Dinosaurier-Rekordfund "Länger und dicker als alles, was man bisher gefunden hat"

Die Entdeckung macht Furore: In Argentinien haben Forscher die Knochen eines Dinosauriers gefunden, bei dem es sich um das größte bisher bekannte Landtier handeln soll. Kann das stimmen?


40 Meter lang, 20 Meter groß, rund 80 Tonnen schwer - diese enormen Maße gibt das Paläontologie-Museum Mef in Argentinien bekannt. Dort haben Forscher die Knochen eines Riesendinosauriers entdeckt. Sie gehen davon aus, dass es sich um die Überreste des größten Landtiers aller Zeiten handelt: so hoch wie ein mehrstöckiges Haus und so schwer wie 14 afrikanische Elefanten.

"Das ist ein wahrer paläontologischer Schatz", sagte Grabungsleiter José Luis Carballido. Der neu entdeckte, noch namenlose Dinosaurier ist damit vermutlich das größte bekannte Tier, das jemals an Land lebte. Kann das sein? Bernd Herkner, Leiter der Abteilung für Paläontologie des Senckenberg-Museums in Frankfurt, erläutert den Fund.

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Knochenarbeit in Argentinien: Der Größte der Welt
SPIEGEL ONLINE: Wie sicher kann ein Forscher sein, dass es sich bei einem Fossil um den größten bekannten Dinosaurier handelt?

Bernd Herkner: Offenbar ist der Oberarmknochen bei dem neuen Fund länger und dicker als bei allen, die man bisher gefunden hat. So ist dieser Dino immerhin größer als Argentinosaurus. Es gibt aber auch mindestens zwei Funde von Riesendinosauriern, bei denen nur ein riesiger Wirbelkörper gefunden wurde: Puertasaurus in Argentinien und Amphicoelias. Der fragmentarische Rumpfwirbel von Amphicoelias ist aber verschollen. Es gibt nur eine von dem berühmten amerikanischen Dinosaurierforscher Edward Drinker Cope angefertigte Zeichnung mit Größenangabe. Danach schätzt man den Querdurchmesser auf knapp 110 Zentimeter, die Höhe auf 240. Beide Dinosaurier könnten also größer als der neu gefundene sein.

SPIEGEL ONLINE: Was ist ausschlaggebend - Länge, Höhe, Gewicht oder alles zusammen?

Herkner: Man kann sicher alles als Maßstab nehmen, aber das Gewicht ist noch am ehesten geeignet. Als größtes heutiges Landtier wird auch der Elefant genannt - und nicht die höhere Giraffe oder die längere Anakonda.

Die größten bisher bekannten Dinosaurierarten (geschätzt)

Puertasaurus (Titanosauria), Argentinien, Oberkreide, 40 Meter
Argentinosaurs (Titanosauria), Argentinien, Oberkreide, 35 – 40 Meter
Paralititan (Titanosauria), Ägypten, Oberkreide, 26 Meter
Antarctosaurus (Titanosauria), Argentinien, Oberkreide, 33 Meter
Futalognkosaurus (Titanosauria), Argentinien, Oberkreide, 30 – 35 Meter
Amphicoelias (Diplodocoidea), USA, Oberjura, 40 – 60 Meter, Rückenwirbel 2,30 Meter hoch
Diplodocus (Diplodocoidea), USA, Oberjura, 27 Meter
Seismosaurus (Diplodocoidea), USA, Oberjura, 32 Meter
Supersaurus (Diplodocoidea), USA, Oberjura, 30 – 35 Meter
Sauroposeidon (Brachiosauridae), USA, Unterkreide, 28 – 34 Meter (18 Meter hoch)

Quelle: Senckenberg Museum, Frankfurt

SPIEGEL ONLINE: Ist die Aussage "der größte" nicht viel zu pauschal? Muss man dies nicht nach Arten unterscheiden?

Herkner: Zu pauschal ist richtig. Man müsste eben sagen: der schwerste, längste oder höchste. Nach Arten muss man das allerdings nicht unterscheiden. Die Aussage "der schwerste bisher bekannte Dinosaurier" oder "das schwerste bisher bekannte jemals an Land lebende Tier" wäre korrekt, sofern man das sicher bestimmen kann.

SPIEGEL ONLINE: Bislang hat man von großen Dinosauriern meist nur einzelne kleine Fragmente gefunden. Die nun entdeckten Fossilien sollen dagegen in sehr gutem Zustand sein. Wie kann das sein?

Herkner: Große Dinosaurier findet man eigentlich nie komplett, weil es unwahrscheinlich ist, dass ein so großer Kadaver auf einmal mit Schlamm bedeckt wird und dann das Skelett versteinert. In nahezu allen Fällen verwest das Tier, und das Skelett bleibt liegen. Wenn dann ein Fluss über die Ufer tritt, werden die Skelettteile verdriftet und zusammen mit Skelettresten anderer Dinosaurier irgendwo abgelagert und mit Schlamm zugedeckt. Dann hat man ein Sammelsurium von Knochen. Mal ein Stück Wirbelsäule, mal ein Stück Bein, mal ein Schulterblatt.

SPIEGEL ONLINE: Aber diesmal ist alles anders?

Herkner: Das sieht ganz so aus. Im Fall des neuen Fundes wurden nach Aussage der argentinischen Kollegen rund 150 Skelettteile von sieben Individuen gefunden. Bei Argentinosaurus wurden nur einige Wirbelkörper, ein paar wenige Beinknochen, Rippenfragmente und das Kreuzbein gefunden. Der neue Fund stellt also verglichen mit den anderen Riesen eine recht gute Datenbasis dar.

nik



insgesamt 3 Beiträge
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NoName2 20.05.2014
1. erste Namensvorschläge
…ein möglicher Name der im Moment kursiert ist "Black Madingo" aufgrund der Ausmaße!
rr1805 21.05.2014
2.
Zitat von NoName2…ein möglicher Name der im Moment kursiert ist "Black Madingo" aufgrund der Ausmaße!
Wie wäre es denn mit "Queen Elizabeth 3"?
tgu 21.05.2014
3. Noch ein Namensvorschlag,
weil der Zeitrahmen so schön mit der Premiere eines Kinofilms zusammen läuft: "Godzilla". Aber Scherz bei Seite. Woher wollen die Paläontologen eigentlich wissen, dass die Knochen von 7 Individuen der einen Art stammt und nicht auch noch von anderen Arten? Übrigenz, ich glauch ein Urzeitkrokodil hat schon den wissenschaftlichen Namen Godzilla.
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