Radaruntersuchung 56 Seen unter Grönlandeis entdeckt

Entdeckung unter dem grönländischen Eisschild: Gleich 56 Seen haben Forscher unter dem drei Kilometer dicken Kältepanzer geortet. Jetzt wollen sie dort nach extremen Lebensformen suchen.

Grönlandeis: Suche nach extremen Lebensformen
Dr. Andrew Sole/ University of Sheffield/ Eurekalert

Grönlandeis: Suche nach extremen Lebensformen


Unter dem Grönländischen Eisschild befinden sich zahlreiche bisher unbekannte Seen. Forscher aus Großbritannien und den USA haben dazu Daten aus verschiedenen Untersuchungen zusammengeführt. Die Erkenntnisse könnten dazu beitragen, das hydrologische System des Eisschilds besser zu verstehen.

Grönland beherbergt die zweitgrößte permanent vereiste Fläche der Welt. Sie ist bis zu drei Kilometer dick. Doch unter der Eisschicht ist nicht alles gefroren. Eingesperrte Wassermassen bilden kilometerlange Seen. Bisher waren vier davon bekannt. Die aktuelle Studie zeigt, dass es weit mehr gibt. Die Forscher identifizierten an 56 weiteren Stellen Wasser unter dem Eis.

Das Team um Jade Bowling von der britischen Lancaster University wertete unter anderem Daten von Radaruntersuchungen aus. Darunter waren Ergebnisse des Projektes "IceBridge" der US-Raumfahrtagentur Nasa, bei der Flugzeuge den Eisschild überfliegen. Insgesamt analysierten die Forscher Informationen aus 500.000 Flugkilometern.

Schmelzwasser in Grönland: Es könnten noch weit mehr Seen existieren
Winnie Chu/ Stanford University/ Eurekalert

Schmelzwasser in Grönland: Es könnten noch weit mehr Seen existieren

Insbesondere am Rand des Eisschilds fanden sie auf diese Weise an 54 Orten Wasser unter dem Eis. Der größte See ist knapp sechs Kilometer lang, berichten die Forscher im Fachmagazin "Nature Communications". Zudem entdeckten sie zwei Seen mithilfe von speziellen Messungen, die die Höhe der Eisfläche erfassen.

Suche nach extremen Lebensformen

Die Seen liegen laut der Studie vor allem im Norden und Osten des Schilds. Die meisten befinden sich am Rand des Eisschilds, aber noch in den Regionen, die auch im Sommer nicht schmelzen. Sie sind stabil und bestehen das ganze Jahr über.

Zwei der nun entdeckten Seen sind dagegen hydrologisch aktiv: Sie entstehen im Winter und entleeren sich während der Schmelze im Sommer. Dabei bewegen sie die Eisschichten und verändern sich in der Höhe. Zwei weitere solcher Seen waren schon zuvor bekannt.

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Die Forscher gehen davon aus, dass weit mehr Seen existieren könnten, und sie hoffen, dass der Satellit ICESat-2, der seit vergangenem Jahr in Betrieb ist, Daten dazu liefern wird. Die Wasserspeicher könnten wertvolle Informationen enthalten: "Diese Seen ermöglichen es uns, nach extremen Lebensformen zu suchen, und Bodenproben können Rückschlüsse über Umweltveränderungen geben", erklärt Co-Autor Stephen Livingstone.

Die Forscher hoffen, mithilfe der Ergebnisse besser abschätzen zu können, wie der Eisschild auf steigende Temperaturen reagieren wird. Frühere Studien hatten Seen unter dem Eisschild direkt mit dem Klimawandel in Zusammenhang gebracht. Seen im Eis bilden sich grundsätzlich entweder durch Wärme, die durch Druck und Bewegung der Eismassen selbst entsteht, durch Erdwärme oder durch eindringendes Oberflächenwasser.

In der Antarktis kommen solche Seen weit öfter vor als in Grönland; mehr als 400 wurden schon unter dem Eis entdeckt.

jme/dpa



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