Welthunger Nobelpreisträger kritisieren Greenpeace-Kampf gegen Gen-Reis

Hundert Nobelpreisträger haben Greenpeace dazu aufgerufen, Kampagnen gegen gentechnisch veränderten Reis zu überdenken. Dieser sei wichtig, um den Hunger in der Welt zu bekämpfen.

Der Goldene Reis (rechts) enthält Beta-Karotin, aus dem der Körper Vitamin A gewinnt
REUTERS

Der Goldene Reis (rechts) enthält Beta-Karotin, aus dem der Körper Vitamin A gewinnt


Mehr als hundert Nobelpreisträger haben sich in einem offenen Brief zur Gentechnik-Debatte frontal gegen die Umweltschutzorganisation Greenpeace gestellt. Greenpeace stehe an der Spitze von Organisationen, die aus grundsätzlicher Opposition gegen Genmanipulation auch Produkte wie den mit Vitamin A angereicherten Goldenen Reis ablehnten, heißt es in dem Schreiben, das an alle Regierungen der Welt und an die Uno gerichtet ist.

Im Gegensatz zu herkömmlichem Reis bildet Goldener Reis Beta-Karotin in seinen Körnern. Der Stoff ist normalerweise zum Beispiel in Karotten enthalten, aus ihm gewinnt der Körper Vitamin A.

"Wir wissen inzwischen, dass die gentechnisch veränderten Reispflanzen sicher sind", sagte Richard Roberts bei einer Pressekonferenz in Washington. "Die Methode an sich führt nicht zwangsläufig zu etwas Schlechtem."

Roberts hat 1993 den Medizin-Nobelpreis erhalten. Heute arbeitet er bei der Biotechnologie-Firma New England Biolabs, wo er Enzyme erforscht. Zu den Unterzeichnern des offenen Briefes gehören auch die deutschen Nobelpreisträger für Medizin Harald zur Hausen, Erwin Neher und Christiane Nüsslein-Volhard.

Wissenschaft vor Meinung

Der Appell der Nobelpreisträger bezieht sich auf einen Aufruf der Uno-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO), nach dem im Kampf gegen Hunger die globale Produktion von Nahrungsmitteln bis 2050 verdoppelt werden muss.

Greenpeace und gleichgesinnte Organisationen sollten vor diesem Hintergrund "die Erkenntnisse zuverlässiger wissenschaftlicher Einrichtungen anerkennen" und ihre "Kampagne" gegen gentechnisch veränderte Organismen im Allgemeinen sowie gegen Goldenen Reis insbesondere aufgeben, heißt es im Aufruf der Nobelpreisträger. Die Regierungen rund um die Welt sollten alles unternehmen, um den Bauern die "Werkzeuge der modernen Biologie" zur Verfügung zu stellen.

Der Goldene Reis könne dazu beitragen, bei 250 Millionen Menschen Krankheit oder Tod durch Vitamin-A-Mangel zu bekämpfen, argumentieren die Forscher. Wissenschaftliche Gremien hätten weltweit "wiederholt und stimmig" aufgezeigt, dass gentechnisch veränderte Nahrungsmittel mindestens ebenso sicher seien wie die aus anderen Produktionsabläufen.

"Was ich nicht verstehe, ist, dass Greenpeace wissenschaftliche Erkenntnisse akzeptiert, wenn sie ihre Absichten unterstützen, entsprechen die Ergebnisse jedoch nicht ihrer Agenda, widersprechen sie der Wissenschaft", sagte Randy Schekman, der 2013 den Medizin-Nobelpreis bekommen hat und an der University of California in Berkeley forscht.

Nutzen laut Greenpeace nicht bewiesen

Greenpeace wies in einer ersten Reaktion die Anschuldigungen zum Vitamin A zurück. Laut dem Internationalen Institut für Reisforschung (Irri) sei der Nutzen von Goldenem Reis bei der Bekämpfung von Vitamin-A-Mangel nicht bewiesen. Die Organisation hatte Goldenen Reis bereits in der Vergangenheit als "gefährliche Illusion" bezeichnet. Zur Bekämpfung von Vitamin-A-Mangel gebe es andere Strategien wie Beimischungen in Grundnahrungsmitteln oder Gärten zur Obst- und Gemüseversorgung in Gebieten mit armer Bevölkerung.

Die mit Gentechnik befassten Unternehmen nutzten den Goldenen Reis, um die weltweite Ausbreitung von gentechnisch veränderten Organismen zu forcieren, erklärte Greenpeace nun noch einmal. Die "einzige garantierte Lösung" im Kampf gegen Mangelernährung sei eine "gesunde und vielfältige Ernährung".

