diesen ihr zur Verfügung stehenden Globus zumindest für sich selbst nachhaltig unbewohnbar zu machen. So tatkräftig wie sie dies in den letzten 100 Jahren zu Wege brachte, lässt erahnen, welches Zerstörungspotential ihr inzwischen in viel kürzerer Zeit noch zur Verfügung steht. Zunehmend perfektioniertes Zerstörungspotential abgetragen auf der Zeitachse würde sich dabei als extrem steile Exponentialkurve darstellen lassen. Es soll Politiker geben, die sich bemühen am Exponenten der Kurve infolge rein geschäftlicher Interessen regen Anteil zu nehmen, die aber statistische Beobachtungen als Teufelswerk ablehnen.
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