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27. Mai 2016, 15:13 Uhr

Klimawandel

Australien streicht Schäden am Great Barrier Reef aus Uno-Bericht

Das Great Barrier Reef ist vom Klimawandel bedroht, wollte die Uno berichten. Doch Australien ließ die Passage streichen. Auch andere Touristenattraktionen des Landes kommen in der Veröffentlichung nicht vor.

Nach einer Intervention Australiens sind Passagen zum Great Barrier Reef aus einem Uno-Bericht entfernt worden. "Als Wissenschaftler bin ich verärgert, als Australier angewidert", erklärt Will Steffen, Chef des australischen unabhängigen Klimarats.

Er hatte die entsprechenden Textstellen in dem unter anderem von der Uno-Kulturorganisation Unesco veröffentlichten Bericht "Weltnaturerbe und Tourismus bei wandelndem Klima" auf Richtigkeit gegengelesen. "Ich war einer der Wissenschaftler, die sie (Anm. d. Red: die Regierung) zum Schweigen zu bringen versuchen."

Das Umweltministerium in Canberra bestätigte in einer E-Mail: "Das Ministerium hat deutlich gemacht, dass es die Erwähnung der australischen Weltnaturerbestätten in einem solchen Bericht nicht schätzt." Die Vorbehalte seien durch den australischen Botschafter an die Unesco übermittelt worden. Die Erfahrung zeige, dass negative Kommentare über den Status von Weltnaturerbestätten Einfluss auf den Tourismus haben. In dem Uno-Bericht fehlen auch andere australische Touristenattraktionen.

Der britische "Guardian" veröffentlichte ein Kapitel, das nach Informationen der Zeitung für den Bericht vorgesehen war. "Klimawandel ist die wichtigste langfristige Bedrohung für die Unversehrtheit und Artenvielfalt am größten Korallenriff der Welt", beginnt der Artikel. Später werden steigende Temperaturen im Meer, der Meeresspiegelanstieg, sich verändernde Wetterbedingungen und Ozeanversauerung als konkrete Bedrohungen genannt.

Korallenbleiche betrifft fast das gesamte Riff

Das größte Korallenriff der Welt erlebt gerade eine verheerende Korallenbleiche. Das liegt unter anderem am Wetterphänomen El Niño, das die Wassertemperaturen in der Region stark steigen ließ. Bei zu hohen Temperaturen produzieren die Algen, die die Korallen normalerweise mit Nährstoffen versorgen, ein Gift. Die Korallen stoßen die Algen ab, verkalken und werden weiß.

Von einer milden Bleiche können sich die Nesseltiere wieder erholen, sobald die Wassertemperatur sinkt. Im April berichteten Forscher 93 Prozent der Korallenbänke seien derzeit von der Bleiche betroffen. Wie viele absterben werden, ist unklar.

Meeresbiologen machen seit Jahren darauf aufmerksam, dass der Klimawandel das Riff zusätzlich zu allen anderen Bedrohungen durch Fischerei, Schifffahrt und Meeresverschmutzung schwächt. Das Great Barrier Reef ist eine der wichtigsten Touristenattraktionen Australiens und zieht im Jahr Millionen Touristen an.

jme/dpa

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