Golf von Mexiko Öl bedroht historische Schiffswracks

Gefährdete Kulturschätze: Piratenkähne, Handelsschiffe, U-Boote - das alles liegt am Grund des Golfs von Mexiko. Die Ölpest droht die kostbare Unterwasserarchäologie zu schädigen.

AP

Washington - Von vielen Schiffswracks auf dem Grund des Golfs von Mexiko weiß die Menschheit, weil Ölfirmen das Gebiet minutiös untersucht haben. Auf der Suche nach neuen Lagerstätten kartierten sie das Gebiet - und stießen dabei nicht selten auf wertvolle Fundstücke. Auch ferngesteuerte Roboter stießen bei der Arbeit an unterseeischen Ölanlagen immer wieder auf Wracks.

Nun bedroht die Ölpest nach dem Untergang der "Deepwater Horizon" diese Schätze am Grund des Ozeans; nicht nur Flora und Fauna des Gebiets sind betroffen. Problematisch sind vor allem die finsteren Schwaden unter Wasser. Nach Ansicht von Experten wie Steven Anthony, Chef der Maritime Archaeological and Historical Society, sorgt das Öl dafür, dass die Erforschung der Wracks behindert wird. Die großflächige Verschmutzung werde die Unterwasseroperationen vollständig stoppen. Wenn sich das Öl am Meeresboden sammle, dann könnten auch keine Taucher an den Wracks arbeiten.

Viele Wracks im Golf liegen freilich in Tiefen, die von Tauchern ohnehin nicht aufgesucht werden können. Doch auch sie könnten bedroht sein, fürchten Unterwasserarchäologen - vor allem wenn sie nahe an der Austrittsstelle des Öls liegen. Da ist zum Beispiel das sogenannte Mica-Wrack. Das knapp 20 Meter lange Schiff wurde im Februar 2001 bei Bauarbeiten für eine Exxon-Pipeline im nördlichen Golf von Mexiko entdeckt - in 807 Metern Tiefe. Der Zweimaster stammte aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Versenktes deutsches U-Boot in der Nähe der Unglücksstelle

Und nicht weit von ihm entfernt liegt das sogenannte Mardi-Gras-Wrack. Es wurde im Jahr 2002 in mehr als anderthalb Kilometern Tiefe vor der Küste von Louisiana aufgespürt, ebenfalls bei Pipeline-Arbeiten. Archäologen gehen davon aus, dass es sich entweder um einen Waffenschmuggler oder um einen britischen Händler aus dem Britisch-Amerikanischen-Krieg von 1812 handelt.

Und auch das gesunkene deutsche U-Boot U-166 liegt in unmittelbarer Nähe der gesunkenen Plattform "Deepwater Horizon". Es war im Sommer 1942 Teil der deutschen Offensive gegen Handelsschiffe vor der US-Küste ("Operation Paukenschlag"). Nachdem das Boot den amerikanischen Frachter "Robert E. Lee" versenkt hatte, war es am 30. Juli 1942 von Wasserbomben des US-Begleitschiffs "PC-556" getroffen worden.

Insgesamt hatten die deutschen U-Boote nach Statistiken des US-Mineral Management Service in den Jahren 1942 und 43 im Golf 56 Schiffe versenkt. Die "U-166" war der einzige Angreifer, der dabei in den Gewässern getroffen und zerstört wurde. Nun liegt sie auf 28 Grad 40 Minuten nördlicher Breite und 88 Grad 30 Minuten westlicher Länge, in ummittelbarer Nähe der sprudelnden Ölquelle am Grund des Golfs.

BP, die Firma, die Schuld an dem Umweltdesaster trägt, hatte auch mit dem Fund des deutschen Bootes zu tun. Zusammen mit dem Ölkonzern Shell hatte sich das Unternehmen im Jahr 2001 für den Bau einer Pipeline in dem Gebiet interessiert. Bei den Vorbereitungsarbeiten war "U 166" gefunden worden.

Vom Öl bedroht könnte auch ein weiteres militärisches Schiffswrack sein - im Gegensatz zum U-Boot wurde das aber ganz friedlich zum Meeresboden geschickt: Vor der Küste von Florida liegt der ehemalige Flugzeugträger "USS Oriskany". Er soll seit Mai 2006 ein künstliches Riff bilden, auf dem sich Korallen ansiedeln können. An den angrenzenden Stränden von Pensacola wurden nun auch Ölreste angeschwemmt.

chs/AP

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