Spektakuläre Karte des Meeresbodens Die neue Golfklasse

Präzise wie nie ist eine neue Unterwasserlandkarte des Golfs von Mexiko. US-Behörden haben sie veröffentlicht - dank Daten der Öl- und Gasindustrie. Sie ist in dem Gebiet extrem aktiv.

Detail der neuen Karte. Das Relief ist fünffach überhöht.
BOEM

Detail der neuen Karte. Das Relief ist fünffach überhöht.


Es heißt ja immer wieder, dass sich die Menschheit besser auf dem Mond auskenne als in der Tiefsee. Zumindest in Bezug auf den Meeresboden in den finsteren Tiefen des Golfs von Mexiko können Interessierte jetzt einige Wissenslücken schließen. Dabei hilft eine faszinierende neue bathymetrische Karte, die gerade vom Bureau of Ocean Energy Management veröffentlicht wurde.

Sie zeigt in beeindruckender Auflösung unterirdische Berge und Täler in dem insgesamt anderthalb Millionen Quadratkilometer großen Seegebiet. Die Karte selbst umfasst 350.000 Quadratkilometer. Die Auflösung liegt bei 150 Quadratmeter pro Pixel, insgesamt gibt es 1,4 Milliarden Datenpunkte.

Die Daten stammen von 15 Firmen der Öl- und Gasindustrie, die in der Gegend stets auf der Suche nach bisher ungenutzten, geologisch interessanten Formationen sind. Dafür genutzt wird das Messverfahren der 3D-Seismik. Dabei werden an möglichst vielen Stellen Schallwellen in den Grund geschickt und anschließend deren Brechung und Reflexion gemessen. Durch Zusammenfassung der Daten lassen sich geologisch interessante Strukturen im Boden finden - im Golf werden Öl und Gas auch jenseits von 3000 Meter Wassertiefe gefördert.

Weltweit bekannt geworden war diese Förderung spätestens im April 2010, als es auf der Plattform "Deepwater Horizon" etwa 60 Kilometer vor der US-Küste zu einer Katastrophe mit elf Todesopfern gekommen war - und zu einem ökologischen Desaster: Rund drei Monate lang schoss das Öl aus dem Bohrloch ins Meer. Große Mengen des Öls lagerten sich auf dem Meeresboden ab.

Neue Karte des Golfs von Mexiko
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Neue Karte des Golfs von Mexiko

Mehr als 27.000 aufgegebene Bohrlöcher gibt es heute am Grund des Golfs. Seine Geologie wird nicht zuletzt von riesigen untermeerischen Salzschichten geprägt. Sie sollen entstanden sein, als das Gebiet vor rund 200 Millionen Jahren keine Verbindung zu den Weltmeeren hatte.

Dennoch sei Meerwasser in großem Stil in die Gegend eingesickert und immer wieder verdunstet, so Experten. Dabei seien nach und nach die dicken Salzschichten entstanden, die sich heute unter dem Ozeanboden befinden.

Überdeckt wurde das Salz schließlich von dicken Lagen von Sedimenten, die über Flüsse wie den Mississippi in den Golf gebracht wurden und werden. Unter dem Druck der Sedimente und der Hitze im Untergrund verformte sich das Salz: Riesige Salzstöcke entstanden, der Grund des Golfs bekam seine charakteristische Gestalt. Die Bewegung des Salzes war es auch, die Öl und Gas den Weg in höhere Schichten des Meeresbodens ermöglichte.

