Greenpeace-Aktion Tote Wale am Brandenburger Tor

Mit 17 toten Walen und Delfinen hat Greenpeace in Berlin für den weltweiten Schutz der Meeressäuger demonstriert. Die Umweltschutzorganisation forderte die deutsche Regierung auf, beim Treffen der Walfangkommission für die Tiere zu kämpfen.


Berlin - Auf dem Pariser Platz roch es wie in einem Fischmarkt. 17 tote Meeressäuger hatte Greenpeace auf einem 25 Meter langen Podest aufgebahrt. Die Aktion stand unter dem Motto "Leben ist kein Abfall". Passanten, zumeist Touristen, beobachteten den Protest der Umweltschützer mit Neugier, manche zeigten sich auch angewidert. Die Tiere, darunter ein Pilotwal, ein Schnabelwal und ein Weißseitendelfin, waren in den vergangenen Monaten tot an europäischen Stränden angeschwemmt und von Greenpeace geborgen worden. Einige zeigen deutliche Spuren von Fischernetzen - ein Zeichen dafür, dass sie vermutlich in Netzen ertrunken sind. Andere Wale weisen Verletzungen durch Schiffsschrauben auf.

"Wale werden wie Abfall behandelt", kritisierte die Greenpeace-Meeresbiologin Stefanie Werner. Die 17 bei der Aktion in Berlin ausgestellten Tiere stünden stellvertretend für die 17 Wale und Delfine, die weltweit alle 30 Minuten als Beifang in Fischernetzen ertränken.

Greenpeace forderte die Bundesregierung auf, in Europa beim Schutz der Wale eine Vorreiterrolle einzunehmen. Auf der in einer Woche beginnenden Haupttagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Anchorage im US-Bundesstaat Alaska müsse sich Berlin für einen umfassenden Schutz aller Wale einsetzen. Alle Gefahren, denen die Tiere ausgesetzt sind, müssten auf der IWC Gegenstand der Verhandlungen sein. Werner sagte, wenn sich die IWC nur mit der Jagd beschäftige, greife dies zu kurz. "Es ist an der Zeit, dass die Tiere umfassend geschützt werden."

Fang offiziell verboten

In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der gejagten großen Wale fast verdoppelt: In der Fangsaison 2000/2001 wurden 1015 Tiere gezählt, 2005/2006 bereits 1921. Dies teilte die Umweltschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) mit, die über alle offiziell von den IWC-Mitgliedern gejagten Großwale Buch führt.

Seit 1986 verbietet ein Moratorium der IWC eigentlich die kommerzielle Jagd auf Wale. Bereits 1982 hatten sich die Mitgliedstaaten zum Schutz der Bestände darauf geeinigt, vier Jahre später trat das Verbot in Kraft. Ausnahmen gibt es lediglich für wissenschaftlichen Walfang und für einige Völker in der Nordpolarregion, für die Wale ein wichtiger Bestandteil der Nahrung sind.

Island und Norwegen fühlen sich wegen offiziell angemeldeter Vorbehalte jedoch nicht an das Moratorium gebunden. Japan nutzt ein Schlupfloch der Vereinbarung, die Walfang zu Forschungszwecken erlaubt. Teil der vorgeblich wissenschaftlichen japanischen Fangflotte ist allerdings ein Fabrikschiff, das nach Darstellung der Umweltorganisation Greenpeace noch an Bord handelsfertig konfektionierte Walfleischpackungen produziert.

Trickreiche Auslegung des Moratoriums

Alle drei Länder halten aus Prinzip am Walfang fest, nicht etwa aus wirtschaftlichen Gründen. Tatsächlich ist die Jagd auf die Riesen der Meere meist ein schlechtes Geschäft. Norwegische Walfänger ließen im vergangenen Jahr die Fangquote von 1052 Zwergwalen zu mehr als einem Drittel ungenutzt, weil die große Entfernung zu den Fanggründen im Nordpolarmeer die Kosten in die Höhe trieb.

Auf Island lagert nach Informationen des Internationalen Tierschutzfonds (IFAW) das Fleisch von sieben harpunierten Finnwalen unverkauft in Kühlhäusern. Und Japan hat eigens eine Vermarktungsgesellschaft gegründet, die Walfleisch unter anderem Krankenhausküchen und Schulkantinen schmackhaft machen soll.

Dennoch will Japan den Walfang weiter ausdehnen. Das Land argumentiert seit langem, dass die IWC eine Walfang- und keine Walschutzorganisation sei, die nach ihrer Gründungscharta die Aufgabe habe, eine nachhaltige Nutzung der Bestände zu regulieren.

Die IWC wurde 1946 gegründet. Sie ist tatsächlich primär keine Organisation zum Schutz der Tiere. Ursprünglich sollte sie vielmehr Fangquoten festlegen, die den Bestand der Großwale nicht gefährden und den Walfang damit langfristig sichern. Heute stehen sich Gegner und Befürworter des Walfangs in der IWC unversöhnlich gegenüber. Japan fordert eine "Normalisierung" der Kommission, damit sie sich wieder auf ihre ursprüngliche Aufgabe konzentrieren solle und nicht so stark auf den Walschutz. Die IWC zählt derzeit 73 Mitgliedstaaten, darunter auch küstenlose Länder wie die Schweiz.

hda/AFP/AP/dpa



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