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22. Dezember 2015, 14:55 Uhr

Trotz Protest

Regierung erlaubt Kohlehafen am Great Barrier Reef

In der Nähe des Great Barrier Reefs soll in großem Maßstab Kohle verschifft werden. Trotz Protesten hat die Regierung abgesegnet, dafür einen Hafen auszubauen. Australiens Umweltminister schwärmt sogar von einem positiven Klimaeffekt.

Die australische Regierung hat grünes Licht für den umstrittenen Ausbau eines Kohlehafens vor dem Great Barrier Reef gegeben. Das Projekt Abbot Point sei unter 30 Auflagen genehmigt worden, teilte eine Sprecherin des Umweltministeriums mit. 1,1 Millionen Kubikmeter Schlamm müssen für das Projekt ausgehoben und an Land deponiert werden.

Die indische Firma Adani baut im Staat Queensland eine der größten Kohleminen der Welt. Um diese Kohle zu verschiffen, soll der Hafen von Abbot Point ausgebaut werden. Ursprünglichen Plänen zufolge sollten dafür sogar drei Millionen Kubikmeter Schlamm ausgehoben und in der Nähe des Great Barrier Reef versenkt werden. Diese Pläne wurden nach Protest von Umweltschützern geändert.

"Der gesamte Aushub wird an Land auf existierendem Industriegebiet deponiert", sagte die Sprecherin des Umweltministeriums. Nichts davon werde im Weltnaturerbe-Gebiet um das Great Barrier Reef landen. Der Hafen sei mindestens 20 Kilometer von dem berühmten Korallenriff entfernt; das Riff werde nicht beschädigt.

"Gute australische Kohle"

Umweltminister Greg Hunt sagte dem Radiosender ABC, es sei ein gutes Gefühl, dass künftig gute australische Kohle zur indischen Stromerzeugung dienen werde, und nicht Kohle minderer Qualität. Wenn Indien keine australische Kohle verbrennen würde, sondern andere, "dann würden die Emissionen hochgehen, nicht runter". Der Klimaeffekt sei also positiv.

Die Betreiberfirma Adani aus Indien äußerte sich erfreut. Sie will 16,5 Milliarden australische Dollar (knapp 11,1 Milliarden Euro) investieren. Die Mine soll jährlich 60 Millionen Tonnen Kohle abwerfen. Damit wäre sie nach Regierungsangaben die größte in Australien und eine der größten weltweit. Adani wies darauf hin, dass der Abbau der Kohle in Queensland für 10.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze sorge und dem Bundesstaat Milliarden an Steuern und Gebühren einbringen werde.

"Unverantwortlich, unlogisch und unnötig"

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte die Entscheidung als "unverantwortlich, unlogisch und unnötig". Adani habe die 16 Milliarden Dollar gar nicht, niemand werde dem Unternehmen diese Summe leihen, und der Preis für Kohle gehe sowieso baden. Sogar die Internationale Energieagentur stelle das Projekt infrage.

Die Naturschutzorganisation WWF erinnerte daran, dass die Gewässer rund um Abbot Point Lebensraum für Seekühe, Meeresschildkröten und den Stupsfinnendelfin seien. Es sei enttäuschend, dass der Umweltminister das Projekt trotz der zu erwartenden Schäden genehmigt habe.

wbr/jme/AFP

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