Protest gegen Uranförderung in Grönland: Knappe Abstimmung im Parlament
Foto: Lauritz SchönfeldBerlin - Im Boden von Grönland schlummern große Mengen an Bodenschätzen. Rohstoffsucher kennen Vorkommen an Eisenerz, aber auch an Seltenen Erden, die wegen ihrer Bedeutung für die Herstellung von Hochtechnologieprodukten als strategisch wichtig gelten. Zumindest an den Rändern der riesigen Arktisinsel ist die Förderung in den vergangenen Jahren immer interessanter geworden - um den Rohstoffhunger der Welt zu befriedigen, vor allem aber auch, um viel Geld zu verdienen.
Für die 57.000 Einwohner Grönlands geht es dabei auch um die Frage der Unabhängigkeit vom einstigen Mutterland Dänemark. Die vollständige Abnabelung wird erst möglich, wenn die Rohstoffeinnahmen reichlich fließen. Denn momentan geht es der grönländischen Wirtschaft nicht allzu gut. Ohne massive Zuschüsse aus Kopenhagen wäre der Staatshaushalt nicht zu stemmen.
Erste von Umweltschützern massiv kritisierte Ölbohrungen blieben ohne Erfolg. Doch wie es aussieht, könnten große Bergbauprojekte nun für Einnahmen sorgen. So hoffen es jedenfalls die Grönländer. Am Donnerstag haben sie nun eine wichtige Hürde beseitigt: Sie haben ein 1988 aufgestelltes Verbot der Uranförderung auf der Insel gekippt.
Das ist deswegen wichtig, weil das Element bei fast allen Rohstoffprojekten, zum Beispiel bei der Förderung Seltener Erden, in kleinen Mengen mit anfallen würde. Der Konzern Greenland Minerals and Energy würde gern bei Narsaq in Südgrönland Seltene Erden fördern.
Mehrheit von 15 zu 14 Stimmen
Die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Aleqa Hammond hatte darauf gedrungen, das Förderverbot für Uran abzuschaffen. Doch in der Bevölkerung gab es Widerstand, incklusive Demos auf den Straßen. Im Parlament erhielt Hammond nach fünfstündiger Debatte nun trotzdem eine hauchdünne Mehrheit von 15 zu 14 Stimmen. Grönlands Regierung entscheidet seit 2009 autonom über alle inneren Angelegenheiten mit Ausnahme der Sicherheits- und Außenpolitik. Hier hat die Ex-Kolonialmacht Dänemark weiter ein Mitspracherecht. Und das beträfe wohl auch einen möglichen Export des Urans, wie aus Kopenhagen zu hören ist.
Um den Rest der Rohstoffe kümmern sich die Grönländer dagegen selbst - und schlossen ebenfalls am Donnerstag dazu ein wichtiges Abkommen. Es räumt dem Unternehmen London Mining umfangreiche Rechte bei der Förderung von Eisenerz ein. Das Vorhaben ist extrem wichtig für die grönländische Wirtschaft, für die sich die Regierung einen kräftigen Schub erhofft.
Über eine Betriebsdauer von 15 Jahren verteilt, könnte das Abkommen Grönland schätzungsweise rund 3,8 Milliarden Euro an Unternehmens- und Kapitalertragsteuern einbringen - so jedenfalls rechnete es die mit chinesischem Kapital operierende Firma London Mining vor. Dazu könnten noch Einkommensteuern in Millionenhöhe kommen. Könnten, wie gesagt.
Doch die Regierung gibt sich optimistisch. Bei dem Abkommen handele es sich "um das bisher größte wirtschaftliche Vorhaben in Grönland", sagte der für Industrie und Bodenschätze zuständige Minister Jan-Eric Kirkegaard. Die Leiterin der zuständigen dänischen Sektion der Umweltschutzorganisation WWF, Gitte Seeberg, mahnte die Beteiligten zur Rücksichtnahme auf die Natur. Sie hoffe, dass die Regierung alles getan habe, um die Auswirkungen auf die Umwelt so gering wie möglich zu halten, sagte Seeberg.
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