Wegen Umweltproblemen Unesco will Great Barrier Reef als gefährdet einstufen

Seit 40 Jahren gehört das Barrier Reef zum Weltnaturerbe. Doch wegen fortschreitender Umweltprobleme könnte es den Titel verlieren. Zwischen der Unesco und Australien ist deswegen Streit ausgebrochen.
Luftaufnahme des Great Barrier Reefs (Archivbild)

Luftaufnahme des Great Barrier Reefs (Archivbild)

Foto: AFP/ AIMS

Das 2300 Kilometer lange und aus 2500 einzelnen Riffen bestehende Gebiet des Great Barrier Reef beherbergt eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt unter Wasser. Die Unesco, die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur, hatte das Areal daher schon im Jahr 1981 zum Weltnaturerbe erklärt. Der Klimawandel und die damit einhergehende Erwärmung der Meere führen allerdings seit Jahren zu einem wiederholten Ausbleichen der Korallen (lesen Sie hier, was das konkret bedeutet).

Deswegen befasst sich die Unesco seit Jahren mit der Frage, ob das Riff auf eine Liste gefährdeter Welterbestätten  gehört. Dort finden sich bereits 53 Standorte in der gesamten Welt, unter anderem die Nationalparks am Turkana-See in Kenia, die durch einen Staudamm bedroht sind, oder das Wildreservat Selous in Tansania, in dem Wilderer beinahe den gesamten Tierbestand getötet haben.

In einem am Montag veröffentlichten Bericht hat sich das Welterbekomitee nun »zutiefst besorgt« über den Zustand des Great Barrier Reef gezeigt. Die langfristigen Aussichten des Ökosystems im Riff hätten sich »von schlecht zu sehr schlecht« entwickelt. Damit droht ein Eintrag auf der Roten Liste.

Eine Einstufung als gefährdetes Welterbe der Unesco gilt dabei nicht als Sanktion. Laut der Organisation lassen manche Länder ihre Welterbestätte sogar absichtlich auf die Liste des gefährdeten Erbes setzen, um internationale Hilfe anzuwerben. Andere Länder sehen die Einstufung dagegen als ehrverletzend. Dazu gehört Australien, das seit Jahren gegen entsprechende Pläne der Organisation kämpft.

Australien ist ein wichtiger Exporteur von Kohle und Gas. Bei den internationalen Klimaverhandlungen tritt das Land eher als Bremser auf, die Klimaziele wurden seit 2015 nicht nachgeschärft. Auch eine Selbstverpflichtung zur angestrebten Klimaneutralität bis 2050 gibt es nicht.

Australische Regierung mit massivem Widerstand

Die australische Regierung hat auch jetzt Widerstand gegen die drohende Einstufung des Great Barrier Reef als gefährdetes Weltnaturerbe angekündigt. Umweltministerin Sussan Ley erklärte, das Welterbekomitee habe nicht die Milliarden von Dollar berücksichtigt, die Australien bereits zum Schutz des weltgrößten Korallenriffs ausgegeben habe.

Es sei zudem »erschreckend«, dass die Mitglieder des Welterbekomitees ihre Entscheidung im Vorfeld nicht angekündigt hätten, so Ley. Sie habe Unesco-Generalsekretärin Audrey Azoulay in einem Telefonat ihre »große Enttäuschung und Fassungslosigkeit« mitgeteilt. Allerdings hatte 2019 selbst ein Bericht der australischen Regierung die Verschlechterung des Zustandes von »schlecht« zu »sehr schlecht« eingeräumt. Laut einer Studie aus dem vergangenen Jahr hat das Riff innerhalb von gut zwei Jahrzehnten mehr als die Hälfte seiner Korallen verloren.

Eine Entscheidung über die Einstufung des Riffs könnte die Unesco auf einem Treffen in China im kommenden Monat treffen.

chs/AFP
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