Gefährdetes Weltnaturerbe Australien blockiert offenbar Unesco-Vorstoß zum Great Barrier Reef

Soll das größte Korallenriff der Welt als gefährdet eingestuft werden? Australien sperrt sich vehement gegen diesen Plan. Nun versuchte es die Regierung mit einem neuen Trick – und scheiterte. Zumindest ein bisschen.
Fische und Korallen am Great Barrier Reef

Fische und Korallen am Great Barrier Reef

Foto: HO/ AFP

Dem Great Barrier Reef geht es schlecht, sehr schlecht sogar. So sieht das auch die australische Regierung in einem Bericht. Das größte Korallenriff der Welt hat innerhalb von gut zwei Jahrzehnten mehr als die Hälfte seiner Korallen verloren. Insgesamt, so eine andere Studie, waren sogar 98 Prozent der Korallen seit 1998 von einer Bleiche betroffen. Entscheidend verantwortlich dafür ist der vom Menschen verursachte Klimawandel und die damit einhergehende Erwärmung der Meere (lesen Sie hier, was das konkret bedeutet).

Trotzdem sperrt sich Australien seit Jahren dagegen, dass das 2300 Kilometer lange und aus 2500 einzelnen Riffen bestehende Gebiet als gefährdet eingestuft wird. Damit würde es auf eine Rote Liste bei der Unesco, der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur, rutschen, auf der bedrohtes Welterbe aufgeführt wird. Für die Regierung in Canberra wäre das offenbar ein zu großer Gesichtsverlust. Man befürchtet, allein an den Pranger gestellt zu werden, für ein Problem, mit dem die ganze Welt zu tun hat.

Australiens Klimapolitik ist von Umweltschützern allerdings immer wieder massiv kritisiert worden. Das Land ist einer der wichtigsten Kohle- und Gasexporteure der Welt und hatte sich lange gegen ein festes Datum für die Null-Emissions-Marke gewehrt. Kürzlich hat die Regierung das Jahr 2050 als Ziel ausgegeben – an Schwerindustrie und Rohstoffabbau will man jedoch trotzdem festhalten.

Nun beklagt eine Gruppe von Staaten, zu denen auch Deutschland gehört, Australien habe einen Uno-Prozess blockieren wollen, durch den das Riff doch auf der Roten Liste der Unesco landen könnte. Australien dagegen fürchtet nach eigenem Bekunden vor allem, dass es die Negativ-Einstufung dauerhaft nicht loswerden würde. Zum Streit kam es beim Vertragsstaatentreffen der Welterbekonvention in Paris, wie der britische »Guardian« berichtet . Australien habe darauf verwiesen, dass nicht ein Staat allein eine Lösung für eine gefährdete Welterbestätte wie das Riff herbeiführen könne. Man habe es mit globalen Entwicklungen zu tun, die globales Handeln erforderten, so der Diplomat James Larsen. Und überhaupt: Sei man einmal auf der Roten Liste gelandet, habe man keine Chance, von dort wieder wegzukommen. Das sei nicht in Ordnung.

Expertengruppe reist zum Riff

Normalerweise wird der internationale Klimaschutz bei den jährlichen Weltklimagipfeln mehr oder weniger vorangebracht, von denen der bisher letzte kürzlich im schottischen Glasgow zu Ende ging. Doch auch bei der Unesco gibt es eine Arbeitsgruppe zum Thema. Australien setzte sich – zusammen mit Japan und Polen – dafür ein, dass vor weiteren Entscheidungen zum Welterbe erst deren Ergebnisse abgewartet werden müssten. Eine Einstufung des Riffs als gefährdet wäre so wohl vorerst nicht möglich gewesen.

Das wiederum fand Norwegen »höchst unangemessen«. Auch Staaten wie Iran, China, Frankreich, Russland und Deutschland sprachen sich gegen den australischen Vorschlag aus, der abgeschmettert wurde. Eine Einstufung des Riffes als gefährdet gab es trotzdem auch dieses Mal nicht. Darüber wird einmal mehr beim nächsten Treffen des Welterbekomitees im kommenden Jahr in Russland gesprochen. Zuvor sollen sich Experten noch einmal das Riff im Detail ansehen.

chs