chs



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Knossos 27.05.2017
1. Jagd auf Mehr
Im ersten Viertel von Links auf Bild 2 ist etwas zu sehen, das ausschaut wie eine quadratische Vertiefung. Vielleicht ein Abdruck des Stuhlbeins an Neptuns Küchentisch. Aber im Ernst: Solange einem geologischen Trottel wie mir nicht erklärt wird, was an pockiger Karte faszinierend sein soll, ... außer eben, daß Senken und Erhebungen sichtbar werden, die sonst nicht zu sehen sind ... Bleibt der Eindruck bestehen, daß es eher aufregend wäre, wenn Nichts auslassende Glücksritterfirmen davon abgehalten würden, zwecks Scheffeln in ihnen unverantwortlich überlassenem Dorado immer mehr Umweltkatastrophen herbeizuführen. Beim Gedanken an, allein schon durch 27000 abgebrochene Bohrungen umrissene, Umtriebe in der Gegend, wird mir unwohl. Risiken solchen Umfangs müssen geradezu zwangsläufig auf neue Ölpest hinauslaufen und weiterer Beitrag zum Umkippen der Meere werden. Würde vergleichbarer Aufwand darum betrieben, die globale Bevölkerungsexplosion einzudämmen (, statt etwa Deutschen weiszumachen, sie müßten ihre Demographie über Zuzug aus Asien und Afrika aufpäppeln, um wiederum den Reibach von Konzernen im bisherigen Umfang zu erhalten / weiter zu steigern), wäre mir deutlich wohler, als beim Anblick abgetasteten Meeresgrunds, dem es fraglos besser geht, solange er unserem Eingriff entzogen bleibt. Indes reicht es offenbar nicht, daß bereits gigantische Maschinerie eingesetzt wird, um Erze und Mineralien aus Biotopen um Schlote des Meeresgrunds herum zu zertrümmern und abzubaggern, also tote Flächen wie einst im Braunkohleabbau zu hinterlassen. Geologen, die solche Karte entzückt, ohne zu berücksichtigen, wozu sie erstellt wurde, können kaum mehr als Fachidioten sein. Möge ihnen jemand von bisher 90% verlorenem Fischbestand erzählen und vielleicht davon, wie einem Rückgang der Zirkulation zwischen Wasserschichten, Ausstoß von Schwefelwasserstoff und Methan folgt, der alles höhere Leben ausradieren kann. Ich bitte um Nachsicht für Spielverderben, doch scheint mir, es gäbe Faszinierenderes auf dieser Erde, als eine Jagd blinder Erdölmultis zu bewundern.
jhea 31.05.2017
2.
Zitat von KnossosIm ersten Viertel von Links auf Bild 2 ist etwas zu sehen, das ausschaut wie eine quadratische Vertiefung. Vielleicht ein Abdruck des Stuhlbeins an Neptuns Küchentisch. Aber im Ernst: Solange einem geologischen Trottel wie mir nicht erklärt wird, was an pockiger Karte faszinierend sein soll, ... außer eben, daß Senken und Erhebungen sichtbar werden, die sonst nicht zu sehen sind ... Bleibt der Eindruck bestehen, daß es eher aufregend wäre, wenn Nichts auslassende Glücksritterfirmen davon abgehalten würden, zwecks Scheffeln in ihnen unverantwortlich überlassenem Dorado immer mehr Umweltkatastrophen herbeizuführen. Beim Gedanken an, allein schon durch 27000 abgebrochene Bohrungen umrissene, Umtriebe in der Gegend, wird mir unwohl. Risiken solchen Umfangs müssen geradezu zwangsläufig auf neue Ölpest hinauslaufen und weiterer Beitrag zum Umkippen der Meere werden. Würde vergleichbarer Aufwand darum betrieben, die globale Bevölkerungsexplosion einzudämmen (, statt etwa Deutschen weiszumachen, sie müßten ihre Demographie über Zuzug aus Asien und Afrika aufpäppeln, um wiederum den Reibach von Konzernen im bisherigen Umfang zu erhalten / weiter zu steigern), wäre mir deutlich wohler, als beim Anblick abgetasteten Meeresgrunds, dem es fraglos besser geht, solange er unserem Eingriff entzogen bleibt. Indes reicht es offenbar nicht, daß bereits gigantische Maschinerie eingesetzt wird, um Erze und Mineralien aus Biotopen um Schlote des Meeresgrunds herum zu zertrümmern und abzubaggern, also tote Flächen wie einst im Braunkohleabbau zu hinterlassen. Geologen, die solche Karte entzückt, ohne zu berücksichtigen, wozu sie erstellt wurde, können kaum mehr als Fachidioten sein. Möge ihnen jemand von bisher 90% verlorenem Fischbestand erzählen und vielleicht davon, wie einem Rückgang der Zirkulation zwischen Wasserschichten, Ausstoß von Schwefelwasserstoff und Methan folgt, der alles höhere Leben ausradieren kann. Ich bitte um Nachsicht für Spielverderben, doch scheint mir, es gäbe Faszinierenderes auf dieser Erde, als eine Jagd blinder Erdölmultis zu bewundern.
Nur mal so aus Neugier... wie soll aus einem aufgebenen Ölbohrloch, bei dem kein Öl gefunden wurde (darum wurde es ja aufgegeben...) weil es da kein Öl gibt, dann eine Ölkatastrophe entstehen? Da werden halt Löcher in den Boden gebohrt? So what? Die bleiben da nicht offen. Die werden erst mit Zement ausgekleidet, dann kommt ein Verschluss oben drauf (das ding nennt sich Blowoutpreventer) und dann wird weiter gebohrt... Also haben wir da 27k Bohrlöcher, ohne Öl drunter, aber mit Blowoutpreventer oben drauf.. hui - ich seh schon wie die Delphine bald alle schwarz sind, und der Golf wieder richtig voll Öl ist...
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