Extremwetterlage in Grönland Wenn Schlittenhunde im Wasser waten

77 Grad nördlicher Breite, Forscher auf Grönland wollen vor dem Start des Sommers noch schnell ihre Messgeräte einsammeln. Doch dann treffen ihre Schlittenhunde auf Wasser. Was ist da los?
Grönland: Schlittenhunde im Schmelzwasser

Grönland: Schlittenhunde im Schmelzwasser

Foto: Steffen M. Olsen/ Danmarks Meteorologiske Institut

Es ist ein eindrückliches Bild, das der Forscher Steffen Olsen vom Zentrum für Ozean und Eis des Dänischen Meteorologischen Instituts am 13. Juni gemacht hat.

Schlittenhunde sind darauf zu sehen, die durch knöcheltiefes Wasser waten. Die Aufnahme stammt vom Inglefield-Fjord im Nordosten Grönlands, auf etwa 77 Grad nördlicher Breite. Zu sehen ist eine Expedition, die - sich übers Meereis bewegend - in der Gegend aufgestellte Messgeräte bergen sollte. Zusammen mit den Forschern waren Einwohner der Gegend von Qaanaaq unterwegs.

Das Besondere dabei: Über dem mehrere Meter dicken Meereis hatte sich eine ordentliche Lage Schmelzwasser angesammelt. Dieses konnte durch Risse im Eis nicht nach unten in den mehr als 800 Meter tiefen Fjord abfließen - also stand es wie in einer Badewanne.

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Das Foto dokumentiere "einen ungewöhnlichen Tag", schreibt Olsen auf Twitter. Es sei "mehr symbolisch als wissenschaftlich". Und doch: Das Meereis hat nach Angaben von Olsens Institut in diesem Jahr bereits am 30. April begonnen zu schmelzen. Sonst sind auch Termine im Juni oder Juli durchaus üblich. Es sei der zweitfrüheste Beginn seit Start der Aufzeichnungen im Jahr 1980, so die dänischen Meteorologen.

In der vergangenen Woche sei es in Grönland und vielen anderen Teilen der Arktis ungewöhnlich warm gewesen. So seien am Flughafen von Qaanaaq am Mittwoch 17,3 und am Donnerstag immerhin noch 15 Grad gemessen worden. Grund sei warme Luft aus dem Süden gewesen, die weit nach Norden vorgedrungen ist. Das habe dafür gesorgt, dass nicht nur das Inlandeis verstärkt abgeschmolzen ist, sondern eben auch das noch existierende Meereis, so die Meteorologen.

Die aktuelle Wärmeperiode werde zumindest noch für einige Tage anhalten, hieß es. Langfristig sei zu erwarten, dass das Meer rund um Grönland für kürzere Zeit als bisher mit Eis bedeckt sein wird. Wie kurz oder lang die Eisperioden im Detail ausfallen werden, hänge vom Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen ab. Die aktuell beobachtete Wärmeperiode sei ein Extremwetterereignis. Es sei nicht ohne weiteres möglich, sie einzig auf die Erderwärmung zurückzuführen.

Bemerkenswert sei aber schon, dass die Meereisschmelze in diesem Jahr so früh aufgetreten sei, berichten die Meteorologen. Im Jahr 2012 habe es bereits ein ähnliches Vorkommnis gegeben, das sogar noch extremer als das aktuelle gewesen sei. Der Sommer 2012 war allerdings auch derjenige mit der bisher geringsten gemessenen Ausdehnung des Eises in der Arktis.

Zumindest aktuell droht 2019 allerdings zum Jahr mit neuem Negativrekord zu werden. Seit Januar ist das Eis ähnlich oder sogar weniger stark ausgedehnt als es zur gleichen Zeit im Jahr 2012 war. Am 17. Juni lag die mit Eis bedeckte Fläche mit 10,766 Millionen Quadratkilometern nur minimal vor den 10,654 Millionen Quadratkilometern des Krisenjahres 2012.

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Der dänische Glaziologe Andreas Ahlstrøm wies auf Twitter übrigens vorab darauf hin, dass das Meereis im Inglefield-Fjord dieses Jahr schneller als sonst abschmelzen dürfte. Schuld ist der sogenannte Eis-Albedo-Rückkopplungseffekt.

Er besagt, grob gesprochen, dass gefrorener Schnee mehr Sonnenlicht reflektiert als zum Beispiel Schmelzwasserseen. Das liegt daran, dass das helle Eis nur einen kleinen Teil der einfallenden Energie absorbiert, das dunklere Wasser dagegen deutlich mehr. Das heißt: Was einmal angeschmolzen ist, schmilzt dann auch schneller komplett.

chs
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