Korallenbleiche Great Barrier Reef schwerer beschädigt als befürchtet

Das größte Korallenriff der Welt vor der australischen Küste leidet erheblich unter veränderten Umweltbedingungen. Wissenschaftler belegten nun das historische Ausmaß der Zerstörung.
Sieht aus wie ein Schlachtfeld: Tote Korallenriffe vor der australischen Küste

Sieht aus wie ein Schlachtfeld: Tote Korallenriffe vor der australischen Küste

Foto: Kyodo News / Getty Images

Das australische Great Barrier Reef erlebt die schlimmste Bleiche seiner Geschichte. Darauf weisen neue Luftaufnahmen von Wissenschaftlern der James Cook Universität hin. "Es ist das erste Mal, dass eine schwere Bleiche alle drei Regionen des Riffs erfasst hat - die nördliche, die zentrale und jetzt auch weite Teile des südlichen Sektors", sagte der federführende Korallenexperte Terry Hughes.

Die aktuelle Korallenbleiche vor der australischen Küste ist laut der Untersuchung schwerer und größer als andere Bleichen in der Vergangenheit. Wissenschaftler hatten mit im März entstandenen Luftaufnahmen etwa tausend Riffs an der Nordostküste des Kontinents analysiert.

Das Great Barrier Reef ist rund 2300 Kilometer lang und umfasst eine Fläche so groß wie ganz Deutschland. Die Korallen leiden seit Jahren unter veränderten Umweltbedingungen wie dem Anstieg der Wassertemperatur und der Versauerung des Meerwassers. Das Riff hat laut den Forschern wahrscheinlich noch nie eine Temperatur- und pH-Wert-Veränderung in derartiger Geschwindigkeit erlebt.

Nach Angaben des australischen Wetteramts hat das größte Korallenriff der Welt erst in diesem Februar - was die Wasseroberfläche angeht - den wärmsten Monat seit dem Jahr 1900 hinter sich. Einer Studie zufolge war 2019 das Jahr mit der höchsten Wassertemperatur, die seit Beginn der Messungen im Ozean registriert wurde.

Langsames Sterben

Bei Korallen führt der Wärmestress normalerweise zum Tod. In der Vergangenheit haben sie sich möglicherweise nach dem Abkühlen des Wassers wieder erholt, was allerdings 10 bis 15 Jahre dauern kann. Korallen sind Nesseltiere, die mit Algen in einer Gemeinschaft zum gegenseitigen Nutzen leben. Bei hohen Temperaturen werden die Algen giftig, die Korallen stoßen sie ab und verlieren ihre Farbe, was zum Tod der Korallen führen kann.

Das einzigartige Riff ist seit Jahren bedroht. Bereits 2017 hatte das Forscherteam um Terry Hughes Luftaufnahmen angefertigt und vor massiven Schäden am Riff gewarnt. Demnach wurden allein zwischen März und November 2016 insgesamt 30 Prozent der Korallen zerstört. Die Forscher hatten fast 800 Korallenriffe untersucht. Sie warnten, die betroffenen Gebiete hätten so gut wie keine Chance mehr, sich wieder zu erholen.

Insgesamt sind 2016 und 2017 die Hälfte der Korallen abgestorben, nachdem sich die Meerestemperaturen erhöht hatten. Das erste Mal wurde das Phänomen 1998 festgestellt.

Vor einigen Monaten warnte die Great Barrier Reef Marine Park Authority (GBRMPA), dass das Korallenriff seinen Status als Unesco-Welterbe verlieren könnte.

Die Vereinten Nationen haben in der Vergangenheit immer wieder davor gewarnt, dass 90 Prozent aller Korallen auf der Welt absterben könnten, wenn die globalen Temperaturen um 1,5 Grad Celsius steigen.

sug/dpa