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10. April 2017, 11:55 Uhr

Great Barrier Reef

"Null Aussicht auf Erholung"

Das einst so bunte größte Korallenriff der Welt droht, für immer zu verblassen. Nach der Korallenbleiche im vergangenen Jahr hat es diesmal die Mitte des Riffs getroffen. Forscher warnen, das Ökosystem könnte für immer zerstört sein.

Das Korallensterben am australischen Great Barrier Reef geht weiter: Eine außergewöhnlich starke Korallenbleiche in diesem und im vergangen Jahr hat zwei Drittel des Korallenriffs beschädigt, wie eine Bestandsaufnahme aus der Luft zeigt. Australische Forscher hatten fast 800 Korallenriffe über eine Länge von 8000 Kilometer untersucht. Sie warnen, die betroffenen Gebiete hätten so gut wie keine Chance mehr, sich wieder zu erholen.

Im vergangenen Jahr waren in erster Linie die nördlichen Gebiete des Great Barrier Reefs betroffen, in diesem Jahr zeigte das mittlere Drittel die schwersten Schäden. Allein der südliche Teil sei noch unberührt, sagte der Meeresbiologe James Kerry von der James Cook University. Insgesamt seien 1500 Kilometer des mit 2300 Kilometern Länge größten Ökosystems der Welt betroffen.

Die Korallenbleiche führe nicht unweigerlich zum Absterben der Korallen, sagte Kerry. Doch selbst schnell wachsende Korallen benötigten mindestens ein Jahrzehnt, um sich komplett zu erholen - für die Teile des Riffs, die dem Phänomen nun schon zwei Mal binnen zwölf Monaten ausgesetzt seien, bedeute dies "null Aussicht auf Erholung".

Korallen sind sensible Organismen, die nur in bestimmten Temperaturbereichen existieren können. Sie gehen eine Symbiose mit bestimmten einzelligen Algen ein - von ihnen erhalten sie auch ihre Färbung. Nimmt die Wassertemperatur zu, stoßen die Korallen die Algen ab und verlieren damit auch ihre Farbe. Dauert diese Situation zu lange an, sterben die Korallen vollständig ab. Bei kühleren Wassertemperaturen können sich die lebensnotwendigen Algen aber wieder in den Korallen ansiedeln. Wie hoch der Schaden wirklich ist, wird sich deshalb erst in den kommenden Jahren zeigen.

"Es bleibt nicht viel Zeit"

Nach Angaben des Korallen-Experten Terry Hughes ist vor allem der Klimawandel und die damit verbundene Erwärmung der Ozeane für die jüngste Korallenbleiche verantwortlich. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr hingen die hohen Wassertemperaturen dieses Mal nicht mit dem Wetterphänomen El Niño zusammen, fügte Hughes hinzu. Er warnte, weiter steigende Temperaturen könnten das Phänomen noch verschärfen. Auch der Wirbelsturm Debbie, der vor gut zwei Wochen an Australiens Küste wütete, habe zu den Schäden beigetragen.

"Das Riff hat offensichtlich gegen verschiedenste Umwelteinflüsse zu kämpfen. Am akutesten ist aber zweifellos der Klimawandel", erklärte Hughes. Schon der weltweite Anstieg der Temperaturen um ein Grad Celsius habe zu vier Bleichen binnen 19 Jahren geführt, jede weitere Erwärmung werde den Prozess beschleunigen. Ohne einen globalen weltweiten Abbau von Treibhausgasen sei dies aber nicht möglich, sagte Hughes. Es bleibe nicht mehr viel Zeit, mahnte er.

koe/AFP

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