Klimawandel Forscher finden Hinweise auf Abschwächung des Golfstroms

Wissenschaftler rücken den Golfstrom wieder in den Mittelpunkt der Klimadebatte. Ihre Studie zeigt: Die Meeresströmung verliert doch an Kraft.
Küste in Cornwall, England

Küste in Cornwall, England

Foto: Matt Cardy/ Getty Images

Der Golfstrom ist so etwas wie ein Fernheizsystem für Europa. Denn die warmen Meeresströmungen im Atlantik sorgen für angenehmes Wetter im Norden von Europa. Doch Forscher vermuten seit einiger Zeit, dass es nicht gut um den Golfstrom bestellt ist. Die düstersten Szenarien skizzierten sogar einen völligen Zusammenbruch der Gewässerbewegungen. Die Folgen für das nordeuropäische Klima könnten frostig sein.

Aber so ganz sicher ist man sich in der Klimaforschung selten, deshalb wird das Thema seit Langem diskutiert. Nun wollen Forscher neue Hinweise dafür gefunden haben, dass die Hypothese vom schwächer werdenden Golfstrom stimmt. Demnach hat er sich in den vergangenen Jahrzehnten bereits abgeschwächt.

Temperaturdaten der Meeresoberfläche zeigten, dass sich das Strömungssystem seit den Fünfzigerjahren um 15 Prozent verlangsamt habe, erklärte das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Dies bestätige Prognosen durch Simulationen.

Golfstrom

Golfstrom

Foto: Der Spiegel

Das von einer PIK-Expertin angeführte Team analysierte demnach Messreihen mit Daten der Wassertemperatur und stieß dabei auf charakteristische Muster, welche die theoretischen Annahmen aus den Modellen bestätigten. "Es ist praktisch wie ein Fingerabdruck einer Abschwächung dieser Meeresströmungen", so Leitautorin Levke Caesar. Beispielsweise kühle sich der Atlantische Ozean südlich von Grönland ab, während er sich vor der US-Ostküste erwärme.

Die Ursachen für die Abschwächung könnten nach Einschätzung der Wissenschaftler, die ihre Erkenntnisse in der Fachzeitschrift "Nature"  veröffentlichten, auf den durch Menschen verursachten Klimawandel zurückzuführen sein. Das Abschmelzen von Arktiseis, stärkere Regenfälle und höhere Temperaturen beeinflussten den Salzgehalt und die Dichte des Wassers. Da Dichteunterschiede die Zirkulation antreiben, hat dies Auswirkungen auf die Strömungen.

Der Golfstrom bringt wärmeres Wasser aus dem subtropischen Süden wie ein gigantisches Förderband quer über den Atlantik bis an die Küsten Europas und nach Grönland. Die mit ihm verbundenen Temperaturmuster der Meeresoberfläche haben enormen Einfluss auf das Wetter. Änderungen können daher weitreichende Folgen haben.

Seit Langem wird in Wissenschaftlerkreisen auch diskutiert, ob der Golfstrom in Folge des Klimawandels ganz versiegen könnte. Das Szenario gilt als eines der sogenannten Kippelemente, die unumkehrbare, sich selbst weiter verstärkende globale Trends mit drastischen Konsequenzen auslösen könnten. Mit der Entwicklung des Strömungssystems in der Zukunft befassten sich die Forscher um die Experten des PIK in ihrer Untersuchung allerdings nicht.

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joe/dpa