Jagd und Wilderei Jeder vierte Löwe in Sambia hat Schrotkugeln im Schädel

Ein Forschungsteam hat über Jahre die Schädel von Raubkatzen untersucht, die Trophäenjäger in Sambia erlegt hatten. Was sie fanden, ist alarmierend.
In Sambia, im Südosten Afrikas, leben noch rund 1200 Löwen.

In Sambia, im Südosten Afrikas, leben noch rund 1200 Löwen.

Foto: Malcolm Schuyl / FLPA / IMAGO

Immer wieder kommt es zu Konflikten, wenn sich wilde Raubtiere in den Lebensraum der Menschen vorwagen – und umgekehrt.

Mit einer Untersuchung in Sambia, im Südosten des afrikanischen Kontinents, konnten eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler nun zeigen: Mehr als ein Viertel der männlichen Löwen trägt von einer solchen Begegnung mit Menschen Verletzungen davon – Schrotkugeln in den Schädeln der Tiere sind der Beweis. Die Studie veröffentlichte das Team in der Fachzeitschrift »Frontiers in Conservation Science« .

Schrot in 41 Löwenschädeln

Für die Studie untersuchten die Forscher 112 Schädel von Löwen, die zwischen 2000 bis 2012 von Großwildjägerinnen und -jägern erlegt wurden, auf nicht tödliche Verletzungen. Die Tiere stammten aus dem Luangwa-Tal und dem Greater-Kafue-Ökosystem, zwei bedeutenden Naturschutzgebieten in Sambia.

Demnach waren in 27 Prozent der Schädel ausgewachsener Löwenmännchen Schrotkugeln zu finden. Mit Schrot schießen Menschen vor allem deshalb auf Löwen, um die Tiere zu vertreiben – die kleinen Kugeln sind für sehr große Tiere in der Regel nicht tödlich. Es sei auch nicht auszuschließen, dass Wilderer mit Schrot auf Löwen schießen.

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Löwen in Afrika: Bedrohte Jäger

Foto: Cameron Spencer/ Getty Images

Bei 37 Prozent der Köpfe konnten die Wissenschaftler Verletzungen durch Drahtfallen nachweisen – solche Fallen nutzen Wilderer, um die Löwen illegal zu erlegen. An den Zähnen der Tiere seien bestimmte Spuren zu erkennen, die zeigten, dass die Löwen versucht haben müssen, sich aus den Drahtschlingen zu befreien. Die Daten zeigten also: Beinahe zwei von fünf Löwen würden mindestens einmal in ihrem Leben in einer solchen Falle gefangen. Bei einem Teil der Tiere fanden sich beide Verletzungsarten.

Das Forschungsteam prüfte auch die 45 Schädel erlegter Leoparden auf Verletzungen. Bei 22 Prozent seien Verletzungen durch Drahtschlingen sichtbar gewesen.

»Die größte Bedrohung für Afrikas Löwen und Leoparden sind menschliche Aktivitäten«

Diese Erkenntnis sei zwar alarmierend, sie zeige jedoch nicht das volle Ausmaß der Bedrohung für die Wildtiere in Sambia: »Die größte Bedrohung für Afrikas Löwen und Leoparden sind menschliche Aktivitäten wie Wilderei, das Eindringen in Schutzgebiete, Konflikte mit der ortsansässigen Bevölkerung und eine Abnahme der Beutetiere durch den Handel mit Wildtierfleisch«, sagte die Wissenschaftlerin Paula White, die an der Studie beteiligt war.

Auch die nicht tödlichen Verletzungen sollten in die Bemessung menschlicher Eingriffe in den Wildtierbestand einbezogen werden, forderte White – schließlich können sie die Fitness des jeweiligen Tieres deutlich beeinträchtigen. So könne etwa eine Verletzung der Zähne dazu führen, dass die Löwen weniger gut fressen können. Wenn Schrotkugeln Körperteile der Raubkatzen treffen, könne das ihren Jagderfolg verringern.

vki/dpa
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