"Wir wurden in Staaten rund um die Welt dafür angegriffen, dass wir Landwirten und Gemeinden dabei helfen, die Gefahren durch gentechnisch verändertes Saatgut abzuwenden", sagte Greenpeace-Forscher Charlie Cray. "Ich frage mich, warum es eine Pressekonferenz in Washington gibt, eine Woche, bevor es eine Abstimmung über die Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Organismen geben soll."

Der US-Senat entscheidet kommende Woche über einen Entwurf, der Einfluss auf die Kennzeichnung gentechnisch veränderter Organismen im Bundesstaat Vermont haben könnte.

Die Nobelpreisträger halten dagegen, die Wissenschaft spreche für sich. Sie riefen Greenpeace dazu auf, zu prüfen, auf welcher Informationsbasis die Organisation ihre Entscheidungen fällt.

jme/AFP/Reuters

insgesamt 59 Beiträge
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Seite 1
From7000islands 01.07.2016
1. Greenpeace mehr vertrauen
Greenpeace hat durch ihre weltumspannende Organisation mehr Kenntnis über die Zusammenhänge von Ernährung als einzelene Wissenschaftler, die meistens für Institute arbeiten, die von Gentechnik Befürwortern finanziert werden. Schon die Behauptung, es gäbe einen globalen Nahrungsmittelmangel ist eine dreiste Lüge. Schon in Europa ersticken die Menschen in einer Überproduktion von Lebensmitteln und riesige Landflächen in Osteuropa sind unbewirtschaftet. Genauso in Asien werden riesige Flächen von Land aus wirtschaftlichen Interessen NICHT bewirtschaftet.
kahabe 01.07.2016
2. Überbevölkerung?
Ohne Gentechnik 250 Mio Menschen weniger? Stünden der Erde nicht noch viel weniger Menschen gut zu Gesicht? Ich weiß, das "wir" dazu nicht Willens sind!
toll_er 01.07.2016
3. Schade...
"Die "einzige garantierte Lösung" im Kampf gegen Mangelernährung sei eine "gesunde und vielfältige Ernährung"." Und ich bin immer davon ausgegangen, dass die Greenpeace-Leute sich auch die Situation vor Ort angeschaut haben.... So eine Blauäugigkeit in Hinblick auf die Ernährungssituation und --möglichkeiten in den armen Ländern dieser Welt ist erschreckend...
gandalf446 01.07.2016
4.
Zitat von From7000islandsGreenpeace hat durch ihre weltumspannende Organisation mehr Kenntnis über die Zusammenhänge von Ernährung als einzelene Wissenschaftler, die meistens für Institute arbeiten, die von Gentechnik Befürwortern finanziert werden. Schon die Behauptung, es gäbe einen globalen Nahrungsmittelmangel ist eine dreiste Lüge. Schon in Europa ersticken die Menschen in einer Überproduktion von Lebensmitteln und riesige Landflächen in Osteuropa sind unbewirtschaftet. Genauso in Asien werden riesige Flächen von Land aus wirtschaftlichen Interessen NICHT bewirtschaftet.
Genau, eine Gruppe von Idealisten und Träumern hat mehr Wissen als Wissenschaftler, die sich teils seit Jahrzehnten mit den entsprechenden Themen auseinandersetzen. Mir ist ja durchaus bekannt, dass das SPON-Forum recht grün ist, aber so etwas habe ich selbst hier noch nicht gelesen.
m.m.s. 01.07.2016
5. Reis-Armut
Leider weiß man viel zu wenig aus dem Artikel. Ist das Saatgut frei oder muss jeder weltweit der das in die Hand nimmt Lizenzen zahlen? Bei letzterem kann das Produkt gleich in den Müll, das ist wie die Salzsteuer in Indien früher. Außerdem ist nur Reis zu essen genauso sinnlos, auch Reis mit plus Vitamin A. Das reicht nicht, notwendig ist die Förderung von Klein- und Kleinstproduktion von Lebensmitteln inklusive der mit Vitamin A in Gemüse als Beispiel. Das hat Hand und Fuss und ermöglicht ein gesundes Leben, weil die Betroffenen das selber in der Hand haben. Dies ist nachhaltig und funktioniert langfristig. Nobelpreisträger können sich hier irren, wenn sie nicht auf das Gesamtpaket schauen.
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