Meteoriteneinschlag Krater in Grönland ist 4000 Mal älter als gedacht

Tief unter dem Eis Grönlands zeigen sich Spuren eines verheerenden Meteoriteneinschlags. Forscher haben ermittelt, dass Menschen den schweren Einschlag doch nicht erleben mussten. Dinosaurier waren näher dran.
Verborgener Riesenkrater: Blick auf den Hiawatha-Gletscher in Grönland

Verborgener Riesenkrater: Blick auf den Hiawatha-Gletscher in Grönland

Foto: NASA

Ein riesiger Krater im Nordwesten Grönlands, begraben von einer dicken Eisschicht und 2015 erstmals entdeckt, ist viel älter als zunächst vermutet. Er wurde von einem Meteoriteneinschlag vor 58 Millionen Jahren gebildet. Die ersten Schätzungen, der Krater sei 13.000 Jahre alt, lagen damit um den Faktor 4460 daneben.

Forschende erklärten am Mittwoch, sie hätten von dem Einschlag hinterlassenen Sand und Gestein mit zwei verschiedenen Datierungsmethoden überprüft, um herauszufinden, wann der ungefähr 31 Kilometer breite Krater gebildet wurde. Sie fanden heraus, dass der Meteorit mit einem Durchmesser von etwa 1,5 bis 2 Kilometern Grönland etwa acht Millionen Jahre nach dem Asteroideneinschlag auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan traf, der die Dinosaurier auslöschte.

Der Krater zählt zu den 25 größten bekannten Einschlagkratern der Erde. Er liegt unter dem Hiawatha-Gletscher mit einer etwa einen Kilometer dicken Eisschicht. Entdeckt wurde er erst mithilfe von Radargeräten, die aus der Luft das Eis durchmessen können.

Illustration: Das Forschungsflugzeug Polar 6 des Alfred-Wegener-Instituts maß die Daten im Überflug des Hiawatha-Gletschers. Für das Radargramm wurde die Eisschicht in Streifen ausgeblendet, um die darunter liegende Landoberfläche sichtbar zu machen

Illustration: Das Forschungsflugzeug Polar 6 des Alfred-Wegener-Instituts maß die Daten im Überflug des Hiawatha-Gletschers. Für das Radargramm wurde die Eisschicht in Streifen ausgeblendet, um die darunter liegende Landoberfläche sichtbar zu machen

Foto: NASA

»Der Einschlag dürfte die Region verwüstet haben«, sagte der Geologe Gavin Kenny vom Naturhistorischen Museum in Stockholm, der Hauptautor der in der Zeitschrift »Science Advances«  veröffentlichten Studie. Der Meteorit habe mehrere Millionen Mal mehr Energie freigesetzt als eine Atombombe, der Krater hätte eine moderne Großstadt verschlucken können. »Die Druckwelle aus dem Einschlag dürfte die meisten Bäume gefällt haben«, malte Kenny die Folgen aus. Noch mehrere Hundert Kilometer entfernt hätte die Hitzewelle die Wälder in Brand gesetzt.

Zur Zeit des Einschlags, im Paläozän, war Grönland keine Eislandschaft wie heute, sondern von gemäßigtem Regenwald bedeckt und von Säugetieren bewohnt, die sich nach dem Aussterben der Dinosaurier zu den auf der Erde dominierenden Landtieren entwickelten.

Illustration: In den Hiawatha-Krater würde Paris mit Vororten (bis zur Ringautobahn Super-Périphérique) hineinpassen

Illustration: In den Hiawatha-Krater würde Paris mit Vororten (bis zur Ringautobahn Super-Périphérique) hineinpassen

Foto: NASA

Der Einschlag dürfte auch Erdbeben in der Region ausgelöst haben, sagte Kenny. Zugleich habe es Asche aus den Waldbränden geregnet, ebenso wie Staub und geschmolzenes Gestein, das mit Gewalt in die Atmosphäre geschleudert wurde. Auf die Erde habe sich eine dicke Schuttschicht gelegt.

Kein Auslöser der Eiszeit

So schlimm dieses Ereignis sich auch auswirkte – es blieb weit hinter der Zerstörung zurück, die der auf zwölf Kilometer Durchmesser geschätzte Asteroid auslöste, der vor 66 Millionen Jahren in Yucatan einschlug. Dieser löschte drei Viertel der Arten auf der Erde aus und verursachte eine globale Klimakatastrophe.

»Ob der Einschlag einen dauerhaften Effekt auf das Weltklima hatte, ist derzeit unklar, nach meiner Meinung aber unwahrscheinlich«, sagte der Geologe Michael Storey vom Geologischen Museum Kopenhagen, ein Co-Autor der Studie.

Manche Forschende nahmen bislang an, dass der Einschlag Grönland erst traf, nachdem sich vor 2,6 Millionen Jahren der dortige Eisschild bildete – vielleicht sogar erst vor rund 13.000 Jahren. Dies könne eine Ursache für die danach einsetzende Eiszeit gewesen sein.

Die Forschenden nutzten Datierungsmethoden, die auf dem radioaktiven Zerfall beruhen. Weil der vom Eis bedeckte Krater nicht zugänglich ist, prüften sie Sand, der aus von dem Einschlag erhitzten Felsen stammte, ebenso wie Mineralien namens Zirkone, die in Kieselsteinen enthalten sind. All das wurde aus einem Fluss geborgen, der Material von dem Krater aus dem Gletscher herausspült. Beide Methoden ergaben dasselbe Alter des Materials.

Eine beruhigende Botschaft hatte Geologe Kenny auch noch: »Einschläge dieser Größe geschehen nur alle paar Millionen Jahre. Wir müssen uns also nicht sehr darum sorgen, dass sich so etwas allzu bald wiederholt.«

ak/Reuters