Erderwärmung Forscher messen Rekord-Eisverlust in Grönland

Das Abtauen von Grönlands Eisschild kann nicht mehr aufgehalten werden, das hatten Forscher erst kürzlich festgestellt. Nun gibt es eine neue Hiobsbotschaft.
Eisberge schwimmen vor der grönländischen Küste im Meer

Eisberge schwimmen vor der grönländischen Küste im Meer

Foto: Felipe Dana / AP

Der Negativrekord hatte sich bereits abgezeichnet: Der Rückgang des grönländischen Inlandeises erreichte 2019 einen neuen Rekordwert. Der Masseverlust war größer als im bisherigen Rekordjahr 2012. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) und des Potsdamer Geoforschungszentrums (GFZ). Für die Untersuchung, die im Fachjournal "Communications Earth & Environment"  erschien, hatten die Wissenschaftler Satelliten- und Modelldaten ausgewertet.

2017 und 2018 hatte es nur geringe Masseverluste gegeben. "Nach zwei Jahren Atempause sind 2019 die Masseverluste wieder stark angestiegen und übertreffen alle Jahresverluste seit 1948, wahrscheinlich sogar seit über 100 Jahren", sagte Ingo Sasgen, Glaziologe am AWI in Bremerhaven und Autor der Studie. Als Inlandeis - auch Eisschild genannt - wird eine flächenartige Vergletscherung bezeichnet, die Grönland fast vollständig bedeckt.

Das Inlandeis in der Antarktis und das in Grönland sind die größten Eisschilde der Erde. Dass die Gletscher Eis ins Meer verlieren, ist Teil des natürlichen Kreislaufs. Aber normalerweise gewinnen sie auch neues Eis durch gefrierenden, frischen Schnee hinzu.

Die Massebilanz eines Jahres ergibt sich aus der Differenz zwischen Eiszunahme und Eisverlusten durch Schmelzen und Eisausstoß am Rand in den Ozean. Die Masseverluste in Grönland fielen den Angaben zufolge 2019 mit 532 Milliarden Tonnen deutlich höher aus als im bisherigen Rekordjahr 2012 (464 Milliarden Tonnen). Dies entspreche einem global gemittelten Meeresspiegelanstieg von 1,5 Millimetern. "Immer häufiger haben wir stabile Hochdruckgebiete über dem Eisschild, die den Einstrom von wärmerer Luft aus den mittleren Breiten und damit das Schmelzen begünstigen", sagte Sasgen.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Das System ist nicht mehr zu stoppen

Vor 40 Jahren war das anders. Der Schnee, der sich auf Grönland ansammelte und die Eismenge, die schmolz oder die Gletscher in Form von Eisbergen in den Ozean entließen, befand sich in einer Balance, obwohl bereits damals gewaltige Eismengen von Gletschern ins Meer flossen. Ab dem Jahr 2000 kippte das System.

Darauf hatten Forscher bereits Mitte August aufmerksam gemacht. Ein Team von der Ohio State University berichtete, der Eisverlust von Grönland beschleunige sich und sei nicht mehr aufzuhalten, selbst wenn die Erderwärmung sofort gestoppt würde. Seit 1985 hätten sich die Gletscher auf Grönland im Schnitt rund drei Kilometer zurückzogen. Der jährliche Schneefall reicht nicht mehr, um diese Verluste aufzuwiegen, hatten Satellitendaten aus 40 Jahren ergeben.

joe/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.