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12. November 2018, 10:12 Uhr

Grand Canyon

Studenten finden 310 Millionen Jahre alte Fußspuren

Auf einem Felsbrocken im Grand-Canyon-Nationalpark hat ein Geologe mit seinen Studenten 28 Trittspuren entdeckt. Sie sind mehrere Hundert Millionen Jahre alt - und stammen wohl von einer reptilienähnlichen Kreatur.

Bei einer Wanderung im Grand-Canyon-Nationalpark in den USA hat ein Forscher mit seinen Studenten uralte Trittspuren von einem Tier entdeckt. Die 28 Einkerbungen waren auf einem auf den Weg gestürzten Felsbrocken zu sehen. Sie sind offenbar vor 310 Millionen Jahren entstanden.

Das Alter solcher Funde wird üblicherweise über die Datierung der Gesteinsschicht bestimmt, in der sie entdeckt wurden. Von welchem Tier die Spuren stammen, ist dagegen noch unklar.

Der Geologe Stephen Rowland, der die Spuren nicht entdeckt, aber untersucht hat, glaubt, dass sie einer Art Reptil zuzuordnen sind. Es sei denkbar, dass die Art noch gar nicht entdeckt sei, sagte er beim Jahrestreffen der amerikanischen Gesellschaft für Wirbeltier-Paläontologie.

Leben vor der Zeit der Dinosaurier

Eines steht aber fest: "Für Reptilienspuren sind die Abdrücke wirklich alt", so der Forscher, der an der University of Nevada in Las Vegas arbeitet. Man müsse sich vergegenwärtigen, dass sie aus einer Zeit stammten, als sich der letzte Superkontinent der Erde, Pangaea, gerade formte.

Die Gegebenheiten auf der Erde waren damals kaum mit heutigen Verhältnissen zu vergleichen. Wirbeltiere waren, in evolutionären Maßstäben, erst kurz vorher überhaupt an Land gegangen - vor etwa 416 bis 359 Millionen Jahren. Und die Dinosaurier entwickelten sich frühsten vor etwa 245 Millionen Jahren.

Rätselhaftes Schrittmuster

Besonders wunderte sich Rowland über das Schrittmuster auf dem Stein. Es sehe aus, als sei das Tier seitlich gelaufen. Dann habe er überlegt, ob stattdessen möglicherweise zwei Tiere nebeneinander hergewandert waren. "Das würde man bei echsenähnlichen Spezies aber kaum erwarten. Es machte alles keinen Sinn."

Also fertigte Rowland exakte Zeichnungen der Spuren an und entwarf mehrere Hypothesen über den "seltsamen Line-Dance-Gang". Ein Grund für die seitliche Bewegung könne demnach sein, dass das Tier bei starkem Seitenwind unterwegs war, sagte er. Vorstellbar sei auch, dass es versucht hat, eine sehr steile Sanddüne hinaufzuklettern oder an einem Kampf oder einem Paarungsritual beteiligt war.

"Ich bin nicht sicher, ob wir uns jemals eindeutig auf eine Variante festlegen können", sagt Rowland. Im Januar will er seine Erkenntnisse in einem wissenschaftlichen Fachmagazin veröffentlichen.

jme

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